DAX und Co: Neue Indexzusammensetzung

Die bekannten deutschen Aktienindizes DAX, MDax, SDax und TecDax werden regelmäßig hinsichtlich ihrer Zusammensetzung überprüft.

Daher gibt es, wie Sie es beispielsweise vom Fußball kennen, regelmäßig Auf- und Absteiger. Anders als beim Fußball, gibt es an der Börse jedoch keine Relegation. Dies sei aus aktuellem Anlass aber nur am Rande erwähnt.

Die aktuellen Auf- und Absteiger

Auch in dieser Woche wurde die Zusammensetzung der vier genannten Indizes überprüft. Beginnen wir zunächst mit dem deutschen Leitindex DAX. Hier gab es keine Änderungen.

Im MDax muss der Ingenieur-Dienstleister Bertrandt nach einem kurzen Gastspiel seinen Platz räumen; dafür rückt der Online-Schuh- und Modehändler Zalando auf, der seit dem Börsengang im Jahr 2014 in der Börsenliga erst in den SDax und jetzt in den MDax gestürmt ist.

Im SDax gab es gleich mehrere Änderungen: So müssen der Oberflächenspezialist Surteco, Europas größter Online-Reifenhändler Delticom und der Baukonzern Bauer weichen.

Zu den Aufsteigern in den SDax zählen der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer, das Immobilienunternehmen Adler Real Estate und der Kabelfernsehanbieter Tele Columbus, der erst seit kurzem an der Börse ist.

Eine Veränderung gab es auch im TecDax: Hier muss das Schweizer Biotech-Beteiligungsunternehmen BB Biotech Platz machen für den Glasfaser-Spezialisten Adva. Auf den Abstieg von BB Biotech möchte ich jetzt etwas näher eingehen, da die Ursache dafür eine besondere Regel ist, die vergleichsweise selten zur Anwendung kommt.

Der Sonderfall BB Biotech

Seit der Einführung des TecDax im März 2003, war BB Biotech – mit kurzen Unterbrechungen – Dauergast im Technologieindex. Im Anschluss an die jüngste Indexüberprüfung hat die Deutsche Börse allerdings mitgeteilt, dass BB Biotech ersetzt und ab dem 22. Juni 2015 nicht mehr Bestandteil des TecDax sein wird.

Zum Hintergrund: Überprüfungen, in denen die Zusammensetzung der deutschen Aktienindizes untersucht wird, finden regelmäßig statt. Eine ausführliche Übersicht über die Termine und Kriterien finden Sie gleich. Jetzt aber zunächst wieder zum Spezialfall BB Biotech.

Das Biotech-Beteiligungsunternehmen muss den Platz im TecDax nicht etwa räumen, weil sich die Aktie schlecht entwickelt hat oder ähnliches (ganz im Gegenteil; die Aktie hat sich in den vergangenen Jahren prächtig entwickelt). Der Grund dafür ist vielmehr eine Besonderheit bei den angesprochenen Überprüfungskriterien.

Denn: Neben der Marktkapitalisierung und dem Handelsvolumen gilt für Aktien wie BB Biotech, die an mehreren Börsenplätzen gelistet sind, noch ein zusätzliches Kriterium für die Indexzugehörigkeit: mindestens 33% des weltweiten Handelsvolumens muss über Xetra bzw. die Frankfurter Börse gehandelt werden.

Während BB Biotech hinsichtlich der Marktkapitalisierung einen Spitzenplatz im TecDax belegt und auch bezüglich des Handelsvolumens im Mittelfeld steht, ist der relative Anteil am Handelsvolumen unter die Mindestgrenze gefallen.

Das bedeutet, dass zuletzt weniger als 33% des gesamten weltweiten Handelsvolumens der BB-Biotech-Aktie über deutsche Börsen gehandelt wurden. Für Aktionäre des Unternehmens hat sich dadurch aber nichts zu ihrem Nachteil verändert. Die Aktie kann auch weiterhin problemlos an deutschen Börsen gehandelt werden.

Kommen wir jetzt abschließend zu den Auf- und Abstiegskriterien und den Terminen für die Überprüfung der Indexzusammensetzungen.

Das sind die Auf- und Abstiegskriterien

Grundsätzlich gibt es zwei Kriterien, die über den Auf- oder Abstieg im DAX entscheiden. Dabei handelt es sich um den Börsenumsatz (Wert der täglich gehandelten Aktien) und die Streubesitz-Marktkapitalisierung (Börsenwert des Unternehmens unter Berücksichtigung des Streubesitzes).

Daneben gibt es jeweils vier Regeln für einen Auf- und Abstieg. Diese möchte ich Ihnen jetzt vorstellen:

Fast-Entry:

Ein Unternehmen wird neu in den DAX aufgenommen, wenn es nach beiden Kriterien mindestens zu den 25 größten Unternehmen zählt. Aus dem DAX scheidet dann jener Wert aus, welcher in mindestens einem der beiden Kriterien einen Rang schlechter als 35 (falls ein solcher existiert) ist und die niedrigste Marktkapitalisierung aufweist.

Regular-Entry:

Ein Unternehmen wird neu in den DAX aufgenommen, wenn es nach beiden Kriterien mindestens zu den 30 größten Unternehmen zählt und sofern ein Indexwert existiert, der nach mindestens einem Kriterium nicht mehr zu den 35 größten Unternehmen zählt.

Fast-Exit:

Ein Unternehmen wird aus dem DAX genommen, wenn es nach einem der beiden Kriterien (Börsenumsatz oder Marktkapitalisierung) nicht mehr zu den 45 größten Unternehmen gehört, ein Nicht-Index-Wert aber bei der Marktkapitalisierung mindestens Rang 35 und beim Börsenumsatz mindestens Rang 45 erreicht.

Regular-Exit:

Ein Unternehmen wird aus dem DAX genommen, wenn es nach einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 40 größten Unternehmen gehört, ein Nicht-Index-Wert aber in beiden Kriterien mindestens Rang 35 erreicht.

Diese Termine entscheiden über den Auf- und Abstieg

Nur jeweils zum ordentlichen Anpassungstermin im September werden alle vier Regeln angewendet. Die Fast-Exit- und Fast-Entry-Regel werden dagegen auch an den außerordentlichen Anpassungsterminen im März, Juni und Dezember angewendet.

Außerordentliche Aktualisierungen werden außerdem zum Beispiel im Fall von Insolvenzen eines Unternehmens vorgenommen. Zudem kann in Ausnahmefällen, wie zum Beispiel kurzfristig angekündigte Übernahmen oder signifikante Veränderung des Freefloat (Aktienstreubesitz), der Vorstand der Deutsche Börse AG in Abstimmung mit dem Arbeitskreis Aktienindizes von diesen Regeln abweichen.

Fazit: Die Index-Anpassungen sorgen u.a. dafür, dass aufstrebende Unternehmen in den Börsenindizes zügig aufsteigen können. Das ist ein Grund dafür, warum die Indizes langfristig immer steigen.

5. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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