DAX und der Hexensabatt: Abrechnung auf hohem Niveau

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Der DAX war heute stärke als angenommen. Über 12.450 Punkte wurde zum Teil abgerechnet. Allerdings gab es auch keine Kurse über 12.500 Punkte. (Foto: Deutsche Börse AG)

Es war wieder einmal soweit. Heute war großer Verfallstag. Der DAX stand um 12 Uhr knapp über 12.450 und um 13 Uhr bei etwa 12..475 Punkte. Das war durchaus mehr, als einige Marktteilnehmer erwartet hatten. Dennoch ging der DAX nicht durch die Decke. Die Stillhalter haben sich also nicht massiv abgesichert, obwohl der DAX in einem für sie kritischen Fenster war. Ein wesentlich höherer DAX als Übertreibung wäre heute auch möglich gewesen.

DAX im 5-Minuten-Chart

So sah der Tagesverlauf heute aus. Sie sehen: Richtung 12 und 13 Uhr wurden die Kurse noch nach oben geschoben. Wobei – es waren ja auch nur etwa 50 Punkte. Da war schon einmal mehr Pfeffer im Markt vor einem Verfall.

Danach plätscherte es heute so dahin, wie schon die letzten Tage. Der DAX bewegt sich kaum und genau darüber freuen sich die Bären. Denn das bereitet ein Szenario vor, dass ich Ihnen vor einigen Tagen schon gezeigt hatte. Vielleicht erinnert Sie sich. Es geht um die Average True Range, also die Schwankungsbreite des Tages. Je näher wir an einem Tief im Indikator ankommen, desto höher ist die Chance auf eine Trendwende im Chart.

DAX vor der Kehrtwende?

Drei Linien sehen Sie im Chart: Schwarz der aktuelle Widerstand. Darüber konnten die Kurse diese Woche und bereits letzten Freitag nicht ausbrechen. Erst wenn wir die 12.500 Punkte knacken, ist weiter Luft nach oben.

Rot: Die 20-Tageslinie. Diese hat in der Vergangenheit oft eine kurzfristigen Trendwechsel angezeigt. Aber jede Regel hat ihre Ausnahme. Derzeit nützt uns diese Linie herzlich wenig. Die SMA 20 ist meilenweit von den Kursen entfernt. Daraus können wir nur den steilen Anstieg der letzten Wochen ablesen. Gerade im Juli war die Linie auch unnütz. Die Kurse sind wie wild um sie herumgesprungen. Ende August sah das schon wieder ordentlicher aus.

Jetzt aber zum wichtigen Indikator in Blau: Sie sehen, der ATR-Index ist inzwischen fast bei der wichtigen 100er Marke angekommen. Diese muss nicht auf Kraft jedes Mal erreicht werden. Das zeigt auch der Der Chart im Juli. Dort hat der ATR schon vor der 100 gedreht und wenig später folgte auch der DAX.

Der ATR gab uns in der jüngsten Vergangenheit immer ein paar Tage Vorlauf, um uns auf einen Trendwechsel nach Süden im DAX einzustellen. Wenn das Tief im ATR erreicht ist, folgten wenige Tage später fallende Kurse im DAX.

Extrembeispiel: Am 15. Oktober 2007 lag der ATR sogar nur bei 67,72 Punkten. Der DAX lag damals bei 8.000 Punkten. Dreieinhalb Monate später hatte der DAX noch ein Hoch bei 8.100 Punkten und der ATR lag schon bei 117. Danach kam der Crash, der die Märkte 40 Prozent in die Knie zwang.

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Ähnlich ist es bei den Tiefpunkten im DAX. Allerdings ist da der Wochenchart besser geeignet. Beim Tief Anfang Februar 2016, notierte der ATR im Wochenchart bei knapp 600 Punkten. Einen vergleichbaren Wert gab es auch nach dem Tief im September 2011 im DAX. Damals lag der ATR bei 580 Punkten im Wochenchart.

2009 am Ende des Crashs drehten die Kurse im DAX am 9. März nach oben. Der ATR markierte im Wochenchart sein Hoch bei 641 Punkten in der Woche vom 1. Dezember 2008.

Sie sehen also, es ist keine exakte Wissenschaft. Der ATR ist aber für die grobe Orientierung durchaus sinnvoll. Wären sind beim ATR-Hoch Anfang Dezember 2008 schon in den DAX eingestiegen, hätte Sie im Anschluss noch 1.000 Punkte im DAX verloren, bevor es wieder hinauf ging. Das Tief markierte der ATR nicht präzise. Darum geht es auch gar nicht.

Als Vorläufer-Indikator ist er aber durchaus nützlich. Sie wissen, dass bald es etwas kommt. Wann genau, müssen Ihnen der Chart oder andere Indikatoren verraten.

Aktuell sind wir im Tages-ATR in einem Bereich, in dem der DAX im Anschluss gerne einmal 400 bis 1.300 Punkte fällt. Das war zumindest in diesem Jahr schon so:

– Ab dem 19. März fiel der DAX von 11.800 auf fast 11.300 Punkte. Am 12. März stand der ATR bei 101 Punkten.

– Ab dem 3. Mai fiel der DAX von 12.435 auf 11.875 und danach noch auf 11.620 Punkte. Am 26. April lag der ATR bei 95 Punkten.

– Ab dem 25. Juli fiel der DAX von 12.600 auf 11.300 Punkte. Eine Woche zuvor lag der ATR bei 105 Punkten.

Es wird also immer offensichtlicher. Wenn der ATR im DAX jetzt wieder steigt, haben wir das Tief gesehen. Sie können also in wenigen Tagen mit einem Rücksetzer rechnen, wenn dieses Muster sich so fortsetzt.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.