DAX und S&P 500: Ihre persönliche Marktanalyse vor der FED-Sitzung

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Heute Abend tagt die US-Notenbank und verkündet, um wie viele Punkte der Leitzins gesenkt wird. 25 oder 50 Punkte – das ist die Frage. Wie reagiert der Markt? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Es gibt einige Profis, die sich an diesen Tagen ganz aus dem Markt heraushalten. Es ist einfach zu ungewiss, wie der Markt auf die FED heute Abend reagiert. Zur Erinnerung: Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank gibt heute bekannt, um wie viele Punkte der Leitzins gesenkt wird.

25 oder 50 Punkte stehen zur Option. Dass die Zinsen nicht gesenkt werden, scheint utopisch, aber ein minimales Restrisiko besteht immer. In den meisten Fällen werden es wohl 25 Punkte sein.

Was kommt danach?

Das ist das alles entscheidende Kriterium. Dass die Zinsen gesenkt werden, ist so gut wie sicher. Doch was sagt die FED darüber hinaus? War es eine einmalige Aktion, die vorerst nicht wiederholt wird oder folgen jetzt wieder regelmäßige Zinssenkungen?

Ich gehe davon aus, dass dieser Teil des heutigen Abends die Märkte wesentlich bewegen wird. Sollte es keine Zinssenkung geben, dann natürlich sowieso. Aber gehen wir davon aus, dass die 25 Punkte fallen und die FED sagt: „OK, das ist für euch, aber mehr gibt es nicht“.

Dann müssen sich die Anleger und Spekulanten umschauen. Kein Boom mehr auf Pump? Wo kommen wir denn da hin? Tiefer kommen wir – und das mit Ansage! Wenn die Notenbank kein Geld mehr in den Markt drückt, müssen die Kurse sich langsam der Realität anpassen – und die liegt nun einmal ein paar Stockwerke tiefer.

Chartcheck S&P 500

Heute gibt es also mehr Potential auf der Unterseite nach der FED-Sitzung. Was schon einmal für wenig Optimismus spricht: Der S&P 500 ist heute vor der Sitzung nicht sonderlich gestiegen. Das macht er üblicherweise. Aber heute sind die Marktteilnehmer vorsichtiger. Sie wissen nicht genau, was die FED sagen wird. Vor allem, wie es weiter geht.

Die Realwirtschaft in den USA schwächelt. Deshalb fordern die Anleger Unterstützung von der FED. Je schlechter die Wirtschaft, desto besser die Kurse – schließlich wird die FED es schon richten. Es ist verrückt, aber aktuell einfach Tatsache.

Wenn wir uns allerdings den Verlauf des S&P 500 auf Jahressicht anschauen, ist dieses Jahr bislang extrem stark gewesen. Warum sollte die FED jetzt unbedingt helfen müssen? Wir sind kurz unter dem Allzeithoch. Da hat der Markt doch reichlich Luft für eine Bereinigung.

Wir könnten sogar bis um die 2.400 Punkte fallen und würden lediglich das Dezember-Tief testen. Das sind aus aktueller Sicht 600 Punkte. Zugegeben, es wäre ein ordentlicher Crash, aber kein Vergleich mit dem Crash der kommt, wenn die Notenbanken ihre Gelder komplett wieder aus dem Markt ziehen würden. Dann können sich die Indizes auch schnell halbieren. 50 bis 60 Prozent Verluste sind dann möglich.

Aber soweit kommt es nicht. Warum auch. Die Geldmaschinen können die Kurse noch ewig weiter nach oben schieben oder auf hohem Niveau halten. Selbst, wenn Sie und alle anderen Privatanleger dann nicht mehr im Markt sind. Die Bilanzsummen der Notenbanken sprechen eine deutliche Sprache.

Schauen Sie sich dagegen einfach auch einmal Daimler, Lufthansa oder die deutschen Energieriesen an. Was hat sich da wirklich in den letzten zehn Jahren getan? Die Unternehmen konnten in diesem Zeitraum kaum zulegen. Bei den Energie-Unternehmen gab es extreme Verluste. Außer Wirecard haben wir kein potentielles Zugpferd im DAX, dass als Technologie-Unternehmen Berge versetzen könnte. Und vielleicht hat Wirecard das meiste Pulver schon verschossen. Uns fehlen Aktien ähnlich Apple, Amazon, Beyond Meat im DAX. So kann das nichts werden.

DAX und seine Trendkanäle im Chartcheck

Der DAX hatte bislang auch kein schlechtes Jahr. Natürlich konnte er mit den US-Indizes nicht mithalten – aber wer kann das schon. Hier sehen Sie die Trendkanäle des DAX im Jahresverlauf. Aktuelle Tendenz: Süden.

Das muss natürlich jetzt nicht ewig so weitergehen. Der DAX kann auch aus dem aktuellen Kanal nach oben ausbrechen, aber dazu müssen die Käufer sich durchaus anstrengen.

Erst wenn wir wieder Kurse jenseits der 12.600 Punkte sehen, ist an neue Jahreshochs zu denken. Bis dahin könnte es ein gewohnt schwacher Sommer werden, den der DAX leicht nach unten verläuft.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.