DAX und Umlaufrendite – interessante Korrelation

Gestern hat der DAX uns mal wieder einen kräftigen Schrecken verpasst:

Satte -3,4% ging es in den Keller und so bescherte er uns ein mit 6.499 Punkten ein neues Tief in der laufenden Korrektur.

Talfahrt am Ende?

War es das nun? Haben wir den Tiefpunkt der laufenden Korrektur gesehen?

Die Chancen stehen zumindest nicht schlecht, dass wir dem Boden sehr nahe sind.

Denn bei 6.430 liegt eine sehr wichtige Unterstützung. Von dieser Marke waren wir gestern nur noch 69 Punkte entfernt.

Es gibt jedoch noch einen anderen interessanten Gesichtspunkt, den ich Ihnen heute einmal präsentieren möchte:

Interessante Korrelation

Der nachfolgende Chart vergleicht die Entwicklung des DAX mit der Umlaufrendite.

Diese wird börsentäglich von der Bundesbank ermittelt und stellt die durchschnittliche Rendite aller im Umlauf befindlichen, deutschen, festverzinslichen Wertpapiere erster Bonität dar; also überwiegend Staatsanleihen.

Umlaufrendite: Interessante Korrelation zum DAX

Die relevanten Punkte habe ich Ihnen einmal mit den senkrechten grünen und roten Balken kenntlich gemacht. Sie sehen eine hohe Korrelation (Gleichlauf) zwischen DAX und Umlaufrendite.

Hintergrund ist, dass zu Normalzeiten Geld zwischen den Märkten für Aktien und Anleihen hin und her fließt. Geraten die Aktien unter Druck, steigt die Nachfrage nach Anleihen und in der Folge sinkt die Rendite.

Ziehen die Aktienkurse an, werden oftmals Mittel aus dem Anleihe-Sektor abgezogen, um sie in Aktien zu investieren – das Angebot an Anleihen steigt, die Rendite ebenfalls.

Die von mir angebrachten grünen Markierungen belegen, dass der DAX immer dann, wenn die Umlaufrendite markante Tiefpunkte erreicht hatte, in der Mehrzahl der Fälle – teilweise sogar kräftig – angestiegen ist.

Nicht selten fielen Tiefpunkte in der Rendite mit Tiefpunkten im DAX zusammen.

Die rote Markierung zeigt den einzigen Fall, in der dieser Zusammenhang in den zurückliegenden 9 Monaten nur mit einer zeitlichen Verzögerung funktioniert hat.

Allerdings werden Sie sich daran erinnern, dass sich zu dieser Zeit – Mitte November – die europäischen Banken in einer schwerwiegenden Vertrauenskrise befanden, die unmittelbar vor der Eskalation stand.

Erst die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 30. November, die Banken mit Liquidität zu fluten, sorgte für eine Beruhigung am Aktienmarkt und einen kräftigen Anstieg im DAX.

Fazit

Die Umlaufrendite hat gestern mit 1,36% ein neues Allzeittief erreicht.

Noch können wir nicht mit Gewissheit sagen, dass dies ein markantes Tief im Chart hinterlassen wird. Der am heutigen Vormittag nachgebende Bund-Future deutet aber zumindest darauf hin.

Dieses Tief in der Umlaufrendite und die Tatsache, dass sich der DAX gestern bis auf knapp 70 Punkte der wichtigen Unterstützung bei 6.430 genähert hat, verbessern die Chance darauf, dass wir gestern den vorläufigen Tiefpunkt im DAX gesehen haben.

Eine Garantie ist das jedoch  selbstverständlich nicht. Aber wir handeln in der Charttechnik eben aufgrund von Wahrscheinlichkeiten. Und die haben sich durch gestern verbessert.

24. April 2012

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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