DAX Unternehmen: Droht Pleitewelle?

Die Insolvenz von Arcandor und die mögliche von Quelle sind in aller Munde. Es kann aber noch weit schlimmer kommen. Selbst DAX Aktien drohen vom Kurszettel zu verschwinden. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass rund 20% der 110 größten deutschen Unternehmen kritische Bilanzkennziffern aufweisen. Und davon sind die Aktien von zwölf im DAX notierten oder kürzlich noch notierten Unternehmen betroffen. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

DAX Aktien in Gefahr

Klangvolle Namen finden sich als Pleitekandidaten in einer aktuellen Aufstellung der (ehemaligen) DAX Aktien. Es sind: BMW, Continental, Daimler, Deutsche Telekom, Infineon, Linde, Lufthansa, TUI und Volkswagen, sowie mit etwas Abstand: MAN, Siemens und ThyssenKrupp.

Der Grund, warum diesen DAX Aktien Ungemach drohen kann

Es gibt den so genannten Z-Score beziehungsweise Z-Faktor. Dieses Modell wurde von dem amerikanischen Wissenschaftler Edward Altman entwickelt. Es sagt künftige Insolvenzen voraus beziehungsweise zeigt auf, welche Unternehmen kritische Bilanzen aufweisen. Die Untersuchung setzt die Bilanzkennzahlen Eigenkapital, Gewinn, Verschuldung, Betriebsvermögen und Umsatz ins Verhältnis. Danach bekommt das Unternehmen durch eine mathematische Formel einen Z-Wert zugewiesen. Werte unter 1,81 sind schlecht. Werte bis 2,00 sind grade oberhalb der kritischen Schwelle.

Der Grund für die Überschrift dieses Kommentars “DAX Aktien: Pleitewelle droht” ist, dass die zuerst genannten neun Unternehmen einen Z-Faktor von 1,81 oder niedriger haben. Die Unternehmen MAN, Siemens und ThyssenKrupp haben einen Z-Faktor zwischen 1,81 und 2,00.

Es werden keine 12 DAX Aktien vom Kurszettel verschwinden

Nun glaube ich auch nicht, dass 12 DAX Aktien, beziehungsweise Aktien ehemaliger DAX-Unternehmen vom Kurszettel verschwinden werden. Zumal es wahrhaft klangvolle Namen sind. Gegebenenfalls findet sich ein milliardenschwerer Investor, der einsteigt. Aber die obige Untersuchung bestätigt die Einschätzung der Landesbank Baden-Württemberg. Deren Leiter der Kreditanalyse, Uwe Burkert, sagte: “Jedes fünfte bis sechste Unternehmen könnte in den kommenden Monaten Probleme bekommen, seine Verbindlichkeiten zu erfüllen.”

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Betroffene DAX Aktien mit Stopp-Loss-Orders absichern

“Alle 12 DAX Aktien werden nicht vom Kurszettel verschwinden”, habe ich geschrieben. Dabei bleibe ich. Aber dass es überhaupt DAX Aktien erwischen kann, halte ich für gut möglich. Welche das gegebenenfalls sind, ist nicht vorhersagbar. Eine Absicherung ist also dringend zu empfehlen.

Bei den eingangs genannten DAX Aktien empfehle ich, auf jeden Fall eine unbefristete Sicherheits-Stopp-Loss-Order in den Markt zu geben. Legen Sie das Limit beispielsweise 30% unter dem aktuellen Kurs des Wertes. Wenn alles “normal” läuft, wird diese Order wohl kaum zur Ausführung kommen. Droht aber eine der DAX Aktien wirklich abzustürzen, verhindern Sie mit so einer Order Schlimmeres.

Meine Meinung: Ich bewerte den Z-Faktor als einen Indikator von mehreren. Ich vertraue nicht nur dieser Kennziffer alleine. Allerdings bestätigt diese Untersuchung das kritische Gesamtbild der Märkte. Viele DAX Aktien sind charttechnisch angeschlagen. Rezession, steigende Arbeitslosigkeit, ungelöste Bankenkrise beziehungsweise schon wieder steigender Umsatzdruck in den Banken weisen darauf hin: DAX Aktien und Aktien insgesamt sind bedroht. Für mich gibt es deshalb einen dringenden Rat, den ich an dieser Stelle bewusst wiederhole. Halten Sie jederzeit auch Put Optionen im Depot. Nur dann können Sie gelassen an der Börse spekulieren. Denn wenn es erst mal einen DAX-Titel erwischen sollte, wird dieser die meisten DAX Aktien mit den Strudel ziehen.

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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.