DAX-Unternehmen korrigieren ihre Prognosen, dieser MDAX-Wert liegt aber voll im Plan

Verlässlichkeit ist für mich eine der wichtigsten Tugenden, die ein Unternehmen für uns Anleger ausstrahlen sollte.

Umso stärker hat mich in den vergangenen Tagen diese Nachricht geärgert: Die deutschen DAX-Konzerne sind bei Prognosen besonders unzuverlässig.

Laut einer Untersuchung der Beratungs-Gesellschaft EY (Ernst & Young) mussten Deutschlands Börsen-Schwergewichte im 1. Halbjahr 2016 ihre Gewinn- und Umsatz-Prognosen besonders häufig korrigieren.

Insgesamt veröffentlichten die 30 DAX-Unternehmen 13 Korrekturen.

Die gute Nachricht: In 8 Fällen erhöhten die Unternehmen ihre Prognosen. Die schlechte Nachricht: Fünfmal wurden die Erwartungen nach unten geschraubt.

Auffällig ist, dass sich in der obersten Börsenliga die Manager öfter irren.

Denn insgesamt zählte EY bei den 305 Unternehmen aus den Börsen-Indizes DAX, MDAX, SDAX und TecDAX lediglich 26 Gewinn- oder Umsatz-Warnungen – also prozentual gesehen deutlich weniger als im DAX.

Kritischer Blick ist wichtig

Sie sehen: Größe allein entscheidet nicht über die Verlässlichkeit von Unternehmen. Entsprechend müssen Sie als Anleger immer einen kritischen Blick auf die veröffentlichten Prognosen werfen.

In dieser Hinsicht gefällt mir aktuell Symrise – das MDAX-Unternehmen beliefert Konsumgüter-Hersteller mit Duftstoffen und Aromen.

Erst kürzlich berichtete Symrise Zahlen, mit denen Konzern-Chef Heinz-Jürgen Bertram vollauf zufrieden war: „Wir liegen nach der erfolgreichen ersten Jahreshälfte voll im Plan.“

Sein Unternehmen werde 2016 wie angekündigt schneller wachsen als der Markt.

Und auch der Ausblick fällt nüchtern aus: „Trotz der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in einzelnen Schwellenländern sind wir auch für die 2. Jahreshälfte zuversichtlich.“

Die Reaktion der Anleger fiel entsprechend aus, der Aktienkurs sprang direkt um 6% nach oben.

Übernahme stärkt das Wachstum

Im 2. Quartal konnte Symrise seinen Umsatz auch dank eines Zukaufs um 10% auf 730,7 Mio. € steigern.

Bereits im Januar war der Kauf des Wettbewerbers Pinova über die Bühne gegangen – nun erweitern die US-Amerikaner das Duftstoff-Geschäft von Symrise um weitere natürliche Rohstoffe.

Zwar stieg der Gewinn im Jahresvergleich aufgrund der Kosten der Übernahme nur um knapp 3% auf 67,5 Mio. €.

Doch eine gute Nachricht hatte Bertram auch hier für seine Aktionäre: Bei der Integration von Pinova liege Symrise voll im Plan.

Trotz der nüchternen Bestandsaufnahme und der zurückhaltenden Prognose braucht es eine gute Portion Optimismus, um an einen in den kommenden Monaten überproportional steigenden Aktienkurs zu glauben.

Immerhin ist das Symrise-Papier mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 32 schon ambitioniert bewertet.

20. August 2016

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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