DAX: Verdammt eng – aber nicht hoffnungslos

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Der DAX scheint in der Bredouille zu stecken. Doch wenn Du glaubst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

„Derzeit reden alle nur noch über den Handelsstreit zwischen China und den USA. Wir werden das heute nicht tun. Ganz ehrlich: Mich nervt dieses Thema inzwischen ganz gewaltig!“

Exakt diesen Satz schrieb ich Ihnen schon einmal am 17. Januar dieses Jahres. Nur habe ich heute das damals verwendete Wort „Brexit“ durch „Handelsstreit zwischen China und den USA“ ersetzt.

Das erneute Aufflammen des Streits bleibt am Dienstagvormittag nicht ohne Auswirkung auf den DAX: Er fällt nicht nur unter die so mühsam eroberte 12.000er-Marke zurück, sondern auch noch aus dem Aufwärtstrend seit Ende Dezember 2018.

Reden wir nicht drum herum: Das sieht nicht gut aus für den deutschen Leitindex. Doch aus charttechnischer Sicht besteht noch kein Grund, die berühmte Flinte ins Korn zu werfen!

Handelsstreit: Neues Öl ins Feuer in Form von Erde

Und weiter geht’s im Zickenkrieg zwischen den USA und China. Beide Parteien gossen mal wieder neues Öl ins Feuer:

Erst befürchtete US-Präsident Trump, dass der Handelskrieg nicht so schnell enden werde. Und wie auf’s Stichwort warnte China denn auch davor, die von ihnen hauptsächlich produzierten Metalle der seltenen Erden als Druckmittel einsetzen zu wollen.

Das klingt zunächst nicht sonderlich bedrohlich. Fakt ist jedoch:

China ist mit einem Anteil von 71% der weltgrößte Produzent von Metallen der seltenen Erden. Australien folgt an zweiter Stelle mit gerade einmal 12%.

Bedrohlich ist dies für die USA deshalb, weil ausgerechnet dieser Rohstoff in zahlreichen Schlüsseltechnologien benötigt wird. Dazu gehören beispielsweise Plasmabildschirme und deren Leuchtmittel, permanenterregte Elektromotoren, Dauermagnete oder die Kontrastmittelbeigabe bei Kernspin-Untersuchungen (Quelle: Wikipedia).

Eine Einschränkung oder Verteuerung der Exporte dieser Metalle der seltenen Erden würde mithin insbesondere die USA hart treffen, die viele dieser Schlüsseltechnologien besetzt.

DAX: Mies, wohin man schaut?

Wie bereits eingangs erwähnt, gerät der DAX daraufhin heute erneut unter Druck. Wir schauen dazu einmal auf den folgenden Tages-Chart:

DAX: Verdammt eng, aber nicht hoffnungslos!

Der deutsche Leitindex hat, wie zu sehen, nicht nur die 12.000er-Marke wieder hinter sich gelassen. Auch der Aufwärtstrend seit Dezember 2018 (durchgezogene grüne Linie) wurde nach unten durchbrochen.

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Als ob das nicht ausreichte, hat der DAX auch noch das in den letzten 4 Wochen ausgebildete Symmetrische Dreieck (rote Linien) nach unten verlassen. Und ganz nebenbei wurde die 50-Tagelinie heute Vormittag durchschlagen.

Puh! Da heißt es, erst mal durchatmen.

Meine DAX-Analyse

Beginnen wir mit dem durchbrochenen Aufwärtstrend. Sie wissen ja, weil ich es Ihnen hier immer wieder einmal schreibe: Ein Aufwärtstrend muss neu justiert werden, wenn der Markt ein neues Verlaufshoch erreicht.

Wie Sie sehen, hat der DAX etwas Ähnliches schon zweimal seit Jahresbeginn produziert (gestrichelte grüne Linien). Der Trendbruch ist also nicht schön, aber auch noch kein kriegsentscheidendes Kriterium!

Die 50-Tagelinie dient in Ab- und Aufwärtstrends häufig als Punching-Ball: Auch das hat Ihnen der DAX in diesem Jahr schon 4x demonstriert (gelbe Kreise). Dabei darf der Index ruhig auch mal ein wenig über das Ziel hinaus schießen, wie beispielsweise Anfang Februar.

Das symmetrische Dreieck gehört in der Charttechnik zur Kategorie der Trend-bestätigenden Formationen. Sie dienen in Auf- und Abwärtstrends der Konsolidierung, also als Verschnaufpause nach einer Rallye oder nach einem scharfen Rücksetzer.

Doch dieses Kursmuster hat eine besondere Eigenheit: Es neigt nämlich zu Fehlsignalen, sprich: Ausbrüchen nach oben oder unten, die sich dann schon kurz darauf – nicht selten ausgesprochen heftig – ins Gegenteil verkehren.

Last not least: Wie Sie im Chart erkennen, wurde der DAX auch am Dienstagvormittag wieder an einer wichtigen Marke ausgebremst: Die 11.850 Punkte dienen inzwischen als eine massive Unterstützung (pinkfarbene Linie).

Fazit

Der Handelsstreit nervt – und zwar mittlerweile gewaltig! Weil er eben immer wieder die kleinen Erholungsphasen am Aktienmarkt konterkariert.

Auch am heutigen Dienstag trifft es einmal mehr den DAX. Und der befindet sich nunmehr in einer durchaus prekär zu nennenden Situation. Allerdings:

Wie meine Analyse zeigt, muss das nicht zugleich das Ende der Aufwärtsbewegung am deutschen Aktienmarkt bedeuten. Und wie heißt es doch so schön:

Es muss erst schlimm werden, bevor es besser wird. Dem füge ich hinzu:

Die Börse reagiert meist anders, als es die Mehrheit der Anleger erwartet. Und die Stimmung ist derzeit extrem negativ!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.