DAX: Was Ihnen Tagelinien über den Trend verraten

Sie kennen diesen Satz bereits – ich habe ihn schon oft hier in Chartanalyse-Trends zitiert:

„Aktienmärkte bewegen sich in Trends.“

Über diese Trends können Sie sich mit Hilfe der Charttechnik auf verschiedene Art eine Einschätzung verschaffen:

Einen Weg hatte ich Ihnen gestern mit dem „korrekten“ Einzeichnen von Trend-Linien in Charts aufgezeigt.

Eine andere Möglichkeit kennen Sie ebenfalls:

Tagelinien vermitteln Ihnen ein objektives Bild vom Trend, da sie auf den am Aktienmarkt zustande kommenden Schlusskursen basieren.

Bei meinen Analysen nutze ich standardmäßig 20-Tage-Linien zur Bestimmung des kurzfristigen Trends.

50-Tage-Linien zeigen den mittelfristigen und 200-Tage-Linien den langfristigen Trend.

Doch Tagelinien können Ihnen über noch mehr Aufschluss geben, als nur die Trend-Richtung anzuzeigen:

Beispielsweise lässt sich mit ihrer Hilfe die Stärke des betrachteten Trends messen.

Der DAX und seine kurzfristige Trend-Stärke

Schauen wir uns das einmal gemeinsam in dem folgenden DAX-Chart an.

dax und gd20_11-10-2017

Der DAX und seine kurzfristige Trend-Stärke

Sie können es gut erkennen: Der DAX pendelt um die 20-Tagelinie herum.

Ist der kurzfristige Trend stark, dann entfernt sich der Leitindex deutlicher von der Durchschnitts-Linie.

Diesen prozentualen Abstand zur Tagelinie misst der von mir entwickelte Indikator im unteren Chartteil.

Ich finde es immer wieder bemerkenswert: Auch hier zeigt sich einmal mehr die Neigung zur Symmetrie in der Charttechnik.

In dem betrachteten Zeitraum seit Anfang 2016 entfernte sich der DAX nie weiter als +5% von seiner 20-Tage-Linie.

Gleich 4x ließ die Trend-Stärke bei Erreichen dieser Differenz nach. Auch im Bereich um +3% kam es mehrfach zu Kehrtwenden.

Und auch das ist bemerkenswert: Sogar in dieser Abstands-Messung lassen sich Trend-Linien einzeichnen.

So lieferte Ihnen der Trend-Bruch Mitte August bereits einen frühen Hinweis auf ein bevorstehendes Ende der DAX-Korrektur.

Der DAX und seine mittelfristige Trend-Stärke

Schauen wir uns nun zum Vergleich den Trend-Stärke-Chart für die 50-Tage-Linie, also den mittelfristigen Trend, an:

dax und gd50_11-10-2017

DAX: Der DAX und seine mittelfristige Trend-Stärke

Auch hier können wir wieder die Neigung zur Symmetrie konstatieren: Diesmal sind es die Abstands-Marken +7,5% und +5,0%, an denen die Trend-Stärke recht häufig nachlässt.

Wie stark z. B. der mittelfristige Trend von Dezember 2016 bis Mitte Juni dieses Jahres war, erkennen Sie daran: Der DAX blieb in der gesamten Phase oberhalb seiner 50-Tage-Linie.

Fazit und Empfehlung

Tagelinien sind ein exzellentes Werkzeug, das Ihnen die Charttechnik zur Trend-Bestimmung zur Verfügung stellt.

Mit ihnen lässt sich indes nicht nur die Richtung des kurz-, mittel- und langfristigen Trends (20, 50 und 200 Tage) bestimmen.

Der prozentuale Abstand des betrachteten Marktes von seinen Tagelinien gibt Ihnen zudem Aufschluss über die Trend-Stärke.

Die gezeigten Charts zum DAX machen deutlich: Die Stärke hatte vor 1 Woche sowohl beim kurzfristigen, als auch beim langfristigen Trend einen Schwellenwert erreicht.

Das anschließende Nachlassen der Trend-Stärke zeigt Ihnen letztlich, dass der betrachtete Markt überhitzt ist und sich daher erst einmal abkühlen muss.

Während dieser Konsolidierung der DAX-Gewinne nähern sich Index und Tagelinie wieder an.

Bleibt die Notierung bei diesen Rücksetzern oberhalb der Tagelinie oder kreuzt diese nur geringfügig und für kurze Zeit, dann liegt ein starker Basis-Trend vor.

11. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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