DAX: Was Sie jetzt erwarten dürfen

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Eigentlich schien die Korrektur bereits vollzogen. Doch nun hat der DAX eine neue Marktlage geschaffen. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Meine DAX-Prognose für das kurz bevorstehende Börsenjahr 2020:

Die Wahrscheinlichkeit spricht danach dafür, dass der deutsche Leitindex am 31. Dezember des nächsten Jahres unter dem Schlussstand von 2019 notieren wird.

Wir schauen heute einmal, in welcher charttechnischen Lage sich der DAX ganz aktuell befindet.

Nachtrag zur DAX-Prognose

Bevor wir in medias res (lateinisch frei übersetzt: zum eigentlichen Thema) gehen, erlauben Sie mir einen Nachtrag zum gestrigen Beitrag. Denn hier gibt es noch einen wichtigen Aspekt zu beachten:

Die von mir angewendete Art der Zeitpunkt-Betrachtung (vom 31.12. eines Jahres zum 31.12. des Folgejahres) wird sehr gerne genutzt. Tatsächlich ist sie indes eigentlich völlig sinnfrei:

Schließlich endet die Preisfeststellung am Aktienmarkt nicht an einem bestimmten Datum. Diese Betrachtungsweise ist auch deshalb unsinnig, weil sie keine Aussage darüber macht, wie sich der DAX im Laufe des besprochenen Zeitraumes bewegt:

Der DAX könnte innerhalb der kommenden 12 Monate beispielsweise auf 17.000 Punkte steigen oder auch auf 9.000 Zähler fallen – oder sogar beides. (Das sind nur willkürlich genannte Zahlen!)

Weiterhin kein neues Allzeithoch!

Beginnen wir zunächst mit dem Blick auf den langfristigen Verlauf des DAX.

DAX: Weiterhin kein neues Allzeithoch!

Auch wenn der deutsche Leitindex am Montag ein neues Jahreshoch generiert hat: Das Allzeithoch vom Januar 2018 bei 13.596 Punkten wurde noch immer nicht geknackt (gelber Kreis).

Somit bleibt der bisherige Status erhalten: Der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 ist im 4. Quartal 2018 nach unten gebrochen worden und daher seitdem nicht mehr intakt.

Im Chart ist ebenfalls gut abzulesen, dass der DAX innerhalb des im Dezember 2018 initiierten Aufwärtstrendkanals an die Decke gestoßen ist: Das Potenzial nach oben ist somit weitgehend ausgeschöpft und kann allenfalls noch marginal ausgebaut werden.

Korrektur-Prognose fast punktgenau erfüllt

Den nächsten Chart hatte ich Ihnen bereits am 20. November dieses Jahres präsentiert. Hier wurden Kanäle um die 50- und 200-Tagelinie gezogen: Der prozentuale Abstand orientiert sich daran, möglichst viele Überkreuzungspunkte mit dem DAX zu erhalten.

DAX: Korrektur-Prognose fast punktgenau erfüllt

Das war übrigens mein Fazit des oben erwähnten Beitrages vom 20. November 2019:

„Machen Sie sich nun darauf gefasst, dass der DAX kräftiger und sehr wahrscheinlich auch heftiger zurückfällt: Mein Mindestziel ist die derzeit bei 12.660 verlaufende 50-Tagelinie, die als Unterstützung wirken könnte.“

Wie Sie sehen, war meine Prognose fast ein Volltreffer: Der DAX fiel am 10. Dezember auf 12.886 zurück – die 50-Tagelinie notierte an jenem Tag bei 12.880 Punkten (rotes Quadrat).

Die überkaufte Lage ist jedoch nur zum Teil abgebaut worden: Wie unschwer zu erkennen ist, notierte der DAX vor wenigen Tagen noch über der oberen Kanalgrenze der 200-Tagelinie.

Nun ist jedoch, durch das Jahreshoch vom Montag, eine neue Marktsituation geschaffen worden. Warum, das zeige ich Ihnen im folgenden Chart.

Fibonacci-Retracements für den DAX

Am 28. November 2019 lieferte ich Ihnen eine Analyse zum Korrekturpotenzial des DAX. Dazu nutzte ich die sogenannten Fibonacci-Retracements.

Dabei wird eine klar erkennbare Aufwärtsbewegung (oder Abwärtsbewegung) abgemessen und anschließend in die Fibonacci-Korrektur-Relationen von 23,6%, 38,2%, 50,0%, 61,8% und 76,4% unterteilt.

DAX: Mindest-Korrekturziel liegt bei 12.600 Punkten

Durch das neue Jahreshoch hat sich natürlich auch die gesamte Aufwärtsbewegung seit August noch einmal erweitert. Und das 2 Konsequenzen:

Zum einen ist der Rücksetzer bis zum 10. Dezember 2019 nun keine Korrektur mehr. Und das führt dann zu nochmals veränderten Fibonacci-Retracements.

Das Mindest-Korrekturziel wäre mit 23,6% nun bei 12.916 Punkten zu finden. Das ist allerdings deshalb eher ein unwahrscheinliches Korrekturziel, weil der DAX dort schon am 10. Dezember notierte.

Der Grund: Eine fast identische Marktlage schuf der DAX zwischen April und August dieses Jahres (blauer Pfadpfeil): Nach dem marginal höheren Hoch im Juli rutschte der DAX anschließend unter das Mai-Tief ab.

Das wahrscheinliche Mindest-Korrekturziel liegt daher meiner Ansicht nach nun bei 12.600 Punkten bzw. 38,2% Fibonacci-Retracement (roter Pfadpfeil). Die recht solide Unterstützung bei 12.650 Zählern bekräftigt diese Zielmarke.

Fazit

Charttechnik bedeutet vor allem eines: Flexibel zu bleiben. Das zeigt meine heutige Analyse einmal mehr:

Eigentlich hätte die (von mir Ende November berechnete) Korrektur vom DAX vollzogen sein können. Durch das neue Jahreshoch vom Montag wurde indes eine neue charttechnische Situation geschaffen.

Und die muss vom Charttechniker dann auch neu bewertet werden.

Trotz der Seitwärts-Bewegung der letzten Wochen ist der überkaufte Zustand im deutschen Leitindex noch nicht völlig abgebaut: Das erkennen Sie sowohl am Trend-Kanal seit Dezember 2018, als auch an meiner Tagelinie-Kanal-Analyse.

Somit hat sich das (wahrscheinliche) Korrekturziel leicht verändert: Sie sollten nun einen DAX-Rücksetzer auf 12.600 einkalkulieren.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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