DAX: Wie es jetzt weitergeht

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Schwappt die Erholung an der Wall Street nun auch auf deutsche Aktien über? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

An der Wall Street sahen Sie in der vergangenen Woche eine kräftige Erholung, nachdem die Notierungen im Mai deutlich Federn lassen mussten.

Während am gestrigen Pfingstmontag die deutschen Börsen geschlossen blieben, fand in New York ein ganz normaler Handelstag statt: Auch wenn die zwischenzeitlichen Tageshochs nicht gehalten werden konnten, blieben am Ende dennoch ein Plus von einem halben Prozent im S&P 500 und sogar von +1,1% im Nasdaq 100.

Der DAX holt heute natürlich zunächst einmal das auf, was die US-Aktienmärkte am Freitagabend und gestern vorlegten. Daher schaue ich heute für Sie auf das deutsche Aktien-Barometer, ob sich aus der aktuellen Charttechnik neue Erkenntnisse ergeben.

Tagelinien sind eine feine Sache

Die Tagelinien oder auch Gleitende Durchschnitte sind ein feines, weil außerordentlich vielseitiges charttechnisches Instrument. Die Basis dafür wird durch ihre Berechnung gelegt.

So wird für einen von Ihnen vorbestimmten Zeitraum der Durchschnitt der Schlusskurse ermittelt. Dazu wird von Ihnen eine Zahl von „X“ Handelstagen vorgegeben.

Das Ergebnis wird börsentäglich fortgeschrieben, indem für jeden neu hinzu kommenden Schlusskurs der vor „X“ Tagen aus der Berechnung herausfällt. Daher rührt auch die Bezeichnung „Gleitender Durchschnitt“.

Durch den Fokus auf die Schlussnotierungen und die Ermittlung von Durchschnittskursen wird das tägliche Auf und Ab geglättet: Sichtbar wird so der Trend für den Zeitraum, für den die Tagelinie ermittelt wurde.

Als Standard haben sich die 20-Tagelinie für den kurzfristigen, die 50-Tagelinie für den mittelfristigen und die 200-Tagelinie für den langfristigen Trend etabliert. Das erleichtert Ihnen zusätzlich den Überblick über die gerade aktuelle charttechnische Lage einer Aktie oder eines Index.

Tagelinien helfen Ihnen aber auch dabei, das Ausmaß von Kursbewegungen im Vorhinein besser abschätzen zu können. Denn: Die Notierungen von Aktien und Indizes neigen dazu, die Tagelinien als Unterstützung oder Widerstand anzuvisieren.

DAX: Es kam, wie es kommen musste

Schauen wir uns das einmal genauer auf dem nachfolgenden DAX-Chart an. Hier habe ich mich wegen einer besseren Übersicht auf die Abbildung der 50- und 200-Tagelinie beschränkt.

Sie sehen übrigens den gleichen (natürlich aktualisierten) Chart, den ich Ihnen bereits in meiner letzten DAX-Analyse am 29. Mai 2019 präsentiert hatte.

DAX: Ende Mai war alles so düster, dass es nur noch nach oben gehen konnte

Anders als die gelben Kreise demonstrieren, wurde die 50-Tagelinie ihrem Status als Unterstützung in einer Aufwärtsbewegung zuletzt nicht gerecht (blauer Kreis). Diese Rolle übernahm stattdessen die 200-Tagelinie.

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Und das gibt aus charttechnischer Sicht sogar noch mehr Zuversicht: Denn immerhin hat der DAX exakt an dieser langfristigen Trendlinie seinen Abschwung abgebremst und anschließend die Wende nach oben eingeleitet.

Das wiegt schwerer, als derselbe Vorgang an der mittelfristigen Tagelinie.

Symmetrisches Dreieck bleibt sich selbst treu

Doch es gibt noch mehr Positives zu berichten. In meiner Analyse vom 29. Mai 2019 hatte ich – trotz der zahlreichen, unerfreulichen charttechnischen Signale – auch deutlich gemacht, dass nicht alles so negativ zu interpretieren sei, wie es sich auf den ersten Blick darstelle.

Und damit lag ich goldrichtig!

Nehmen wir zum Beispiel das Symmetrische Dreieck. Dazu schrieb ich Ihnen: „Doch dieses Kursmuster hat eine besondere Eigenheit: Es neigt nämlich zu Fehlsignalen, sprich: Ausbrüchen nach oben oder unten, die sich dann schon kurz darauf – nicht selten ausgesprochen heftig – ins Gegenteil verkehren.“

Voilà: Genau so ist es gekommen! Ich denke, das erkennen Sie auch ohne weitere Erklärung im Chart. Tatsächlich bricht der DAX mit dem heutigen Handelstag sogar nach oben aus der Dreiecks-Formation aus (grüner Kreis) – ein charttechnisches Kaufsignal also!

Fazit

Ich freue mich heute außerordentlich für Sie, dass mir mit meiner Einschätzung vom 29. Mai 2019 einmal mehr ein Volltreffer gelungen ist: Schließlich sollte Sie das vor vorschnellen Reaktionen bewahrt haben.

Hier noch einmal mein Fazit:

„Der DAX befindet sich nunmehr in einer durchaus prekär zu nennenden Situation. Allerdings:

Wie meine Analyse zeigt, muss das nicht zugleich das Ende der Aufwärtsbewegung am deutschen Aktienmarkt bedeuten. Und wie heißt es doch so schön:

Es muss erst schlimm werden, bevor es besser wird. Dem füge ich hinzu:

Die Börse reagiert meist anders, als es die Mehrheit der Anleger erwartet. Und die Stimmung ist derzeit extrem negativ!“

Damit ist, denke ich, alles gesagt!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.