DAX: Wie weit der Kursrutsch noch gehen kann

In der gestrigen Ausgabe von Rendite Trends hatte ich Ihnen erläutert, warum ich den jüngsten Kursrutsch für überzogen halte. An den Aktienmärkten hat sich diese Erkenntnis bislang jedoch noch nicht wirklich durchgesetzt.

Unter den Anlegern dominiert weiter die Verunsicherung. Die Börse ist nun einmal zu großen Teilen Psychologie. Übertreibungen – nach oben wie auch nach unten – gehören an den Aktienmärkten dazu.

Daher ist eine seriöse Prognose, wo der DAX seinen Boden finden wird, auch schwierig. Ich will es dennoch versuchen und Ihnen eine Einschätzung der charttechnischen Perspektiven geben.

DAX-KGV liegt klar unter dem historischen Durchschnitt

Bevor ich zur Charttechnik komme, möchte ich einen Blick auf die aktuelle fundamentale Bewertung werfen. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) des DAX wird berechnet, indem Sie den Indexstand zu den Unternehmensgewinnen der 30 DAX-Konzerne ins Verhältnis setzen.

Auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr errechnet sich derzeit ein DAX-KGV von unter 12. Seit 1980 lag das durchschnittliche DAX-KGV bei rund 19. Anhand dieser Betrachtung sind die deutschen Standardwerte momentan also deutlich unterbewertet.

Doch wie eingangs schon erwähnt: Die Börsen neigen zur Übertreibung. Selbst wenn Aktien unterbewertet sind, heißt das nicht, dass die Kurse nicht noch weiter fallen können. Um einen Anhaltspunkt zu bekommen, wo der DAX seinen Boden finden könnte, möchte ich jetzt einen Blick auf die Charttechnik werfen.

Zentrale Haltezone bei gut 9.300 Punkten

Im ersten Chartbild sehen Sie den DAX auf Wochenbasis seit 2011. Anfang Dezember kletterte der Index kurzzeitig über die vom Allzeithoch vom April letzten Jahres (12.391) ausgehende Abwärtstrendlinie und eroberte dabei auch die 200-Tage-Linie zurück.

Dieser Anstieg erwies sich jedoch als „Bullenfalle“. Der DAX kehrte umgehend wieder in seinen Abwärtstrend zurück und ging nach dem Jahreswechsel in den freien Fall über.

dax-3

Dabei gab der DAX gestern bis auf ein Tief bei 9.315 Punkten nach, ging mit 9.392 Zählern aber über dem Tief der Korrektur vom vergangenen Sommer, das bei 9.325 gelegen hatte, aus dem Handel.

Seinerzeit hatte der Index mit einem Doppeltief die Wende geschafft. Dies ist die zentrale Haltezone, die nun über die weitere Entwicklung entscheidet. Hält diese Unterstützung, kann sich von hier aus wieder ein Aufwärtstrend etablieren.

Langfristige Aufwärtstrendlinie verläuft bei gut 8.700 Punkten

Wird der Bereich um 9.300 Punkte hingegen unterschritten, drohen weitere Einbußen. Wie der Blick auf den Chart auf Monatsbasis zeigt, muss man in diesem Fall einen Test der langfristigen, seit März 2009 gültigen Aufwärtstrendlinie einkalkulieren. Diese verläuft aktuell bei knapp über 8.700 Zählern und steigt um knapp 100 Punkte pro Monat.

dax monthly

Sollte auch diese Trendlinie gebrochen werden, ist das Korrekturtief vom August 2014 (8.355) das nächste Ziel. Selbst ein Fall in die Region zwischen 8.100 und 8.200 Punkte ist in diesem Fall nicht auszuschließen. Hier hatte der DAX im Jahr 2000 wie auch 2007 massive Abwärtsbewegungen eingeleitet.

Vor dem Hintergrund, dass Aktien schon jetzt klar unterbewertet sind und die Stimmung inzwischen extrem negativ ist, halte ich dieses Negativ-Szenario jedoch für eher unwahrscheinlich.

Stabilisiert sich die Lage, werden sich gezielte Käufe auf mittlere und lange Sicht auf jeden Fall auszahlen. Angesichts der anhaltenden Unsicherheit ist es jedoch ratsam, noch etwas Pulver trocken zu halten.

21. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Michael Kelnberger. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt