DAX: Wie weit kann er jetzt korrigieren?

DAX Logo RED_shutterstock_392120233_imagentle

Alles spricht für eine Korrektur. Doch mit welchem Rückgang sollten Sie rechnen? Eine Analyse. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

An den vorausgegangenen Tagen habe ich für Sie analysiert, dass die Wall Street und auch der DAX vor einer notwendigen Korrektur stehen.

Heute schaue ich für Sie einmal auf den deutschen Leitindex, um mögliche Kursziele eines solchen Rücksetzers auszuloten. Dazu bediene ich mich einer häufig genutzten Analyse-Methode: Dem Fibonacci-Retracement.

Fakt: Die Aktienmärkte sind klar überkauft

Die Aktienmärkte sind klar überkauft. Dafür gibt es diverse Hinweise:

Das können Sie beispielsweise dem jüngst veröffentlichten „Global Fund Manager Survey“ der Bank of America  entnehmen. Diese weltweite Umfrage unter rund 200 Fondsmanagern, die Vermögen in Höhe von etwa 574 Mrd. USD verwalten, zeigt auf, dass die Barmittelquote der Investment- und Hedgefonds im Oktober stark geschrumpft ist (auf 4,2%).

Meine weiterführende Analyse des Großinvestoren-Verhaltens anhand des On-Balance-Volumens im S&P 500 machte deutlich: Die Cash-Reserven dürften mit hoher Wahrscheinlichkeit in der ersten Novemberhälfte spürbar unter die 4%-Marke gefallen sein, weil die Großinvestoren weiterhin sehr aktiv waren.

Fonds halten jedoch eine Barmittelreserve für mögliche Anteilsrücknahmen vor, um nicht ans „Eingemachte“ gehen zu müssen, sprich: Zwangsverkäufe bestehender Positionen. Wenn aber kaum noch Liquidität einsetzbar ist, sinkt die Nachfrage und damit das Aufwärtspotenzial drastisch.

Weiterhin haben wir den überkauften Zustand an charttechnischen Merkmalen festmachen können: Der DAX weist beispielsweise einen extrem hohen Abstand zur 200-und auch zur 50-Tagelinie auf. Beide Indizes, auch der S&P 500, haben überdies Divergenzen (Abweichung) zum Momentum ausgebildet.

Preisfrage: Wie tief kann ein Markt fallen?

Die Frage ist daher nicht so sehr, wann die Korrektur kommt, sondern vielmehr, bis wohin kann sie reichen?

Um Korrekturziele zu ermitteln, eignet sich das sogenannte Fibonacci-Retracement besonders gut. Worum geht es dabei?

Fibonacci in Kurzform

Die Methode geht zurück auf den um 1170 geborenen italienischen Mathematiker Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci. Dieser Rechenmeister gilt heute als der bedeutendste Mathematiker des Mittelalters.

Fibonacci entdeckte unter anderem die nach ihm benannte Zahlenfolge, die als festes, wiederkehrendes Muster in allen nur denkbaren Bereichen unseres Lebens zu finden ist, besser bekannt unter dem Begriff „Goldener Schnitt“.

DAX Logo RED_shutterstock_392120233_imagentle

Der DAX-Absturz ist hervorragend...!Urlaubsruhe im DAX adé! Aber das ist nicht schlecht so! Was und worauf Sie jetzt achten müssen, das verrrät Ihnen Michael Sturm! › mehr lesen

Um es abzukürzen: Daraus ergeben sich immer wiederkehrende Korrekturverhältnisse (Retracements) einer Trendbewegung.

Fibonacci-Retracements für den DAX

Der nachfolgende Chart macht das für den DAX einmal anschaulich:

Fibonacci-Retracements für den DAX

Das Retracement unterteilt (in diesem Falle) die beiden Aufwärtsbewegungen seit Dezember 2018 (rot) und seit August 2019 (blau) in die Fibonacci-Korrektur-Relationen von 23,6%, 38,2%, 50,0%, 61,8% und 76,4%.

Sie sehen nun an den roten Fibonacci-Retracements, wie präzise sich der DAX in der Korrektur ab Juli 2019 an die so ermittelten Zielwerte gehalten hat: Der Endpunkt im August war praktisch eine Punktlandung auf der 61,8%-Korrektur!

Für die Aufwärtsbewegung ab August (blaue Fibonacci-Retracements) ergibt sich nun, in Kombination mit charttechnischen Widerstands- und Unterstützungsniveaus, mit besonders hoher Wahrscheinlichkeit ein Korrekturziel bei 12.569.

Das Mindest-Korrekturziel ist mit 23,6% bei 12.876 Punkten zu finden. Ein ebenfalls recht wahrscheinliches Niveau wäre zudem 11.763: Hier liegen in geringer Reichweite das 38,2%-ige Retracement aus der 1. Aufwärtsbewegung bei 11.748 sowie eine Unterstützung bei 11.830 Zählern.

Fazit

Manchmal brauchen die Märkte etwas länger, um bereits avisierte Korrekturen auch Realität werden zu lassen. Das ändert indes nichts daran, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch kommen.

Derzeit sind die charttechnischen Hinweise auf eine bevorstehende Korrektur geradezu überwältigend. Meine heutige Analyse der Fibonacci-Retracements gibt Ihnen Anhaltspunkte an die Hand, bis wohin ein solcher Rücksetzer im DAX reichen kann.

Eines sei noch ergänzt: Bitte nehmen sie die Fibonacci-Retracements nicht als punktgenaue Ziele an! Es geht dabei immer nur um eine ungefähre Annäherung für eine Kursziel-Prognose.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz