DAX: Wo liegen jetzt die Korrekturziele?

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Wenn der DAX nun korrigiert: Wohin kann die Reise dann gehen? Ich zeige Ihnen dazu mehrere Möglichkeiten. (Foto: Deutsche Börse AG)

Im gestrigen Beitrag waren wir zu der Erkenntnis gelangt, dass Investments in den DAX in den kommenden Wochen lohnenswerter sein dürften, als in sein US-Pendant, dem Dow Jones. Wir sprechen dabei von Relativer Stärke.

Meine Analyse der Prozentkanäle um die 50- und 200-Tagelinie hat Ihnen allerdings auch aufgezeigt, dass der deutsche Leitindex nach einem Anstieg von fast +10% in nur 3 ½ Wochen sichtbar überkauft ist:

Der DAX benötigt nun erst einmal dringend eine Verschnaufpause. Das ist keinesfalls negativ zu werten, sondern mit Blick auf eine substanzielle Jahresend-Rallye sogar ausgesprochen gesund.

Sie verpassen also nichts, wenn Sie mit einem Einstieg noch etwas zuwarten. Tatsächlich ersparen Sie sich den Start mit einem Minus: Stattdessen bietet Ihnen ein zu erwartender Rücksetzer sogar die Chance, noch günstiger in die wahrscheinliche Jahresend-Rallye einzusteigen.

Ich analysiere daher für Sie heute und morgen einmal, auf welchem Niveau der DAX in den kommenden Tagen oder Wochen wieder kaufenswert sein könnte.

Charttechnik: Das Werkzeug Ihrer Wahl

Natürlich können Sie auch nach Bauchgefühl handeln, um einen möglichst günstigen Einstiegspunkt zu finden. Dabei laufen Sie indes Gefahr, entweder zu teuer zu kaufen oder aufgrund eines zu niedrig gewählten Limits den richtigen Moment zu versäumen.

Um das Ausmaß einer erwarteten Korrektur einzuschätzen, ist die Charttechnik geradezu perfekt geeignet. Hier bieten sich gleich mehrere Wege an, die sich in der Vergangenheit als nützlich erwiesen haben.

Widerstand und Unterstützung

Das vermutlich bekannteste Konzept ist das von Widerstand und Unterstützung. Worum geht es dabei? Lassen Sie mich Ihnen dazu ein Beispiel aus der Praxis erzählen:

Als wir uns im Rahmen einer Familienfeier im September 2012 – der deutsche Leitindex notierte damals knapp unter 7.500 Punkten – über das Thema Börse unterhielten, machte mein Schwiegervater eine interessante Bemerkung:

„Aktien zu kaufen lohnt sich jetzt nicht mehr: Der DAX steigt noch bis maximal 8.150 Punkte und fällt dann ohnehin wieder in sich zusammen.“ Zur Erinnerung:

Die Stimmung unter den Aktienanlegern war seinerzeit von großer Skepsis geprägt: Der Euro hatte sich gegenüber dem US-Dollar innerhalb von 15 Monaten um -20% von 1,49 auf 1,20 abgewertet. Eine Folge der Schuldenkrise in Europa:

Die Rating-Agentur Moodys dachte in jenen Tagen öffentlich darüber nach, den Euro-Staaten die Top-Bonität von AAA abzusprechen. Das Marktumfeld sah mithin nicht gerade rosig für deutsche Aktien aus.

Ergänzend sollten Sie wissen, dass mein Schwiegervater aufgrund einer laienhaften Anlageberatung durch seine Hausbank im Zuge der Finanzkrise viel Geld mit Aktien verloren hatte: Er war kurz vor dem Hoch des DAX bei 8.150 Punkten im Juli 2007 aufgrund der „hervorragenden Perspektiven“ zum Einstieg in Aktien regelrecht „gedrängt“ worden.

Widerstand und Unterstützung sind fast immer emotional

Ist Ihnen bei der Schilderung etwas aufgefallen? Richtig!

Meinem Schwiegervater hatte sich das Top des DAX – also der Ausgangspunkt seiner Verluste – regelrecht in das Gedächtnis eingebrannt. Das galt umso mehr, als er im Nachhinein herausfand, dass im März 2000, als die Internet-Blase platzte, der DAX nach einem Rekordhoch von 8.136 Zählern abstürzte!

Die Lehre, die mein Schwiegervater daraus zog, lautete: Es gibt unüberwindliche Hürden im DAX, die sich an bestimmten Punkte-Niveaus festmachen lassen. Wir nennen das Widerstände.

Das Interessante ist: Werden diese Barrieren irgendwann einmal überwunden, dann verleiht dies den Kursen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen regelrechten Schub:

Der DAX überwand im Mai 2013 erstmals den Widerstand bei 8.150 Punkten. In den folgenden 3 Monaten pendelte der deutsche Leitindex um diese Marke, bevor er dann ab September losstürmte und erst im April 2015 bei 12.390 Zählern seine Rallye stoppte.

Nach einem Zwischenhoch bei 10.050 Punkten im Juni 2014 fiel er in einer Korrektur bis auf 8.350 zurück: Der frühere Widerstand wandelte sich zu einer Unterstützung.

Mein Schwiegervater hat sich übrigens über die DAX-Entwicklung bei unserer Familienfeier 2014 ziemlich geärgert: Hatte ich ihm doch 2 Jahre zuvor genau diese Perspektive aufgezeigt.

Die jetzt wahrscheinlichen Unterstützungen

Was im Großen – also bei den langfristigen Entwicklungen – funktioniert, finden Sie natürlich auch im Kleinen wieder: Kurz- und mittelfristig bilden sich ebenfalls Widerstände und Unterstützungen.

Und die lassen sich prima für das Bestimmen von Korrekturpotenzialen nutzen:

Die aktuell wichtigsten Unterstützungen im DAX

In diesem Chart habe ich Ihnen einmal 4 Unterstützungen eingezeichnet, die ich für relevant halte. Sie können hier auch sehr schön beobachten, wie sich frühere Widerstände zu Unterstützungen wandeln.

Für die jetzt zu erwartende Korrektur lassen sich also folgende DAX-Niveaus als potenzielle Anlaufstelle identifizieren: 12.650 und 12.460 Punkte.

Fazit

Um mögliche Kursziele einer Korrektur im Aktienmarkt zu erkennen, eignet sich wohl nichts besser als die Charttechnik. Hier stehen Ihnen gleich mehrere Werkzeuge zur Verfügung.

Die aufgrund ihrer bestechenden Einfachheit vermutlich am weitesten verbreitete Methode ist das Konzept von Widerstand und Unterstützung. Hieraus ergeben sich in unserer heutigen Analyse mögliche Kursziele von 12.650 und 12.460 Punkten.

Morgen zeige ich Ihnen noch 2 weitere Werkzeuge, die ihre Tauglichkeit in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt haben. Und am Ende werden wir die Ergebnisse aller 3 Methoden miteinander abgleichen.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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