DAX: Womit Sie jetzt rechnen dürfen und womit nicht

Deutschland Aktien shutterstock_401691988 gopixa

Den Widerstand bei 12.435 Zählern hat der DAX endlich überwunden. Wie geht es nun wei-ter? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Das Jahr 2019 soll ein gutes für den DAX werden – sagt meine Datenbank: Denn seit 1960 haben Jahrgänge, die auf 9 enden, im Schnitt ein Plus von +18,3% im deutschen Aktien-Index erbracht.

Dieses Ergebnis hatte ich Ihnen am 31. Dezember 2018 für das Gesamtjahr 2019 prognostiziert. Darauf waren wir im gestrigen Beitrag noch einmal näher eingegangen.  Mit etwas mehr als +17% Zuwachs zur Jahresmitte liegt der DAX damit also voll im Soll.

Allerdings bin ich – wie gestern bereits angekündigt – optimistisch, dass der Leitindex in den kommenden Wochen, ja vielleicht Monaten, noch eine Schippe drauflegt.

Die Gründe für meine Zuversicht zeige ich Ihnen heute. Und ich erkläre Ihnen, warum ich welches Kursziel dabei für wahrscheinlich halte.

Immer ein guter Start: Der Monats-Chart

Beginnen wir, indem wir uns zunächst einen Überblick über die langfristige Entwicklung des DAX verschaffen. Dazu habe ich einen Monats-Chart für Sie vorbereitet, der 20 Jahre zurückreicht:

DAX: Neues Rekordhoch derzeit unwahrscheinlich

Was Sie hier sehen, ist eine klassische Trend-Beschleunigung: Sie startete vom Tiefpunkt in 2003 aus und erreichte mit dem Top bei 12.390 Punkten im April 2014 ihren vorläufigen Höhepunkt (orangefarbener Bogenpfeil).

Im Chart können Sie dies daran festmachen, dass ab 2009 immer steilere Aufwärtstrends bzw. Trend-Kanäle ausgebildet wurden (grüne, pinkfarbene und blaue Linien).

Nach dem Herausfallen aus dem steilsten (blauen) Trend konnte der DAX zunächst noch einmal höheres Terrain erreichen. Allerdings schaffte er zu keiner Zeit den Sprung zurück in den blauen Aufwärtstrend.

In der Charttechnik bezeichnen wir eine solche Entwicklung als Pull-Back (Rücksetzer) an die zuvor durchbrochene Trendlinie. Dieses Kursmuster finden Sie sowohl bei Aufwärts-, als auch bei Abwärtstrend-Brüchen. Und damit sind wir bei der Kernaussage dieses Charts:

Die Entwicklung, die Sie im bisherigen Jahresverlauf gesehen haben, ist ebenfalls ein Pull-Back: Nur ist diesmal der im Oktober 2018 verlassene Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 (pinkfarbene Linie) im Visier des DAX.

Womit Sie jetzt rechnen dürfen und was Sie nicht erwarten sollten

Warum ist diese Erkenntnis für Sie als DAX-Beobachter oder -Investor von Bedeutung? Ganz einfach:

Aufgrund des Pull-Backs sollten Sie nicht zwingend mit einem Anstieg des deutschen Leitindex in völlig neue Kursdimensionen rechnen: Mithin über das bislang gültige Allzeithoch von 13.596,89. Andererseits:

Würde dem DAX genau dieses Kunststück gelingen, dann verändert sich diese Perspektive grundlegend. Denn dann wäre eine Neujustierung des Aufwärtstrends (aus 2009) erforderlich: Wie Sie ja wissen, definiert sich ein Aufwärtstrend durch immer höhere Hochs.

Das jetzt wahrscheinliche Szenario im DAX

Die folgende Grafik zeigt übrigens noch einmal eine klassische Neujustierung eines Aufwärtstrends:

Das jetzt wahrscheinliche Szenario im DAX

Die vom Tief im Dezember 2018 ausgehende Aufwärtsbewegung (gestrichelte grüne Linie) war Ende Mai nach unten verlassen worden. Durch die jüngst erreichten Tops verläuft der neue Aufwärtstrend (grüne Linie) nun durch das dem Hoch vorausgehende Tief vom 3. Juni.

Dementsprechend können Sie nun auch einen neuen Trend-Kanal einzeichnen: Einen jetzt denkbaren DAX-Verlauf stellt der von mir eingezeichnete blaue Pfadpfeil dar: Der DAX klettert in den kommenden Woche bis knapp unter das bisherige Rekordhoch und leitet dann die Kehrtwende ein.

Der Aufwärtstrend im 50-Tage-Momentum bestätigt Ihnen, dass Sie für die kommenden Wochen zunächst weitere Anstiege im Leitindex erwarten dürfen. Der Aufenthalt des Schwung-Indikators über der Nulllinie verspricht zudem andauernde Aufwärts-Dynamik.

Fazit

Der langfristige Monats-Chart macht Ihnen deutlich, dass es sich bei der seit Jahresbeginn 2019 laufenden Aufwärtsbewegung um einen Pull-Back (Rücksetzer) an die zuvor durchbrochene Aufwärtstrendlinie aus dem Jahr 2008 handelt. Das ist wichtig:

Denn dementsprechend erscheint aus aktueller Sicht ein neues Allzeithoch im DAX unwahrscheinlich. Sollte dies doch gelingen, entsteht eine völlig andere Perspektive für den deutschen Leitindex.

Doch soweit sind wir noch nicht: Das wahrscheinlichste Szenario für den DAX wäre nun ein Anstieg bis kurz unter das Rekordhoch von 13.596,89 Punkten. Auf Basis des heutigen Standes bedeutet dies immerhin noch ein Gewinnpotenzial von gut +10%.

Wie gesagt: 9er-Jahrgänge sind gute DAX-Jahrgänge!

Dax30 – Bären drücken weiter nach unten…

Dax30 – Bären drücken weiter nach unten…Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters John Gossens Daily Dax. Täglich analysiere ich zwei Mal für Sie die internationalen Aktienmärkte und morgens starten wir immer mit dem Blick… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz