DAX zeigt Stärke: Fehlausbruch oder Boom?

DAX strotzt vor Stärke. USA haben BASF im Visier. Was bringen die kommenden Tage? Mögliche Kursziele für den DAX im Sommer. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Totgesagte leben länger. Was der DAX diese Woche gezeigt hat, war für die meisten eine Überraschung. Wer konnte auch ahnen, dass es plötzlich steil nach oben geht und die ewigen Barrieren, wie der Widerstand nördlich der 12.600 sowie die 200-Tagelinie einfach weggefegt werden?

DAX bei 12.800

Das, was seit Wochen für unmöglich gehalten wurde, ist jetzt eingetreten. Der DAX hat die 12.700er-Marke geknackt! Die Berichtsaison soll dem Leitindex helfen diese Hürde vergessen zu machen. Doch es drohen schon wieder Gewitterwolken aus der Konstellation USA-Russland.

Gerade BASF, die jetzt ihre Zahlen vorlegen, sind unter Beschuss geraten. Hintergrund ist die geplante Gas-Pipeline „Nord Stream 2“. Die soll von Russland nach Deutschland laufen und das will der Amerikaner natürlich verhindern. Hierzulande würde allerdings speziell BASF und Uniper von diesem Milliardenprojekt profitieren.

Doch dieser Schuss kann nach hinten losgehen. Offiziell ist die Pipeline auf der Sanktionenliste der USA. Das bedeutet, dass auch alle Unternehmen, die sich an dem Bau beteiligen sanktioniert werden.

Allein diese Nachricht sollte wichtiger für die BASF-Aktionäre sein, als die Unternehmenszahlen, denn diese Konstellation hat enorme Brisanz!

Jedoch hat das insgesamt den DAX heute nicht beeinträchtigt. Der marschierte mutig Richtung 12.800 und lässt sich momentan nicht stoppen. Vor allem ein derart starkes Ende zum Wochenschluss ist ein gutes Signal.

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Sofern wir nächste Woche also nicht sofort wieder nach unten drehen, können wir sogar vorsichtig von 13.000 Punkten träumen. Doch schießen wir nicht über das Ziel hinaus. Wir haben immerhin Mai. Auch wenn die erste Woche mehr als solide gelaufen ist, naht der Sommer und damit üblicherweise mittelfristig fallende Kurse.

Natürlich darf das dieses Jahr gerne einmal anders sein. Anleger sollten deshalb die aktuellen Kurse vorsichtig optimistisch betrachten. Lieber traden Sie jetzt noch mit angezogener Handbremse, als dass Sie alles auf einen steilen Anstieg im Sommer setzen. In den meisten Fällen wird das nämlich nicht passieren und wir tippen an der Börse nun einmal auf Wahrscheinlichkeiten und Trends.

Ein richtiger Trend hat sich nämlich jetzt auch noch nicht gebildet. Ja, die Woche war positiv. Ja, wir haben wichtige alte Hürden hinter uns gelassen. Doch sollte es in den nächsten Handelstagen einfach wieder 200 Punkte heruntergehen, stehen wir erneut vor den bekannten Problemen im Chart. Die Gefahren lauern noch im Rückspiegel. Kein Grund jetzt schon die Korken knallen zu lassen.

Optimistisch in den Sommer

Das negative Szenario kennen Sie inzwischen. Was wäre denn, wenn die Kurse weiter steigen? Erreichen wir dann bald das Jahreshoch?

Nein, wir haben jetzt lediglich nach ewigem Hin und Her einmal 200 Punkte nach oben gutgemacht. Das ist kein Weltwunder. Selbst für einen lahmen DAX.

Dass wir jetzt noch einmal 1.000 Punkte oben drauflegen, ist vermutlich selbst für unerschrockene Optimisten zu viel. Gehen wir realistisch an die Sache heran: Das nächste Ziel wären die 13.000 Punkte. Bis zum Allzeithoch ist der Weg noch lang und steinig. Vor allem, wenn der DAX weiterhin nur alle paar Wochen einmal 200 Punkte zulegen kann.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.