DAX: Zinsangst? Blödsinn!

Der DAX-Index zittert vor steigenden Zinsen! Warum das Unfug ist und für Sie eine tolle Chance, verrrät Ihnen Michael Sturm! (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Es ist zurzeit ein bisschen viel für unseren gebeutelten DAX-Index! Neben der Syrienkrise und dem Handelskrieg gesellte sich in den vergangenen Tagen jetzt noch eine neu aufflackernde Zinsangst hinzu. So zumindest die Interpretation der Medien zu den gesunkenen Aktienkursen.

Man macht sich angeblich wieder Sorgen um die zukünftige Konjunktur und die Unternehmensgewinne. Geschürt von etwas höherer Inflation und steigenden Ölpreisen sind in den vergangenen Tagen die Zinsen an den Anleihemärkten angestiegen.

Kuriositätenkabinett

Ich halte die Zinsängste für völlig überzogen, denn vor nicht allzu langer Zeit war es an den Börsen sehnsüchtig erwartet worden, dass die Inflation endlich anzieht und die Zinsen anfangen zu steigen. Ebenso waren die Aktienmärkte gerade wegen zu tiefer Ölpreise besorgt. Die Interpretation könnte eher lauten: „Wenn man nach Gründen für eine Bewegung sucht, findet man sie auch!“ In meinen Augen war dies lediglich die Reaktion auf gefallene US-Aktienmärkte als eine reale Zinsangst-Reaktion.

Vor diesem Hintergrund schlägt sich der DAX-Index indes äußerst positiv. Von Dax-Ständen unter 12.000 Punkten ist er noch ein gutes Stück entfernt, obwohl diese bei einem derartigen 3-fach-Störfeuer durchaus erwartet wurden.

Ob die charttechnisch seit Februar eingeleitete Bodenbildung nun in Gefahr gerät, verraten uns die folgenden Chartbilder.

Zunächst derkurzfristige 1-Monatschart vom DAX-Index:

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Test des kurzfristigen Aufwärtstrends!

Seit 4. April hat der DAX-Index die lange umkämpfte Unterstützung in der Gegend um 11.800/900 Punkte nach oben verlassen können. Er etablierte in den nachfolgenden Handelstagen einen schönen schmalen Aufwärtstrend (obere blaue Trendlinien). Dieser wurde nun gestern Nachmittag nach unten verlassen, als sich abzeichnete, dass die Wall Street eine schwache Börsensitzung unternahm.

Sie erkennen im kurzfristigen 1-Monats-Chartbild aber auch, dass es beim aktuellen Indexstand von etwa 12.350 Punkten eine Unterstützung aus dem breiteren Trendkanal (untere blaue Trendlinie) gibt.

Mehr ist aus dem kurzfristigen Verlauf des DAX-Index auch nicht abzulesen.

Fazit kurzfristig: Noch folgt der DAX dem breiteren Trendkanal, ein Bruch an der Unterkante würde zunächst Abwärtspotenzial bis zum GAP eröffnen (schwarze Ellipse).

Wie sich die Lage dadurch mittelfristig verändert, analysieren wir im 1-Jahreschartbild vom DAX-Index:

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Wende noch nicht ganz geschafft, aber es sieht weiterhin gut aus!

Im mittelfristigen 1-Jahreschartbild vom DAX-Index sehen Sie sehr schön, wie der Index sich in den vergangenen Wochen in der Unterstützungsgegend um die 11.900 Punkte abgekämpft hatte. Aber mit Erfolg. Denn der nachfolgende dynamische Anstieg in Richtung 12.600 Punkte zeigt, dass reges Kaufinteresse in den Markt geflossen ist.

Wir dürfen nicht vergessen, dass dies trotz eines schwierigen politischen Umfeldes geschehen ist.

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Um der Wende aber einen signifikanten abschließenden Charakter zu verleihen, muss der DAX-Index über das Zwischenhoch vom Februar klettern (schwarze gestrichelte Linie). Es liegt bei etwa 12.600/650 Punkten. Luft wäre dann aber zunächst nur bis 12.900 Punkte recht begrenzt vorhanden.

Hier kommt dem DAX-Index eine schwere Hürde entgegen. (rote Widerstandslinie). Sie resultiert aus den Hochpunkten des vergangenen Sommers und dürfte nicht so einfach geknackt werden. Spätestens an der 12.900 sollten Sie mit einer Korrektur rechnen, bevor ein ernsthafter Versuch unternommen werden könnte, die Januar-Hochpunkte anzulaufen!

Durch die aufkeimenden angeblichen Zinsängste sehen wir im Chartbild zuletzt einen Rücksetzer. Dies kann aber auch als Chance genutzt werden! Denn so wurde ein direktes Durchlaufen durch den 12.600er-Punkt vermieden. Der DAX-Index kann noch einmal ordentlich Kraft sammeln und dann die Aufgabe neu bewältigen.

Das A und O an der Unterseite bleibt die Zone um 11.800/900 Punkten.

Fazit mittelfristig: Bodenbildung weiterhin in Arbeit. Neue Kraft für einen Durchbruch sammeln ist eher positiv!

Werfen wir abschließend einen Blick in den langfristigen 10-Jahres-Chart vom DAX-Index:

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Es bleibt dabei: „Normale Korrektur“ innerhalb des Langfristtrends

Der übergeordnete Langfristtrend (blauer Trendkanal) bleibt weiterhin auf langfristige Sicht vollkommen intakt. Auch bereits in den Jahren 2011, 2014, 2015 und 2016 gab es Phasen mit Konsolidierungshaken. Kein Trend der Welt kommt ohne diese Konsolidierungen im Aufwärtstrend aus!

Aus langfristiger Perspektive ist die Börsenwelt immer noch vollkommen entspannt.

Innerhalb dieses sehr breiten Trendkanals kann dem DAX-Index ein weiterer flacherer Trend zugeschrieben werden (Hellblauer Trend).

Und hier sehen Sie auch das vorhandene Abwärtspotenzial, sollte die angesprochene 11.900er Zone (obere rote Linie) nicht halten.

Ein Abgleiten bis auf die untere hellblaue Trendbegrenzung ist einzukalkulieren, falls der DAX die 11.900 nicht halten kann. Aktuell liegt sie bei etwa 11.000 Punkten.

An der Oberseite wäre das Optimalszenario nach Überwinden der angesprochenen Widerstände bei 12.600 und 12.900 die Oberkante des Aufwärtstrendkanals. Das maximale Potenzial ist demnach bei etwa 13.750/14.000 Punkte angesiedelt!

Abschließendes Fazit:

Der DAX-Index hat seine Chance ergriffen und die Bodenbildung weiter vorangetrieben.

Um sie charttechnisch signifikant zu vollenden, muss der Index aber die 12.600/650 knacken.

Die jüngste Schwächephase ist kein Problem, sondern eher ein positives Luftholen!

Nach unten ist die 11.900er Zone recht stabil, es besteht bei einem Bruch dieser Zone ein maximales Risiko bis zur 11.000er Marke.


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Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!