DAX30: Deutsche Post kündigt Aktienrückkaufprogramm an

Der deutsche Leitindex DAX hat heute eine Achterbahnfahrt erlebt. Am Ende setzten sich die Bären durch: Der DAX verlor 0,88% und sackte auf 9.692 Punkte ab. Größter Kursgewinner im DAX war die Aktie der Deutschen Post, die um über 3% zulegen konnte.

Die Deutsche Post hat heute angekündigt, eigene Aktien im Wert von 1 Mrd. Euro zurückkaufen zu wollen. Das Rückkaufprogramm soll noch im März starten und innerhalb von 12 Monaten abgeschlossen sein, teilte das Unternehmen in Bonn mit.

Die Summe von 1 Mrd. Euro ist dabei als Obergrenze vorgesehen. Der Vorstand der Deutschen Post hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach über einen möglichen Aktienrückkauf gesprochen, sich den Zeitpunkt jedoch offengehalten.

Als Gründe für die jetzige Entscheidung wurden der starke Barmittelzufluss sowie die Gewinnentwicklung genannt. So habe das Unternehmen das im Herbst 2015 gekappte Gewinnziel erreicht. Zudem bekräftigte der Vorstand seine bisherigen Pläne zur Gewinnsteigerung für die Jahre 2016 bis 2020.

Da nicht jedem von Ihnen im Detail bekannt sein dürfte, was genau Aktienrückkäufe sind, wie sie sich auswirken und welche Gründe Unternehmen haben, um Aktienrückkäufe zu tätigen, möchte ich Ihnen jetzt die Hintergründe zu diesem Thema nennen.

Die Auswirkungen von Aktienrückkäufen

Wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft und vernichtet (in der Börsensprache sagt man weniger brutal „einzieht“), hat das mehrere positive Wirkungen:

1) Aktienrückkäufe sorgen dafür, dass der zukünftige Unternehmensgewinn auf weniger Aktien verteilt werden muss (selbst bei stagnierenden Gewinnen steigt dann der Gewinn je Aktie).

2) Der gleiche Effekt wirkt auch bei der Dividende: Die Dividendensumme muss auf weniger Aktien verteilt werden. Dadurch steigt die Dividenden-Rendite.

3) Aktienrückkäufe sorgen an der Börse für eine steigende Nachfrage nach der entsprechenden Aktie. Bleibt das Angebot gleichzeitig konstant, steigt der Aktienkurs.

4) Verkaufswillige Aktionäre können ihre Aktien direkt an das Unternehmen verkaufen und belasten dadurch nicht den Kurs an der Börse.

Die Gründe, die für ein Aktienrückkaufprogramm sprechen

Wenn ein Unternehmen ein Aktienrückkaufprogramm ankündigt, wird das oft als „phantasielos“ kritisiert. Der Vorwurf lautet: Ein Unternehmen hat keine Investitions- und Geschäftsideen mehr, daher kauft es als Notlösung eigene Aktien zurück. Der Vorwurf kann sogar stimmen.

Doch die Gründe, die für ein Aktienrückkaufprogramm sprechen, sind sehr vielfältig. Hier eine Auswahl der Motive:

a) Die zusätzliche Aktien-Nachfrage soll einen kurzfristigen Abwärtstrend stoppen.

b) Der Vorstand signalisiert mit den Rückkäufen, dass er die eigene Aktie für unterbewertet hält.

c) Da Übernahmen aktuell oft zu teuer sind, kann das Geld besser in eigene Aktien investiert werden.

d) Der Großaktionär kann mit einem Aktienrückkaufprogramm seine eigene Machtstellung ausbauen, wenn Privatanleger das Angebot annehmen, der Großaktionär aber keine Aktien abgibt.

e) In extremen Niedrig-Zins-Phasen (wie aktuell) kann es sich für ein Unternehmen sogar lohnen, für einen Aktienrückkauf Fremdkapital aufzunehmen, wenn die Zinsen niedriger sind als die zukünftig eingesparten Dividenden.

f) Das Geld in der Unternehmenskasse wirft keine Zinsen mehr ab. Durch Aktienrückkäufe kann das „tote“ Kapital wieder arbeiten.

g) Aktienrückkäufe können Aktionäre bei Laune halten, wenn das Unternehmen in einer Umbruchphase steckt und Umsatz und Gewinn kurzfristig nicht steigern kann.

h) In einigen Ländern werden Kursgewinne nicht so hoch besteuert wie Dividenden. In diesen Fällen kann es sich lohnen, die Dividende niedrig zu halten und den Kurs mit Aktienrückkäufen zu steigern.

i) Ein „reifes“ Unternehmen kann mit Aktienrückkäufen dafür sorgen, dass trotz Gewinnstagnation der Gewinn je Aktie steigt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sinkt. So wird die Aktie wieder attraktiver.

Ich setze in meinen Börsendiensten auf Aktienrückkäufer

Sie sehen: Es kann viele gute Gründe geben, die für ein (kurssteigerndes) Aktienrückkaufprogramm sprechen. Daher setze ich in meinen Börsendiensten regelmäßig auf Unternehmen, die eigene Aktien zurückkaufen und attraktive Dividenden ausschütten.

8. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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