DAX30: Heute großer Hexentanz an der Börse

Heute war es wieder soweit: Zum zweiten Mal im Börsenjahr 2015 schlug der „dreifache Hexensabbat“ zu.

Der dreifache Hexensabbat ist auch als großer Verfallstag bekannt, denn an diesem Tag verfallen weltweit gleich 3 Arten von Anlagen: die Optionen auf Einzelaktien, die Optionen auf Indizes und die Terminkontrakte auf Indizes. An diesen Tagen geht es an der Börse traditionell etwas hektischer zu.

Der große Verfallstag ist jeweils am dritten Freitag im März, Juni, September und Dezember. Der Hexensabbat ist der Tag der Abrechnung. Das war auch heute so.

Denn: Viele Fonds, Hedgefonds und Investmentbanken waren in Terminkontrakten investiert, die heute um 12 Uhr abgerechnet wurden. Im Vorfeld wird daher versucht, die Basisindizes (zum Beispiel DAX oder EuroStoxx) durch Käufe und Verkäufe in die gewünschte Richtung zu treiben.

Wenn sich sehr viele große Investoren oberhalb einer gewissen Verfallsmarke positioniert haben, dann kann der Markt auch ohne fundamentale Nachrichten oder charttechnische Signale durchstarten.

Das Phänomen Hexensabbat im Detail

Am Hexensabbat entscheidet sich für viele große Marktteilnehmer, ob sie mit ihren Investition in Derivate einen Gewinn oder einen Verlust machen. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei den Investitionen um Wetten auf bestimmte Kurse. Die beteiligten Marktteilnehmer versuchen nun, die Kurse in die gewünschte Position zu bringen, damit die eingegangene Wette aufgeht.

Ein Beispiel: Mit einer Option wird das Recht erstanden, eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen. Liegt der Kurs der Aktie mittlerweile über dem festgelegten Basispreis, macht man als Besitzer der Option einen Gewinn.

Der Verkäufer hingegen macht ein schlechtes Geschäft, weil er die Aktie nicht zu dem inzwischen höheren Preis an der Börse verkaufen kann. Da also die Interessen der verschiedenen Marktteilnehmer sehr unterschiedlich sind, versuchen diese, die Kurse in die jeweils gewünschte Position zu bringen.

Während der Verkäufer aus dem genannten Beispiel versucht, den Kurs durch massive Verkäufe unter den Basispreis zu drücken, versucht der Käufer der Option, das Gegenteil zu erreichen. Auf diese Weise kann es innerhalb kürzester Zeit zu einem sehr großen Handelsvolumen mit heftigen Kursschwankungen nach oben und unten kommen.

Die Bedeutung des Hexensabbats für Privatanleger

In der Regel können private Kleinanleger keinen nennenswerten Einfluss auf die Geschehnisse am Hexensabbat nehmen. Die großen und bestimmende Akteure sind beispielsweise Banken, Versicherungen oder Fondsmanager.

Für gewöhnlich haben die am Hexensabbat oftmals zu beobachtenden heftigen Kursschwankungen keinen nachhaltigen Einfluss auf die Kursentwicklung. Innerhalb kurzer Zeit ist der Spuk vorbei und die Kurse pendeln sich zumeist wieder auf dem vorherigen Niveau ein. Sie können sich also beruhigt zurücklehnen und das Schauspiel betrachten.

In Einzelfällen können Sie auch versuchen, die großen Kursschwankungen zu Ihren Gunsten zu nutzen. Sie können bestehende Depot-Positionen mit einem sehr hohen Verkaufs-Limit in den Markt geben, oder für eine Aktie, die in Ihrem Depot noch fehlt, ein sehr niedriges Kauf-Limit platzieren. Mit etwas Glück sind die Kursschwankungen so groß, dass die Limits aufgehen. Dann haben Sie eine Position zu sehr guten Kursen verkauft oder gekauft.

19. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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