DAX30: ThyssenKrupp senkt Jahresausblick

Die Krise auf dem Stahlmarkt trifft den deutschen Stahl- und Technologiekonzern ThyssenKrupp härter als erwartet. Der DAX-Konzern hat heute die Zahlen für das 2. Geschäftsquartal 2015/2016 (das Geschäftsjahr endet am 30. September) bekannt gegeben und musste im Zuge dessen auch die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr senken.

Die schwächer als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen und die daraufhin gesenkte Prognose für das Geschäftsjahr 2015/2016 beförderten die ThyssenKrupp-Aktie heute in einem unterm Strich positiven Marktumfeld an das DAX-Ende.

Die aktuellen Quartalszahlen im Überblick

Der Umsatz von ThyssenKrupp verringerte sich im zurückliegenden Quartal um 10% auf 9,85 Mrd. Euro. Grund dafür waren vor allem niedrigere Preise. Der Auftragseingang lag mit 9,03 Mrd. Euro um 13% unter dem Vorjahresniveau.

Das um Sondereffekte bereinigte EBIT sank im 2. Quartal des Geschäftsjahres 2015/2016 (Januar bis März) um rund 20% auf 326 Mio. Euro. Die Probleme von ThyssenKrupp zeigen sich besonders deutlich in der europäischen Stahlsparte. Das operative Ergebnis des Konzernteils sank um mehr als 40% auf 65 Mio. Euro.

In der Vergangenheit hatte ein hartes Sparprogramm vor allem in dieser Sparte für Verbesserungen gesorgt. Im laufenden Jahr will ThyssenKrupp die Kosten konzernweit um 850 Mio. Euro senken, 450 Mio. Euro sind bereits erreicht.

Die Entwicklung in den Industriegütergeschäften fiel hingegen positiv aus. So stieg das operative Ergebnis der Anlagensparte um 40% auf 153 Mio. Euro. Der Konzern profitierte in dieser Sparte zuletzt allerdings von einem Großauftrag für eine Zementanlage in Saudi-Arabien.

Den Nettogewinn steigerte ThyssenKrupp im 2. Quartal um 26% auf 61 Mio. Euro. Grund dafür war vor allem, dass weniger negative Sondereffekte wie Kosten für Restrukturierungsmaßnahmen anfielen.

Die neue (gesenkte) Prognose im Detail

ThyssenKrupp rechnet nun nur noch mit einem operativen Ergebnis von mindestens 1,4 Mrd. Euro. Das wäre ein Rückgang von bis zu knapp 17% im Vergleich zum Vorjahr. Bisher hatte der Konzern einen um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes EBIT) von 1,6 bis 1,9 Mrd. Euro in Aussicht gestellt.

Auch mit Blick auf den freien Cashflow (freier Mittelzufluss) ist ThyssenKrupp pessimistischer. Ohne Berücksichtigung von Einnahmen aus Verkäufen und Ausgaben für Übernahmen werden nach den Erwartungen des Konzerns Mittel in Höhe eines niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrags abfließen.

Nur im besten Fall werde der freie Cashflow ausgeglichen sein. Zuvor hatte ThyssenKrupp einen leicht positiven Wert angekündigt. Der Jahresüberschuss soll nicht wie bisher erwartet deutlich steigen, sondern auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

Zwar sieht der Konzern nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger inzwischen eine Erholung bei den Werkstoffpreisen. Diese Erholung komme allerdings später als erwartet und zudem von einem niedrigen Niveau aus. Weiterhin heißt es, dass sich diese Erholung erst zeitversetzt in den Kennzahlen des Konzerns widerspiegeln werde.

Fazit: ThyssenKrupp-Aktionäre werden mehr Geduld mitbringen müssen als ursprünglich erwartet. Wenn Sie zur spekulativen Zunft der Anleger zählen, können Sie jetzt zu günstigeren Kursen einsteigen und auf einen möglichen Turnaround (Trendwende) setzen. Konservative Anleger sollten die ThyssenKrupp-Aktie eher meiden.

10. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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