DAX30: VW trotz Gewinnrückgang in der richtigen Spur

Heute waren zahlreiche Berichte zu den aktuellen Quartalszahlen von Deutschlands größtem Autobauer VW zu lesen. Zumeist war von einem „Gewinneinbruch“ und einem „absacken“ des Aktienkurses die Rede.

Dagegen ist zwar formal nichts einzuwenden, doch wird aus meiner Sicht bewusst ein möglichst negatives Bild gezeichnet, da negative Meldungen zu VW zum einen wohl eher gelesen werden und zum anderen (beides bedingt sich) wohl auch besser ins allgemeine Stimmungsbild passen.

Kommen wir jetzt aber zu den Fakten: Die Faktenlage sieht so aus, dass VW die Kosten der Abgasaffäre auch im 1. Quartal des Geschäftsjahres 2016 im Griff hatte und sogar weniger zusätzliche Anreize für Käufer geschaffen werden mussten als VW selbst zunächst angenommen hatte.

Mit anderen Worten: Imagemäßig scheint für VW das schlimmste überstanden zu sein. VW versuchte, mit hohen Rabatten die Verkaufszahlen trotz des Diesel-Skandals stabil zu halten. Das gelang erstaunlich gut, denn die Absatzzahlen sanken im Vergleich zum Vorjahr nur leicht um 1,2%.

Zudem stiegen die Vertriebskosten in den ersten 3 Monaten des laufenden Jahres bei weitem nicht so stark wie direkt nach Bekanntwerden der Manipulationen erwartet. Ursprünglich hatte der VW-Konzern noch mit rund 100 Mio. Euro mehr an Anreizen für potenzielle Käufer von VW-Fahrzeugen kalkuliert, schöpfte diesen Puffer aber nicht komplett aus.

Die Quartalszahlen im Überblick

Der Umsatz von VW sank im 1. Quartal 2016 um 3,4% auf knapp 51 Mrd. Euro. Der operative Gewinn (EBIT) verbesserte sich leicht um 112 Mio. Euro auf 3,4 Mrd. Euro. Allerdings sorgte ein Sondereffekt dafür, dass das EBIT zulegen konnte.

Die milliardenschweren Rückstellungen für die Folgen des Abgas-Skandals gewannen bei der Währungsumrechnung an Wert, was dazu führte, dass VW einen Sonderertrag von 500 Mio. Euro einfahren konnte. Der Nettogewinn fiel im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel auf 2,3 Mrd. Euro.

VW-Konzernchef Matthias Müller zeigte sich vorsichtig zufrieden: „Es ist uns auch im 1. Quartal gelungen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Dieselthematik in Grenzen zu halten und unter schwierigen Bedingungen respektable Ergebnisse zu erwirtschaften.”

Diese Einschätzung teile ich. Aus meiner Sicht kommt VW schon jetzt besser mit den Aus- und Nachwirkungen des Diesel-Skandals zurecht als es zu erwarten war. Die Unzufriedenheit einiger VW-Aktionäre, die dazu führte, dass die VW-Aktie heute nach Vorlage der Zahlen zeitweise über 4% ins Minus rutschte, kann ich daher nicht verstehen.

Natürlich ist ein Rückgang von 20% beim Nettogewinn nicht schön. Und ebenfalls war es nicht wünschenswert, dass VW beim Umsatz und bei den Absatzzahlen hinter den Vorjahreswerten zurückbleibt. Doch angesichts der Umstände sollte man aus meiner Sicht zufrieden sein mit dem, was im abgelaufenen Quartal erreicht wurde.

Operativ befindet sich der VW-Konzern aus meiner Sicht auf einem guten Weg. Es bleibt aber abzuwarten, wie die juristischen Auseinandersetzungen enden und was letztlich an Kosten für VW zu Buche steht. Die VW-Aktie bleibt auf dem derzeitigen Kurs- und Bewertungsniveau für mich einen Blick wert.

31. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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