Deflation: Diese Krise kennt keine Gewinner

Wenn sich eine Deflation ausbreitet, entsteht eine sich selbst beschleunigende Abwärtsspirale aus Unternehmenszusammenbrüchen, Arbeitslosigkeit, sinkender Kaufkraft, weiter einbrechenden Umsätzen der Firmen und entsprechenden Konkursen.

Im weiteren Verlauf nimmt die Krise noch drastischere Formen an. Weil zunehmend Schuldner wie Unternehmen und Privathaushalte zahlungsunfähig werden, kommen die kreditvergebenden Banken in Schwierigkeiten.

Zum einen steigt die Auflösung von Guthaben, weil jeder Sparer in dieser Situation möglichst sein Geld von der Bank abholt, zum anderen können immer mehr Schuldner die Kredite nicht mehr zurückzahlen.

In der Deflation verlieren die meisten Sparer ihre Einlagen

Verhängnisvoll wird in dieser Lage für die Banken, dass sie kurzfristig angelegte Guthaben dafür verwendet haben, langfristige Kredite zu vergeben. Die Bankeinlagen schmelzen dabei schneller dahin, als Kredite wieder eingetrieben werden können. Eine Welle von Bankzusammenbrüchen ist die unmittelbare Folge.

Dabei verlieren viele Sparer ihr Vermögen und sind zu weiteren Konsumeinschränkungen gezwungen, was die Unternehmen durch den daraus resultierenden Umsatzrückgang erneut unter Druck setzt.

Ein Ausufern der Finanzkrise von 2008 konnte nur durch drastische Maßnahmen in buchstäblich letzter Minute verhindert werden. Durch Absicherungen und Bürgschaften des Staates, letztlich durch die Einlagen der Bürger, wurden die Bankenzusammenbrüche fürs Erste verzögert.

Ansonsten hätten sich lawinenartig Folgeprobleme ergeben. Der Staat wird durch die entstehende Massenarbeitslosigkeit überfordert und schränkt deshalb die Arbeitslosenhilfen ein, was wiederum auf die Kaufkraft der Bevölkerung und zugleich auf die Unternehmen durchschlägt.

Zusätzlich gehen die Steuereinnahmen für den Staat zurück, weil kaum noch gearbeitet und produziert wird. Der Staat wird dann die Steuern, vor allem die Mehrwertsteuer erhöhen. Das lässt die Wirtschaft noch weiter einbrechen. Ursache ist der Verlust an Massenkaufkraft.

Letztlich können dann auch die Staatsschulden nicht mehr bezahlt werden. Der Bankrott ist die unmittelbare Folge. Dieser ist mit einem Vermögensverlust der Bevölkerung verbunden, da viele Menschen ihr Geld in vermeintlich sicheren Staatsanleihen und Bundesschatzbriefen angelegt haben.

Auch hier wird deutlich, dass in einer Krise niemals eine Inflation, sondern immer eine Deflation droht. Dass es sich hier nicht um eine theoretische Betrachtung handelt, sondern dies schon mehrfach in der Geschichte vorgekommen ist, das zeigte beispielsweise die große Weltwirtschaftskrise in den 1930er- Jahren.

Doch die Entwicklung während dieser Krise ist heute fast aus der Vorstellungskraft der meisten Menschen verschwunden. Beim Blick in die Geschichte wird sehr viel häufiger die Hyperinflation von 1923 ins Gedächtnis gerufen.

Und das hat auch einen Grund: Bilder von Geldscheinen, die wegen des verlorenen Wertes zum Befeuern eines Ofens benutzt werden, prägen sich sehr leicht in das kollektive Gedächtnis eines Volkes ein.

Dennoch ist es eben auch heute so: Die wirklich große Gefahr geht von einer Deflation aus, weil sie die Wirtschaftsleistung abwürgt und fast die gesamte Bevölkerung darunter leidet. Bei der Inflation gibt es sogar noch Gewinner. Das ist ein weiterer großer Unterschied.

24. Januar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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