Deflationärer Schock: Erwartet uns die Immobilienkrise 2.0?

Die Auswirkungen der letzten Krise sind noch nicht vollkommen überwunden, da droht ein nächster deflationärer Schock am Immobilienmarkt. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die Auswirkungen der Subprime Krise sind noch gar nicht alle überwunden, da zeichnet sich schon ein nächster deflationärer Schock am Immobilienmarkt deutlich am Horizont ab. Wir erinnern uns: Mit dem Begriff Subprime wurde die Kreditvergabe an Personen umschrieben, deren Bonität eigentlich für einen Kredit dieser Höhe nicht ausgereicht hat.

Das war im Grunde schon fahrlässig, doch während der Phase des Booms und beständig steigender Immobilienpreise wollte kaum ein Banker die Gefahren sehen, geschweige denn rechtzeitig gegensteuern.

Kreditvergabe an US-Bürger als Zeichen für deflationären Schock?

Damals gab es noch ein weiteres Charakteristikum bei der Kreditvergabe, das uns schon bald auf eine sehr unangenehme Art beschäftigen könnte. Es betrifft die Kreditvergabe an den ganz normalen US Durchschnittsbürger.

Bei diesen Krediten war anders als bei den Subprimekrediten die Bonität durchaus gegeben. Doch um ihren Kunden den Lebensstandard nicht allzu stark einzuschränken, gingen die Banken dazu über in diese Kreditverträge nur niedrige Zins- und Tilgungsleistungen für die Anfangsjahre festzuschreiben. Erst im Abstand von einigen Jahren sollte die Belastung steigen.

Diese Jahre sind inzwischen verflossen und damit kommen auf immer mehr Hausbesitzer in den kommenden Monaten steigende Lasten für Zins und Tilgung zu. Der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein, denn bedingt durch die wirtschaftliche Talfahrt ist es um die amerikanischen Haushaltseinkommen derzeit nicht gut bestellt. Viele Amerikaner haben ihren Job bereits verloren oder sehen sich von einem akuten Jobverlust bedroht.

Komsumleistung und Arbeitsplätze bedroht

Das schränkt nicht nur die Neigung zum privaten Konsum weiter ein und bedroht damit gerade in einer Konsumgesellschaft wie den USA weitere Arbeitsplätze, sondern schwächt auch die Fähigkeit der US Haushalte ihre Kreditschulden zu finanzieren. Schieflagen sind zudem auch bei den gewerblichen Immobilienkrediten zu erwarten.

Viele Projekte, die während des Booms geplant und realisiert wurden, erweisen sich heute als Ladenhüter. Geschäftsräume und Büros stehen leer und die Eigentümer haben Mühe ihre Kreditlasten zu stemmen.

Sofern sich die Situation für die privaten und gewerblichen Immobilienbesitzer nicht kurzfristig sehr dramatisch verbessert, droht ein erneuter Teufelskreislauf aus Immobilien- und anschließender Bankenkrise.

Notleidende Kredite steigen rasant an

Einige Marktbeobachter rechnen damit, dass bis zu 40% der ausgegebenen Kredite notleidend werden könnten. Treffen diese Prognosen zu, kommen auf die Banken schnell Abschreibungen in Höhe von 300 bis 400 Mrd. US Dollar zu.

Sind unsere politischen Führer auch diesmal der Meinung, dass unsere Banken, zumindest die ganz großen, nicht untergehen dürfen, werden wir erneut Bankenrettungspakete und Konjunkturprogramme in Milliardendimensionen erleben.

Sollte dieses Geld wie kaum anders zu erwarten ebenfalls wieder per Geldschöpfung aus dem Nichts hervorgezaubert werden, droht ein neuer Geldtsunami die (Finanz)Welt unter sich zu begraben.

Neuer deflationärer Schock in 2010?

Das „Markenzeichen“ der Finanzkrise 2007/2008 war, dass die Banken einander nicht mehr vertraut haben. Die Kreditvergabe innerhalb des Bankensystems kam zum Erliegen und da jede Bank händeringend Geld benötigte, wurden viele kurzfristige Kredite nicht verlängert und zurückgefordert.

Das führte zu einem deflationären Schock an den Märkten, weil insbesondere die auf Kredit spekulierenden Hedgefonds sich gezwungen sahen ihre Positionen schnell und um jeden Preis zu schließen.

Wir wissen was passiert, wenn alle Anleger gleichzeitig zum Ausgang stürmen und deshalb wäre es auch für die Immobilienkrise 2.0 nicht verwunderlich, wenn sie wieder mit einem deflationären Schock an den Finanzmärkten einhergeben würde.

Deflationärer Schock könnte Aktienmärkte halbieren

Nicht nur die Aktienmärkte könnten sich dann innerhalb weniger Monate halbieren, auch für die Edelmetalle wären zumindest kurzfristig deutliche Preisrückschläge zu erwarten, denn in der Not wird alles zu Geld gemacht, was sich kurzfristig zu Geld machen lässt, auch Gold und Silber.

Allerdings sollten sich die Edelmetalle analog zu den Krisenerfahrungen in den Jahren 2008 und 2009 anschließend nicht nur schnell wieder erholen, sondern auch schneller erholen als andere Anlageklassen.

Begegnen Notenbanken und Regierungen dem deflationären Schock erneut mit einer gigantischen Geldschwemme, ist für die Jahre danach eine deutlich ansteigende Inflation unausweichlich. Unser Geld könnte dann schnell nur noch die Hälfte wert sein, während die Edelmetalle dann ihre wahre Stärke ausspielen und zumindest die Kaufkraft erhalten und damit vor einem Vermögensverlust schützen werden.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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