Delivery Hero kündigt Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen an

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Delivery Hero kündigt Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen an. Doch ein Detail in der Pressemeldung sorgt für Verwunderung. (Foto: Mano Kors / shutterstock.com)

Gestern nach Börsenschluss hat der Essensdienst Delivery Hero die Emission weiterer Wandelschuldverschreibungen angekündigt. Nachdem im Februar bereits über zwei Wandler insgesamt 1,75 Milliarden Euro und über eine Kapitalerhöhung nochmals 571 Millionen Euro in die Kasse gespült wurden, soll diesmal bis zu 1,5 Milliarden Euro eingesammelt werden konnten. Emittiert werden zwei Tranchen im Nominalvolumen von jeweils rund 750 Mill. Euro und einer erwarteten Laufzeit bis Juli 2025 bzw. Januar 2028. Die erste Tranche ist mit einem jährlichen Zins zwischen 0,625 % und 1,125 % ausgestattet, bei der zweiten reicht die Spanne von 1,25 % bis 1,75 %.

Für die meisten Privatanleger dürfte die Emission angesichts einer Stückelung von je 100.000 Euro allerdings kein Thema sein.

Leerverkäufe angekündigt

Was für Sie als potenzieller Aktionär der Delivery Hero jedoch interessant sein sollte, ist die erst am Ende der Ad-hoc Meldung auftauchende Information, wonach die mit der Ausgabe der Wandelanleihe mandatierten Banken beabsichtigen, zeitgleich bestehende Aktien der Gesellschaft für diejenigen Käufer der Wandelschuldverschreibungen zu platzieren, die durch Leerverkäufe über diese Aktien das „Marktrisiko aus dem Erwerb der Wandelschuldverschreibungen“ absichern möchten.

In der modernen Portfoliotheorie wird unter dem Marktrisiko die Möglichkeit verstanden, dass ein Anleger Verluste aufgrund von Faktoren erleidet, die den Finanzmarkt an sich beeinflussen. Zu den Quellen von Marktrisiken zählen Rezessionen, politische Turbulenzen, Zinsänderungen, Naturkatastrophen und Terroranschläge. Da das Marktrisiko, das von Kapitalmarkttheoretikern auch als “systematisches Risiko” bezeichnet wird, den gesamten Kapitalmarkt gleichzeitig beeinflusst, kann es von einem Anleger nicht durch Diversifizierung beseitigt werden, sondern muss von ihm getragen werden. Sofern er denn dazu entschließt, am Kapitalmarkt aktiv zu sein.

Das Marktrisiko kann aber abgesichert werden. Und genau das erfolgt durch den Verkauf von Aktien. Was sich vermutlich nicht besonders positiv auf den Aktienkurs auswirken dürfte. Für Bestandsaktionäre also nicht unbedingt die positivste Nachricht. Doch ist das schon alles?

Füllen von Löchern

Möglicherweise nicht, denn die beabsichtigte Mittelverwendung könnte ebenfalls für Verunsicherung führen. Vorgesehen ist, dass die Emissionserlöse für allgemeine Unternehmenszwecke und sich „möglicherweise bietende attraktive Investitionsmöglichkeiten“ genutzt werden sollen. Gut, werden Sie sagen, Übernahmen sind in der Branche Tagesgeschäft.

Doch was sind „allgemeine Unternehmenszwecke“? Um diese Frage zu beantworten lohnt ein Blick auf die Profitabilität des Unternehmens. Diese ist, gelinde gesagt, verbesserungsfähig. In den vergangenen drei Jahren hat Delivery Hero operative Verluste von knapp 1,1 Milliarden Euro eingefahren – mit zuletzt steigender Tendenz! Da fragt man sich natürlich, insbesondere nach den Erfahrungen des Wirecard-Debakels der letzten Monate, wo das ganze Geld hingeflossen ist.

Geschäftsmodell von Delivery Hero

Das Geschäftsmodell von Delivery Hero sieht vor, die lokale Gastronomie in die Büros und Wohnzimmer zu bringen. Anstatt dass Menschen selbst ins Restaurant fahren, beauftragt diese einen Kurierfahrer, der das vom Restaurant zubereitete Essen anliefert. Nicht selbst kochen müssen und trotzdem zu Hause essen ist nicht nur in Covid-19-Zeiten eine praktische Sache. Diese Vermittlungsplattform zwischen dem Hungrigen und dem Restaurant wird von Delivery Hero bereitgestellt. Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in mehr als 40 Ländern. Rund drei Millionen Bestellungen werden pro Jahr bearbeitet und bei jeder Bestellung fällt eine Provision an.

Eigentlich ein ganz einfaches Geschäftsmodell. Doch eine nachvollziehbare Erklärung dafür, warum die Verluste im vergangenen Jahr so massiv angestiegen sind, ist das Unternehmen bislang schuldig geblieben. Auch hat sich das Unternehmen nicht dazu geäußert, wann und in welchem Umfang die Gewinnzone erreicht werden soll. Damit sollten Anleger hinterfragen, ob der profitable Part des Geschäftsmodells überhaupt existiert.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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