Delivery Hero macht Weg für Woowa-Übernahme frei

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Nach langem Zögern hat die koreanische Regulierungsbehörde die Übernahme des Lieferdienstes Woowa durch Delivery Hero mit Auflagen genehmig. Delivery Hero wird sich jetzt von seiner Tochter Yogiyo trennen, um den Deal möglich zu machen. (Foto: Mano Kors / shutterstock.com)

Gestern gab es kurz vor Jahresende ein Kursfeuerwerk an den deutschen Börsen. Der Dax erreichte mit 13818 Punkten ein Allzeithoch und dass nur 9 Monate nach dem Corona-Crash. Dabei stach insbesondere die Aktie des Berliner Essenlieferdienstes Delivery Hero hervor, die gestern zwischenzeitlich um mehr als 6% in die Höhe schoss.

Grund für diese Kursexplosion war eine Pressemitteilung des Berliner Bringservice, in der das Unternehmen erklärte, dass es die von der südkoreanischen Aufsichtsbehörde gemachten Auflagen für die Übernahme des koreanischen Liefer-App-Entwicklers Woowa Brothers Corp. akzeptieren werde.

Damit sind die letzten Hürden für den bereits Ende 2019 vereinbarte Mega-Deal genommen. Damals hatten sich beide Unternehmen auf einen Kaufpreis von 3,6 Mrd. Euro geeinigt. Davon sollten 1,7 Mrd. Euro in bar und der Rest mit Delivery-Hero-Aktien bezahlt werden.

Südkorea ist ein wichtiger Markt für Lieferdienste

Wenn Sie sich jetzt fragen, warum eine Übernahme im fernen Süd-Korea eine solche Auswirkung auf den Aktienkurs des DAX-Unternehmens haben kann, müssen Sie wissen, dass Süd-Korea ein wichtiger Player auf dem weltweiten Lieferdienst-Markt ist.

In einem Ranking des Düsseldorfer Marktforschungsinstituts Euromonitor belegt Süd-Korea weltweit den dritten Platz auf dem Lieferservice-Markt hinter China und den USA. Dabei bietet der südkoreanische Markt noch ein großes Wachstumspotenzial: Allein für dieses Jahr wird erwartet, dass der Markt um rund 40 % auf etwa 15,4 Mrd. US-Dollar (USD) wachsen wird.

Aufsichtsbehörde befürchtete Monopol

Die süd-koreanische Regulierungsbehörde Korea Fair Trade Commission (KFTC) hatte den Deal bisher nicht genehmigt, weil sie befürchtete, dass Delivery Hero durch die Übernahme eine marktbeherrschende Monopolstellung in Korea erhalten würde.

Sie müssen wissen: Delivery Hero ist bereits mit seiner Tochter Yogiyo in Süd-Korea vertreten und belegt dort den 2. Platz unter den Lieferdiensten. Durch die Übernahme des Marktführers Woowa würde Delivery Hero zu einem Marktanteil von 99,2% in Korea kommen.

Genehmigung mit Auflagen erteilt

Gestern gab die KFTC bekannt, dass sie die Übernahme der Woowa Brothers Corp. genehmigen werde. Allerdings ist die behördliche Genehmigung an die Bedingung geknüpft, dass Delivery Hero seine südkoreanische Tochtergesellschaft Delivery Hero Korea LLC (einschließlich Yogiyo) veräußern muss.

Für den Verkauf ihrer Tochter hat Delivery ein halbes Jahr Zeit. Diese Frist kann auf Antrag um weitere 6 Monate verlängert werden. Delivery Hero muss den Status Quo seiner Tochter bis zum endgültigen Verkauf aufrecht zu erhalten.

Delivery Hero reagiert postwendend

Nur wenige Stunden nachdem die KFTC ihre bedingte Genehmigung veröffentlicht hat, stimmte Delivery Hero dieser zu. Niklas Östberg, CEO und Mitbegründer von Delivery Hero, sagte: „Die Zustimmung zu unserer Partnerschaft mit Woowa ist eine großartige Nachricht für unsere beiden Unternehmen und die breitere Lieferindustrie.“

Auf der anderen Seite bedauerte er aber die erzwungene Trennung von seiner Tochtergesellschaft: „Wir sind zutiefst betrübt über die geforderte Bedingung, Delivery Heros Tochtergesellschaft Delivery Hero Korea in Südkorea zu veräußern. Wir wünschen Delivery Hero Korea das Beste für die Zukunft und werden hart arbeiten, um sicherzustellen, dass dieser Übergang für alle betroffenen Mitarbeiter so reibungslos wie möglich verläuft.“

Wie es weitergehen wird

Wie geplant wird Delivery Hero jetzt ein Joint Venture in Singapur gründen, dass die Geschäfte von Delivery Hero in Asien (über die Marke foodpanda in Bangladesch, Kambodscha, Hongkong, Japan, Laos, Malaysia, Myanmar, Pakistan, Philippinen, Singapur, Taiwan und Thailand) und von Woowas regionalen Einheiten (in Korea, Vietnam und Japan) führen wird.

Der Gründer und CEO von Woowa, Bongjin Kim, wird zum Vorstandsvorsitzenden und Geschäftsführer dieses Joint Ventures ernannt werden. Jakob Angele, derzeitiger CEO von foodpanda Asia, und Sean Oh, derzeitiger CFO/CSO von Woowa, werden beide zu Co-CEOs des Joint Ventures ernannt.

Die endgültige schriftliche Zustimmung und das Closing der Übernahme werden für das erste Quartal 2021 erwartet.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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