Delivery Hero verbrennt weiterhin massiv Geld

Delivery Hero berichtet gute Quartalszahlen. Fundamental ist die Aktie teuer, aber Übernahmege-rüchte könnten für Unterstützung sorgen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Heute Morgen hat Delivery Hero die Eckdaten für das erste Quartal 2018 veröffentlicht. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Online-Marktplätze für Online-Essensbestellungen; zudem betreibt das Unternehmen eigene Lieferservices, die die Bestellungen in mehr als 60 dichtbesiedelten Stadtgebieten ausliefern.

Deutlich zweistelliges Unternehmenswachstum

Im ersten Quartal stiegen die Bestellungen stiegen um 48 % auf 89 Millionen an. Erstmals wurde damit die Marke von einer Million Bestellungen pro Tag überschritten, die die mit Delivery Hero angeschlossenen Fahrradkuriere ausliefern durften.

Deutlich langsamer als die Bestellungen entwickelte sich jedoch der sogenannte GMV, der Gross Merchandise Value, also der Bruttowarenwert aller Bestellungen. Bei diesem für Delivery Hero besonders wichtigen Performance-Indikator lag der Anstieg im ersten Quartal nur bei 38 %. Insgesamt wurden damit über die Online-Plattform Bestellungen in Höhe von 1.150 Millionen Euro aufgegeben. Belastet wurde die Umsatzentwicklung dabei von einer negativen Entwicklung der Wechselkurse, denn der Essensauslieferer ist mit seinen Diensten inzwischen in über 40 Ländern auf allen Kontinenten vertreten und wird somit von der anhaltenden Euro-Stärke benachteiligt.

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Anhaltende Übernahmegerüchte

Neben dem hohen organischen Wachstum ist Delivery Hero auch einer der Konsolidierungstreiber der Branche. Seit Jahresbeginn wurden Wettbewerber in Südamerika, Griechenland und Ungarn übernommen. Doch auch Delivery Hero selbst könnte das Ziel von Übernahme- oder Fusionsaktivitäten werden. So schließen Branchen-Insider einen Zusammenschluss mit dem niederländischen Konkurrenten Takeaway.com nicht aus, und auch der Vorstand von Delivery Hero scheint diesem Zusammenschluss nicht abgeneigt zu sein.

Allerdings muss die immer noch schwache Ertragslage berücksichtigt werden. So musste der Essensauslieferer im vergangene Geschäftsjahr bei Umsätzen von 544 Millionen Euro einen Jahresfehlbetrag von beachtlichen 345 Millionen Euro hinnehmen. Für das laufende Gesamtjahr rechnet der Vorstand mit Umsatzerlösen zwischen 740 und 770 Millionen Euro, bei einem bereinigten EBITDA zwischen 37 und 62 Millionen Euro. Wie hoch der unbereinigte Verlust letztlich ausfallen wird, bleibt das Unternehmen derzeit noch schuldig, doch im Zweifel wird er deutlich höher ausfallen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.