Delivery Hero: Warum der Lieferdienst noch vor der Sommerpause an die Börse will

Delivery Hero, ein Lieferdienst und eine Tochter-Gesellschaft von Rocket Internet, will noch vor der Sommerpause an die Börse. Hier mehr dazu: (Foto: 360b / Shutterstock.com)

Was lange währt, wird endlich gut:

Schon seit Monaten scharren die Anleger von Rocket Internet mit den Hufen und sehnen den Börsengang der Tochter-Gesellschaft Delivery Hero herbei.

Jetzt könnte der Sprung aufs Parkett kurz bevorstehen. Das berichten zumindest einige Insider. Demnach könnte das IPO noch vor der Sommerpause über die Bühne gehen.

Letzte Bewertung lag bei 3,5 Mrd. €

Genaue Details zu dem Börsengang sind allerdings noch nicht durchgesickert. Die letzte öffe-ntliche Bewertung wurde Anfang Mai bekanntgegeben.

Damals investierte der südafrikanische Medien-Konzern Naspers 387 Mio. € in den Konzern – die Bewertung des Lieferdienstes lag bei etwa 3,5 Mrd. €.

Lieferdienst im Wachstums-Modus

Delivery Hero wurde 2011 in Berlin gegründet und beschäftigt heute mehr als 5.000 Mitarbeiter in etwa 40 Ländern.

Vergangenes Jahr setzte die Lieferdienst-Plattform 300 Mio. € um. Auch im 1. Quartal hielt das hohe Wachstums-Tempo an.

Mit der Plattform für Essens-Lieferungen, inklusive der Tochterfirma Lieferheld, Foodora und Pizza.de setzte das Unternehmen 121 Mio. € um.

Das ist fast doppelt so viel (+93%) wie im vergleichbaren Vorjahres-Zeitraum.

Dazu haben alle Regionen beigetragen, besonders stark waren die Steigerungen aber in Asien (+22%) und Amerika (+13%).

Gewinne: Fehlanzeige

Trotz des starken Zuwachses schreibt Delivery Hero weiterhin Verluste.

Zwar wickelte der Konzern im 1. Quartal 63 Mio. Bestellungen ab (+62%), aber der harte Wettbewerb fordert seinen Tribut.

Denn Rivalen wie Takeaway (Lieferando) und Deliveroo geben ebenso mächtig Gas und versuchen sich ein großes Stück des Kuchens zu sichern.

Genaue Zahlen zu den Verlusten hat das Unternehmen leider nicht veröffentlicht.

Gemäß Insidern dürfte aber alleine die Tochter Foodora zwischen 5 – 6 Mio. € Verlust erwirtschaftet haben.

Für Sie zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2015 verbrannte der Konzern insgesamt 253 Mio. €.

Bewährungs-Probe für Rocket Internet

Dabei ist der erfolgreiche Börsengang nicht nur für die weitere Expansion des Liefer-Spezialisten absolut notwendig.

Auch für den Großaktionär Rocket Internet (33% aller Anteile) muss der Sprung auf das Parkett gelingen.

Denn die Start-Up-Schmiede aus Berlin muss endlich zeigen, dass sie Geschäftsmodelle erfolgreich aus der Gründungs-Phase auch an den Kapitalmarkt bringen kann.

Die Aktionäre feiern vorab und schieben den Kurs der Rocket Internet Papiere schon kräftig an.

Da scheint es die Anleger offenbar wenig zu stören, dass die Unternehmens-Bewertung mit unter 4 Mrd. € deutlich unter den ursprünglichen Experten-Schätzungen zurückbleiben könnte.

Diese hielten im vergangenen Jahr noch eine Bewertung von bis zu 6,5 Mrd. Dollar für möglich.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.