Delticom-Aktie: Europas führender Online-Reifenhändler muss kräftig Gummi lassen

Eine Strategie, um an der Börse Geld zu verdienen, kann das Wetten auf die Rückkehr von sogenannten „Fallen Angels“ sein.

Dabei handelt es sich um Aktien, die einmal auf Grund ihrer Beliebtheit zu deutlich höheren Kursen gehandelt haben und mittlerweile im Niemandsland schlummern.

So verhält es sich auch bei der Aktie des führenden Online-Reifenhändlers Delticom.

Ob sich ein Investment allerdings lohnt, hängt stark von der Analyse der Geschäfts-Entwicklung und den Zukunfts-Perspektiven ab.

Aber zumindest rückt die Aktie auf Grund des extremen Kursverfalls von über 80 € auf nunmehr 17 € (-78%) innerhalb der zurückliegenden 5 Jahre in den Fokus.

Mit dieser schwachen Entwicklung liegen die Papiere nämlich meilenweit hinter dem TECDAX-Index, der im gleichen Zeitraum um 150% an Wert zugelegt hat.

Was sind die Gründe für den Kursverfall? Wie steht es um die langfristigen Perspektiven? Was sagen die Analysten zur Aktie?

Europas führender Reifenhändler im Internet

Vielleicht kennen Sie die Delticom-Aktie noch nicht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie in einem der rund 200 Online-Shops in 45 europäischen Ländern schon einmal einen Reifen gekauft haben, ist aber vergleichsweise hoch.

Die Produkt-Palette umfasst mehr als 100 Marken und über 25.000 Reifenmodelle für PKW, Motorräder, LKW und Busse.

Darüber hinaus bietet das Unternehmen Kompletträder, Ersatzteile, Motoröl sowie Zubehör an.

Ein Netzwerk von mehr 40.000 Service-Partnern rundet das Angebot des Konzerns ab.

Platzhirsch mit langjähriger Erfahrung

Delticom ist seit mehr als 15 Jahren als Reifenhändler im Internet aktiv und verfügt damit über eine langjährige Erfahrung.

Eine eigene, effiziente Lager-Logistik stellt einen weiteren Wettbewerbs-Vorteil dar.

Das Online-Reifenhandels-Geschäft ist mit einem niedrigen Kapitalbedarf zu betreiben. Entsprechend niedrig sind die Markteintritts-Barrieren für potenzielle Wettbewerber.

Hierin liegt zugleich eine Schwäche des Geschäftsmodells:

Zwar verzeichnet Delticom eine seit Jahren wachsende Kundenbasis sowie einen weiter starken Neukunden-Zuwachs. Aber die Online-Kunden sind v. a. eines: sehr preissensibel.

Angesichts verhaltener Nachfrage seitens der Endkunden und rückläufiger Reifenpreise stehen die Bruttomargen weiterhin stark unter Druck.

Ein Blick in die Bilanzen zeigt Ihnen, wie eklatant die Entwicklung seit geraumer Zeit verläuft:

Seit 2011 bröckelt die Gewinnmarge ab. Von dem Rekordwert von 7,78% ist Delticom mittlerweile meilenweit entfernt.

Im Jahr 2014 und 2015 schrammte der Online-Händler mit 0,58% und 0,60% Marge geradeso an der Verlust-Grenze vorbei.

Zahlen unter den Erwartungen

Auch im vergangenen Jahr konnte der Konzern seine eigenen Erwartungen nicht erreichen:

Mit einem Jahres-Umsatz von 606,4 Mio. € (+8,4%) wurden die internen Planungen von 620 – 630 Mio. € deutlich verfehlt.

Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sah es nicht viel besser aus:

Erreicht wurde mit 15,1 Mio. € zwar mehr als im Vorjahr (14,3 Mio. €), aber eben auch 5,6% weniger als geplant (16 Mio. € avisiert).

Insbesondere die anhaltend hohen Temperaturen im September haben die Nachfrage nach Winterreifen gebremst:

Trotz des Nachhol-Effekts im November sank auf Jahressicht der Absatz von Winterreifen um 2,7%.

Unterm Strich blieb im Geschäftsjahr 2016 ein Gewinn gerade einmal von 4,5 Mio. € (Vorjahr: 3,4 Mio. €) bzw. ein Ergebnis je Aktie von 0,36 € übrig.

Einstieg in den eFood-Bereich

Den anhaltend schwierigen Marktbedingungen versuchte Delticom mit dem Einstieg bei Gourmondo (Internet-Anbieter für Gourmet- und Bio-Lebensmittel) sowie dem Kauf des französischen Gebrauchtwagen-Händlers AutoPink zu begegnen.

Die Idee hinter Gourmondo ist klar: Bislang werden in Deutschland weniger als 1% der Lebensmittel-Käufe online getätigt – dies könnte sich ändern…

Dass Delticom mit Gourmondo allerdings dem jetzigen Firmenchef seine Firma abgekauft hatte, dürfte nicht unbedingt zur Freude der Anleger beigetragen haben.

Ohnehin ist fraglich, ob die kleine Firma gegen Online-Riesen wie Amazon oder REWE in diesem Bereich überhaupt eine Chance hat.

Weitere Zuwächse geplant

Unterdessen zeigt sich der Online-Händler optimistisch und plant einen Umsatz-Anstieg von mehr als 7% im laufenden Geschäftsjahr.

Die EBITDA-Marge soll auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres gehalten werden.

Die Analysten zeigen sich im Moment zuversichtlich und erwarten eine deutliche Gewinnsteigerung auf 0,65 € in 2017 und 0,93 € je Aktie in 2018.

Woher diese deutliche Effizienz-Verbesserung kommen soll, ist nicht ganz klar.

So verwundert es auch nicht, dass das durchschnittliche Kursziel mit 14,50 € deutlich unter dem aktuellen Kurs von 17 € liegt.

Auf Delticom als „Fallen Angel“ zu setzen, ist eindeutig eine Spekulation auf den operativen Turnaround, der bislang noch nicht in Sicht ist.

28. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rene König. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt