Dem Markt voraus – Von legalen Insidergeschäften profitieren

„Niemand kennt das eigene Unternehmen besser als das eigene Management.“

Deshalb hören Investoren bei Unternehmenspräsentationen schon genau hin, wenn Vorstände Aussagen zur künftigen Entwicklung ihres Unternehmens treffen.

Aber nur genau hinhören reicht nicht immer aus. Investoren sollten auch genau hinsehen, wenn Vorstände indirekte Signale über die weitere Zukunft des Unternehmens geben.

Seit mittlerweile über 8 Jahren bekommen Anleger bei börsennotierten Unternehmen indirekte Signale von der Managementseite, wie es um die Zukunft und die aktuelle Bewertung des eigenen Unternehmens stehen könnte.

Denn seit Juli 2002 unterliegen die Mitglieder von Vorstand und Aufsichtsrat börsennotierter Aktiengesellschaften sowie nahestehende Personen in Deutschland einer Melde- und Publizitätspflicht, wenn sie Geschäfte mit Wertpapieren der eigenen Gesellschaft tätigen.

Von diesen gemeldeten legalen Insidergeschäften, den Directors Dealings, können Anleger profitieren. Denn das Anfangszitat lässt sich mit Blick auf die Börse wie folgt erweitern: „Niemand kennt den wahren Wert des eigenen Unternehmens besser als das eigene Management“.

Lange Erfahrung in den USA mit der Auswertung von Insiderdaten

Bereits seit 1934 ist in den USA der Handel auf Basis von Insiderinformationen im Securites Exchange Act geregelt. Der berühmte Börsencrash von 1929 lieferte dabei die Grundlage für die gesetzliche Eindämmung der Ausnutzung von Informationsvorsprüngen, mit dem Ziel, das Vertrauen am Kapitalmarkt wiederherzustellen.

Die US-amerikanische Gesetzesfassung geht dabei sehr restriktiv vor und baut auf 3 Säulen auf:

  • Verbot der Ausnutzung privater Informationen, verbunden mit der Pflicht zur Bekanntgabe nichtöffentlicher Informationen
  • Pflicht zur Abführung von Spekulationsgewinnen, wenn diese vom Insider innerhalb einer Frist von 6 Monaten realisiert werden
  • Verpflichtung zur Bekanntgabe der Identität der Insider im Rahmen umfangreicher Publizitätspflichten

Aufgrund dieser langjährigen Datenverfügbarkeit sowie der derzeit jährlich ca. 250.000 „Directors Dealings´“-Meldungen liegt den Studien ein umfangreiches Datenmaterial zur Auswertung vor.

Finanzexperten hatten somit Gelegenheit, sich über 4 Jahrzehnte mit diesem Phänomen zu beschäftigen, und damit in verschiedenen Studien belegt, dass Investmentstrategien, die auf Insidergeschäften aufbauen, erfolgversprechend sind.

In der wohl größten empirischen Untersuchung von Seyhun, der den Markt seit 1975 regelmäßig beobachtet, wurde eine durchschnittlich abnormale Rendite von 4,5 % über einen Zeitraum von 12 Monaten nachgewiesen.

Unternehmen mit kleinerer Marktkapitalisierung schnitten dabei im Schnitt besser ab. Mit der Abbildung dieser Unternehmenstransaktionen hätten die Investoren eine Überrendite von 6,2 % erzielen können.

In einer weiteren umfangreichen Untersuchung bestätigten die US-Wissenschaftler Lakonishok und Lee Insiderkäufen eine gegenüber dem Gesamtmarkt bessere Rendite von 7,8 %.

Selbst bei langen Zeiträumen über 20 Jahre, die damit auch Abschwungphasen enthielten, konnten Überrenditen nachgewiesen werden.

Zudem fällt bei Langzeitbetrachtungen auf, dass Unternehmensinsider fast alle Trendwenden an den Börsen frühzeitig erkannten.

28. Dezember 2011

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Von: Cosmin Filker. Über den Autor

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.

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