Demographie-Trend – Was steckt dahinter?

Demographie läuft wie ein Uhrwerk. Wir wissen genau, wie viele Menschen heute leben, welches Geschlecht sie haben, wie alt sie sind und wie viele Kinder sie haben, somit sind alle Prognosen ziemlich sicher.

Demographie ist ein Trend, den die großen Fondsgesellschaften gerne in Themenfonds packen. Grund genug, sich die vorherrschenden Entwicklungen genauer anzuschauen.

Der Demographiefaktor wirkt sich auf den verschiedenen Märkten sehr unterschiedlich aus. Den „einen“ Trend gibt es nicht. So existieren Unterschiede zwischen den „alten“ Industrie- und den „jungen“ Schwellenländern, aber innerhalb der Schwellenländer gibt es inzwischen erhebliche Unterschiede.

Demographie in den „alten“ Ländern läuft parallel

So stehen die „alten“ Industrieländer in Europa für moderates Wachstum und zunehmende Alterung ihrer Bevölkerung. In diesen Ländern dürfte die Gesundheitsbranche zu den Gewinnern dieses Trends zählen, das gilt aber auch für manche Schwellenländer.

Zum einen ermöglicht der wachsende Wohlstand in aufstrebenden Ländern eine bessere medizinische Versorgung, zum anderen erhöht die zunehmende Alterung in den Gesellschaften beispielsweise Deutschlands, Japans oder Italiens natürlich auch den Bedarf.

Dieser Wandel erhöht nicht nur die Nachfrage nach Medizin und Medizintechnik sondern auch nach betreutem Wohnen und anderen Dienstleistungen. Überhaupt werden sich die Konsumgewohnheiten mit einer weiter verändernden Altersstruktur deutlich verschieben.

So stehen die Sektoren Verkehr, Wohnen, Gesundheitswesen und Unterhaltung hier als Gewinner des Trends dar. So landen wir vom Trend wieder bei den Branchen. Für Anleger gilt: Weniger auf Themenfonds setzen (denken Sie an die Gebühren und die enge Auswahl der Aktien), sondern sich genauer mit einzelnen Unternehmen beschäftigen.

Das gilt vor allem, wenn Sie sich mit den BRIC-Ländern beschäftigen, die immer wieder als Trend genannt werden.

Gravierende Unterschiede in den Schwellenländern

In den BRIC-Ländern (Brasilien, Russland, Indien, China) gilt, ihre demographischen Perspektiven unterscheiden sich deutlich voneinander. So sind Brasilien und Indien demografisch in einer völlig anderen Position als China und Russland.

Nur in Indien wirkt sich die Demographie noch positiv  auf das Pro-Kopf-Wachstum aus. Indien befindet sich im Modell des so genannten „demographischen Übergangs“ am Anfang von Phase 3: die Geburtenrate und das Bevölkerungswachstum sinken. Brasilien und China sind bereits in Phase 4 angekommen.

Die Sterbe- aber auch die Geburtenrate sind niedrig, also ist das Bevölkerungswachstum gering und unterliegt kaum noch Schwankungen. Russland hat bereits Phase 5 erreicht, die Geburtenrate liegt unter dem Reproduktionsniveau und die Bevölkerung nimmt ab.

Übrigens:

In Phase 1 existieren hohe, kaum voneinander abweichende Geburten- und Sterberaten und die Sterberate kann größere Schwankungen aufweisen und zeitweilig (durch Krankheiten, Seuchen, Hungersnöte, Kriege) die Geburtenrate übertreffen, die Bevölkerung wächst nur gering.

In Phase 2 bleibt die Geburtenrate bleibt konstant hoch, kann sogar aufgrund des verbesserten Gesundheitszustandes der Frauen leicht ansteigen, die Sterberate sinkt langsam ab und nur in dieser Phase erreicht das  Bevölkerungswachstum seinen höchsten Stand.

Besonders interessant ist für uns Phase 3 (Indien), hier öffnet sich das so genannte „demographische Fenster“, das bedeutet, dass der Großteil der Bevölkerung im Alter von ca. 15-65 ist, also im arbeitsfähigen Alter.

Dieser Anteil ist größer als der Jugendsockel (Bevölkerung im Alter von ca. 0-15) und der Rentensockel (Bevölkerung im Alter ab ca. 65). Somit gibt es mehr Menschen, die etwas erwirtschaften, als Menschen, die versorgt werden müssen.

Als Folge erlebt das Land meist einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das demografische Fenster schließt sich in Brasilien wahrscheinlich erst 2020 oder 2025, in Russland oder China ist bereits jetzt geschlossen.

Hohes Wachstum in Indien

Aus den unterschiedlichen Positionen der Länder ergeben sich entsprechend die Unterschiede zur prognostizierten Entwicklung der Erwerbsbevölkerung. Das ist für den Demographen die ökonomisch relevante Zahl. In Indien wird die Erwerbsbevölkerung im Verlauf der kommenden 20 Jahre noch zunehmen, um 240 Mio. Menschen.

In Brasilien werden es nur 20 Mio. sein. In Russland ist eine sinkendes Erwerbsbevölkerung zu erwarten, um fast 20 Mio. In China geht es noch aufwärts, aber schneller als in Indien wird sich der Trend umkehren. Man geht davon aus, dass 2015 der Höchststand erreicht sein wird, dann schrumpft die Zahl der erwerbstätigen Chinesen wieder.

Schauen wir noch weiter in die Zukunft und es passiert nichts dramatisches, dann könnte 2030 Indien China sogar als bevölkerungsreichstes Land der Erde abgelöst haben.

Neben der Demographie sind noch andere Faktoren wichtig, wenn wir die Entwicklung der vier Länder betrachten. Wie hoch ist der „Kapitalstock“ in den Ländern?

Oder anders ausgedrückt, wie sehr ist es den einzelnen Ländern bereits gelungen, eine leistungsfähige eigene Industrie aufzubauen? Wie hoch ist die Sparquote der Bevölkerung, so dass die Länder in der Lage auch in der Finanzierung von Investitionen unabhängiger von den Weltfinanzmärkten zu werden.

Dies alles zeigt, „den“ Trend Demographie gibt es nicht und von einer parallelen Entwicklung in den Schwellenländern kann schon gar nicht die Rede sein!

30. März 2010

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Susanne Schmitt
Von: Susanne Schmitt.

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