Depot-Absicherung: Lösung in unruhigen Börsenzeiten

Der DAX hat innerhalb weniger Tage rund 1.000 Punkte verloren. Wie Sie Ihr Depot absichern können. (Foto: Deutsche Börse AG)

Der Abwärtstrend an den Börsen hält auch zu Beginn der neuen Handelswoche an. Die Kryptowährung Bitcoin verliert heute erneut zweistellig und ist zeitweise unter die Marke von 7.000 US-Dollar gerutscht. Zur Erinnerung: Im Dezember führte der steile Kursanstieg den Bitcoin auf fast 20.000 US-Dollar.

Auch am Aktienmarkt setzte sich der Abwärtstrend fort – allerdings deutlich langsamer. Aber auch der deutsche Leitindex DAX hat bereits fast 1.000 Punkte seit dem Allzeithoch im Januar verloren. Das entspricht einem Gesamtminus von gut 7%.

In solchen Marktphasen erreichen mich immer wieder Anfragen, wie man ein Depot an der Börse absichern kann. Daher heute hier im „Schlussgong“ noch einmal die Absicherungsformel.

Die einfache Formel für Ihre Depot-Sicherheit

Die gute Nachricht: Wenn Sie einen einfachen und wirksamen Schutz für Ihr Aktien-Depot wünschen, können Sie die „Depot-Versicherung“ innerhalb von 30 Minuten kalkulieren und die entsprechende Order Ihrer Bank mitteilen. Die Depot-Absicherung ist sehr einfach. Als Basis reicht eine kleine Formel.

Ein Beispiel: Sie besitzen für 20.000 Euro Index-Fonds auf den DAX (oder Einzelwerte aus dem DAX). Der DAX notiert am entsprechenden Stichtag bei 10.000 Punkten. Sie suchen dann einfach über eine Börsenseite im Internet wie etwa onvista.de, finanzen.net oder boerse.de einen Put-Optionsschein auf den DAX mit dem Basispreis 10.000 und einer Laufzeit von 12 Monaten. Ein Put-Optionsschein mit dem Basispreis 10.000 erlaubt Ihnen, den DAX am Tag der Fälligkeit für 10.000 Punkte zu verkaufen (auch wenn der Index dann nur noch bei 5.000 Punkten notieren sollte).

Die Anzahl der erforderlichen Put-Optionsscheine können Sie rechnerisch ermitteln:

Ergebnis: Wenn Sie 200 dieser Put-Optionsscheine kaufen, haben Sie eine Art Depot-Versicherung abgeschlossen.

Wirksamkeit der Depot-Versicherung

Angenommen, ein Jahr nach dem Kauf der Put-Optionsscheine notiert der DAX nur noch bei 5.000 Punkten (-50%). Ihre DAX-Indexfonds wären dann nur noch 10.000 Euro wert (20.000 Euro – 50%). Gleichzeitig wäre der Wert der Put-Optionsscheine sprunghaft gestiegen. Wie beschrieben, verbrieft der ausgewählte Put-Optionsschein das Recht, dass Sie den DAX für 10.000 Punkte verkaufen dürfen. Da der DAX nur noch bei 5.000 Punkten notiert, würden Sie die Differenz zwischen 10.000 und 5.000 Punkten (multipliziert mit dem Bezugsverhältnis des Optionsscheins) kassieren.

Die Rechnung lautet: 5.000 x 0,01 = 50 Euro je Put-Optionsschein.

Da Sie 200 Put-Optionsscheine gekauft haben, würde Ihr Wertpapier-Depot wie folgt aussehen:

  • Position 1: Die Indexfonds auf den DAX sind noch 10.000 Euro wert
  • Position 2: Die 200 Put-Optionsscheine sind 10.000 Euro wert (200 x 50 Euro)

Ihr Gesamt-Depot läge damit bei 20.000 Euro.

Fazit: Während der DAX in diesem Beispiel innerhalb von 12 Monaten um 50 Prozent eingebrochen ist, hätte sich Ihr Depot-Wert nicht verändert. Sie besäßen noch immer Wertpapiere im Wert von 20.000 Euro. Praxis-Test bestanden.

Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen: 5 bis 12% pro Jahr

Sie kennen das von Ihren normalen Versicherungen: Einen Versicherungsschutz bekommen Sie niemals gratis. Für die Sicherheit müssen Sie zahlen. Was kostet eine solche Depot-Versicherung? Eine exakte Zahl kann ich Ihnen nicht nennen. Das hängt zum Beispiel davon ab, mit welchen Instrumenten Sie Ihr Depot schützen und wie stark die Märkte zum Zeitpunkt des Kaufs der Put-Optionsscheine schwanken. Als Faustformel gilt: Je höher die Schwankungen, desto teurer wird die Absicherung.

Da ich einen echten Optionsschein ausgewählt habe, können wir die genauen Kosten berechnen, die angefallen wären. Nehmen wir an, der DAX ist nach dem Kauf der Optionsscheine nicht gefallen, sondern gestiegen. In diesem Fall würden die Put-Optionsscheine am Ende der Laufzeit wertlos ausgebucht, da der Indexstand über 10.000 lag.

Die Rechnung lautet dann: 200 Put-Optionsscheine zu je 6,16 Euro (Kosten des Optionsscheins) = 1.232 Euro.

Diese Investition, eine Art „Versicherungsprämie“, wäre dann wertlos verfallen. Bei einem Depot-Stand von 20.000 Euro und Versicherungskosten von 1.232 Euro läge die Kostenbelastung bei 6,16 Prozent. Diese Größenordnung passt zu meinen Erfahrungen. In sehr ruhigen Marktphasen können Sie Put-Optionsscheine günstiger einkaufen (aufgrund der niedrigen Volatilität), in ganz heißen Börsenphasen wird es teurer. Insgesamt müssen Sie bei dieser Absicherungsstrategie mit Kosten von etwa 5 bis 12 Prozent pro Jahr rechnen. Im Gegenzug haben Sie einen wirksamen Depot-Schutz aufgebaut und können auch in Krisenzeiten nachts ruhiger schlafen.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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