Depot-Absicherung: Stop-Loss-Marken oft kein guter Schutz

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Erfahren Sie jetzt, warum Absicherungsstrategien für Privatanleger in der Regel wenig sinnvoll und zu teuer sind und was Sie stattdessen machen sollten. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Gestern habe ich Ihnen an dieser Stelle geschrieben, wie Sie Ihr Aktien-Depot mit Put-Optionsscheinen absichern können und welche Kosten Sie dabei zu erwarten haben. Nachdem Sie den „Schlussgong“ gestern Abend erhalten haben, ging es an den US-Börsen deutlich weiter nach unten.

Um genau zu sein, verbuchte der Dow Jones gestern punktemäßig den größten Tagesverlust seiner Geschichte. Auch prozentual betrachtet war der Tagesverlust beachtlich. Es kam immerhin das größte Tagesminus seit August 2011 zustande.

Bereits in den Tagen zuvor befanden sich die Börsen im Korrekturmodus. Doch warum korrigieren die Börsen und warum kam gestern ein derart großes Tagesminus zustande? Für den heftigen Verlust am gestrigen Tag gibt es verschiedene Erklärungsansätze.

Die beiden Haupterklärungen, die heute zu lesen waren, sind erstens die zuletzt gestiegenenAnleiherenditen und zweitens die Angst vor einer zusätzlichen (bislang so nicht eingeplanten) Zinserhöhung in diesem Jahr durch die US-Notenbank Fed.

Ich halte beide Erklärungen nicht für besonders schlüssig. Denn die zuletzt moderat gestiegenen Anleiherenditen werden nicht dazu führen, dass Umschichtungen im großen Stil raus aus Aktien und rein in Anleihen stattfinden werden. Auch sehe ich kaum Spielraum für die Fed für eine radikale Zinserhöhung – dafür sind die Staatsschulden schlicht und einfach zu hoch. Aktien sind daher 2018 noch immer die mit Abstand attraktivste Anlageklasse.

Was war also der tatsächliche Grund für den gestrigen Kurssturz? Aus meiner Sicht waren die Computersysteme der Banken in Kombination mit Stop-Loss-Marken dafür verantwortlich. Den Anfang machten die Computersysteme und der Absturz verstärkte sich dann durch im Markt liegende Stop-Loss-Marken. Aufgrund der langen Aufschwungphase am Aktienmarkt hatten sich viele Investoren mit diesen Stop-Loss-Marken abgesichert. Das sind aber alles Verkaufs-Aufträge, die plötzlich ohne Limit aktiviert werden können. Genau das ist gestern passiert. Daher die heftige Reaktion.

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Fundamentale Gründe für den Absturz sehe ich nicht. Daher gibt es aus meiner Sicht für Aktionäre auch keinen Grund zur Sorge! Das Kursgewitter wird sich bald auflösen.

Stop-Loss-Marken als Absicherungsstrategie

Nachdem wir uns gestern der Absicherung mittels Put-Optionsscheinen gewidmet haben, möchte ich Ihnen heute erklären, wie es nach meiner Einschätzung mit einer Absicherung durch Stop-Loss-Marken aussieht.

Viele (Privat-)Anleger betrachten Stop-Loss-Marken als Allheilmittel. Geht es an den Börsen abwärts, schützen mich Stop-Loss-Marken vor Verlusten – so die Theorie. In der Praxis läuft es jedoch oft ganz anders. Stop-Loss-Marken sind tatsächlich viel häufiger ein Erfolgsverhinderer als ein Verlustbegrenzer.

Warum? Ganz einfach: Sie setzen eine Stop-Loss-Marke beispielsweise bei 80 Euro. Der Kurs liegt aktuell bei 82 Euro. Es kommt – wie gestern erlebt – zu einer heftigen Korrektur und der nächste nachgefragte Kurs liegt bei 70 Euro. Dann verkaufen Sie Ihre Aktie nicht für 80 Euro (Stop-Loss-Marke), sondern für 70 Euro – ob Sie wollen oder nicht!

Steigt der Kurs danach wieder auf 82 Euro, sind Ihnen bereits Gewinne in Höhe von gut 17% entgangen. Dieses Phänomen ist besonders häufig bei weniger liquiden Nebenwerten zu beobachten, kommt teilweise aber auch – in abgeschwächter Form – bei Blue Chips (also bei Aktien größerer Konzerne) vor. Sie sehen also: Feste Stop-Loss-Marken sind insbesondere bei Nebenwerten wenig sinnvoll.

Fazit: Eine Absicherung durch Stop-Loss-Marken ist in hektischen Börsenphasen in den meisten Fällen nicht zielführend. Was also tun? Wenn Sie genügend Zeit mitbringen und substanz- und dividendenstarke Aktien im Depot haben, können Sie Korrekturphasen einfach aussitzen. Wird Ihre persönliche „Schmerzgrenze“ erreicht, sollten Sie prüfen, ob das Unternehmen tatsächlich Probleme hat (dann verkaufen), oder ob nur der Gesamtmarkt kurzfristig schwächelt (dann halten oder sogar nachkaufen).


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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