Der 1. Schritt: VW erzielt Einigung in den USA

Der deutsche Leitindex DAX konnte heute die Erholung fortsetzen und die Marke von 9.600 Punkten zurückerobern.

Immer mehr Anleger erkennen, dass die Panik-Verkäufe am vergangenen Freitag übertrieben waren. Viele Unternehmen werden von der Brexit-Entscheidung erst in einigen Jahren betroffen sein.

Zu den Unternehmen, die ganz andere Probleme als den drohenden Brexit haben, gehört VW. Aber auch der deutsche Autobauer kann Schritt für Schritt offene Baustellen abarbeiten.

Der VW-Konzern, der im vergangenen Jahr durch den Abgas-Skandal schwer belastet wurde, erzielte in dieser Woche eine Einigung mit den Behörden in den USA.

Diese muss zwar noch von einem Richter gebilligt werden, doch das sollte im Prinzip reine Formsache sein. Rund 15 Mrd. US-Dollar soll VW gemäß der Einigung an Entschädigungen und Strafen zahlen.

Zwar wird die Aufarbeitung des Abgas-Skandals in den USA für VW damit teurer als ursprünglich erwartet, doch die gute Nachricht ist, dass eine Einigung erzielt wurde und damit belastbare Zahlen vorliegen.

Zuvor gab es zum Teil absurde Spekulationen über die Höhe der Strafen für VW in den USA (3-stellige Milliarden-Beträge).

VW zahlt die Kosten des Abgas-Skandals in den USA aus der Kasse

Da VW zuvor Rückstellungen in Höhe von 16,4 Mrd. € gebildet hatte, kann der Betrag von rund 15 Mrd. US-Dollar aus diesen Rückstellungen geleistet werden.

Zwar werden weitere Belastungen auf VW zukommen, doch auch diese wird VW aller Voraussicht nach bewerkstelligen können, ohne wichtige Teile des Unternehmens verkaufen zu müssen.

Und selbst dann, wenn VW doch Teile des Unternehmens verkaufen müsste, könnten allein durch den Verkauf der börsennotierten Beteiligungen von VW (wie z. B. Audi, Porsche, MAN oder Renk) bis zu 100 Mrd. € zusammenkommen.

Seitens der meisten Analysten heißt es, dass VW aber erst ab einem Gesamtschaden von 50 Mrd. € das Tafelsilber des Konzerns veräußern müsse. Und dass es zu einem Gesamtschaden in dieser Größenordnung kommt, ist aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich.

VW-Aufsichtsrats-Chef Pötsch zeigt sich zuversichtlich

„Wir sind fest davon überzeugt, dass der Volkswagen-Konzern über ein langfristiges Wertsteigerungs-Potenzial verfügt“, sagte der Vorstands- und Finanzchef der von den Familien Porsche und Piech kontrollierten Holding, Hans Dieter Pötsch, auf der Hauptversammlung am heutigen Mittwoch in Stuttgart.

„Bei allen Schwierigkeiten, mit denen der Volkswagen-Konzern derzeit in Folge der Diesel-Thematik konfrontiert ist, sollten wir uns immer wieder vor Augen führen, dass dessen Kerngeschäft gesund und robust ist“, ergänzte Pötsch, der auch Aufsichtsrats-Vorsitzender bei VW ist.

Der mit gut 52% an Volkswagen beteiligte Großaktionär Porsche rechnet nach dem Milliarden-Verlust bei VW im vergangenen Jahr in Folge des Abgas-Skandals für 2016 wieder mit einem Gewinn.

Zahlen und Fakten sprechen eine andere Sprache als die meisten Medien

Auch ich bin der Überzeugung, dass VW vor einer besseren Zukunft steht und dass die finanziellen Folgen des Abgas-Skandals zum einen überschaubar bleiben und zum anderen ohne den Verkauf von strategisch wichtigen Konzern-Teilen getragen werden können.

Es bleibt das in den Augen vieler Medien ramponierte Image von VW. Fakt ist aber, dass VW in der Vergangenheit mehrheitlich gute Autos gebaut hat und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft gute Autos bauen wird.

Zwar ist durch die Manipulation der Abgas-Werte bei einigen Kunden oder potenziellen Kunden das Vertrauen in die Marke VW zurückgegangen.

Doch das, was viele Medien daraus machen, ist schlicht und einfach Sensations-Journalismus und geht völlig an der Realität vorbei. Denn bis heute musste VW in Europa keinen dramatischen Einbruch bei den Absatz-zahlen verzeichnen.

Daher können Anleger, die sich von Risiken nicht abschrecken lassen, auf dem aktuell niedrigen Niveau einen Blick auf die VW-Aktie werfen.

Ein Einstieg in mehreren Etappen könnte eine interessante Strategie sein. Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie regelmäßig hier im „Schlussgong“.

29. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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