Der Absturz eines Börsenlieblings

Lange Zeit kannte die Aktie von LinkedIn nur eine Richtung: steil aufwärts. Doch die Prognose, die das weltweit führende Online-Businessnetzwerk Ende vergangener Woche vorlegte, schmeckte den erfolgsverwöhnten Anlegern überhaupt nicht. Die LinkedIn-Aktie brach dramatisch ein.

Kurzportrait

Ähnlich wie der deutsche Konkurrent Xing bietet LinkedIn ein Online-Netzwerk zur Knüpfung von Geschäftskontakten an. Das US-Unternehmen ist mit 414 Mio. Nutzern in mehr als 200 Ländern unangefochtener Marktführer.

Nach seiner Gründung 2003 legte LinkedIn einen rasanten Aufstieg hin. Auch an der Börse: 2011 folgte der Börsengang, innerhalb von nur zwei Jahren verfünffachte sich der Aktienkurs.

Quartalszahlen ok, Ausblick enttäuscht

Die Zahlen für das abgelaufene Quartal lesen sich noch recht gut: LinkedIn steigerte seinen Umsatz um mehr als ein Drittel auf 862 Mio. US-Dollar. Das liegt leicht über der Analystenprognose. Wie erwartet rutschte das Unternehmen aufgrund einiger Sonderaufwendungen knapp in die roten Zahlen (-8,4 Mio. US-Dollar).

Der Schock kam mit der Prognose für das laufende Quartal: LinkedIn rechnet nur mit 820 Mio. US-Dollar Umsatz, Analysten hatten im Vorfeld mit 850 Mio. US-Dollar doch einiges mehr erwartet.

44% Tagesverlust: Übertriebene Reaktion der Anleger?

Die Reaktion der Börse war jedenfalls eindeutig: Die LinkedIn-Aktie brach um satte 44% innerhalb eines Handelstages ein. Eine Überreaktion des Marktes?

Dies wird die weitere Entwicklung zeigen. Es lassen sich jedenfalls gute Argumente für beide Sichtweisen finden: Einerseits hören sich 44% Kursverlust aufgrund einer 4%-igen Verfehlung der Prognose schon extrem viel an. Mag sein, dass der Kursverlust in einer stabileren Marktphase nur halb so hoch ausgefallen wäre.

Andererseits war die Aktie von LinkedIn nach den hohen Kursgewinnen der vergangenen Jahre schon sehr ambitioniert bewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) lag zwischenzeitlich im dreistelligen Bereich, selbst nach den Kurseinbußen im Januar war es noch bei 60. So eine Bewertung lässt keinen Spielraum für Enttäuschungen zu.

Einstiegschance oder fallendes Messer?

Ist dies eine günstige Gelegenheit, sich einen Highflyer mit einmaligem Ausrutscher ins Depot zu legen? Oder gilt die alte Börsenweisheit „Greife nie in ein fallendes Messer“ auch bei der LinkedIn-Aktie.

Über diese Fragen gehen die Bewertungen derzeit weit auseinander. Während einige Analysten darauf verweisen, dass LinkedIn schon immer sehr konservative Prognosen abgegeben hat und diese in der Regel klar übertrifft, sehen andere das Ende der Wachstumsstory.

Ich tendiere eher zu Ersterem. LinkedIn dürfte auch im laufenden Jahr immer noch Wachstumsraten von über 20% vorweisen. Und für einen Weltmarktführer ist ein KGV von gut 30 nicht zu viel. Allerdings sollten Sie auch den psychologischen Effekt nicht unterschätzen.

Die Erfolgsaktie hat eindeutig einen großen Kratzer abbekommen. Und es kann einige Zeit dauern, bis diese Wunde verheilt, sprich die Anleger wieder Vertrauen in die Aktie fassen.

11. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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