Der Beginn der Schuldenkrise feiert 10. Geburtstag

Lehmans Pleite wird 10 Jahre alt. Wir ziehen Bilanz und betrachten, wie dramatisch eine ähnliche Situation heute wäre. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Heute vor zehn Jahren nahm das Unheil seinen Lauf. Die damals viertgrößte Investmentbank der USA kann offenbar nicht gerettet werden. Einen Tag später meldet sie tatsächlich Insolvenz an. Doch damit geht die Krise erst so richtig los. Die Aktienkurse brechen ein. Allen voran natürlich die Bankaktien. Am Ende des schwarzen Börsenmontags, dem 15. September 2008 steht der Dow Jones 4,4 Prozent im Minus, der DAX bei 2,7 Prozent.

Der nächste Schachzug lässt nicht lange auf sich warten. Am selben Tag schluckt die Bank of America den größten Konkurrenten von Lehman: Merril Lynch. Den diese Bank war auch schon angeschlagen und hätte sonst unter Umständen Lehman folgen müssen. Grund waren zu viele faule Kredite.

Lehman und seine Folgen

Wallstreet-Banker sind in der Realität angekommen. In den folgenden sechs Jahren verlieren über 400.000 ihren Job. In Deutschland läuft es ebenfalls nicht rund. Die Rezession geht um. Arbeitslosigkeit und die Schuldenkrise sind die beherrschenden Ängste der Menschen.

Der DAX war 2007 bereits bei über 8.000 Punkten. Als Lehman zusperren musste, notierten die Kurse schon rund 2.000 Punkte tiefer. Der Tiefpunkt war im März 2009 erreicht bei 3.588 Punkten. Im Nachhinein: Fantastische Kaufkurse! Doch die meisten hatten – wie so oft nach einem Crash – von der Börse erst einmal genug.

Deshalb dauerte es wohl auch etwa vier Jahre, bis der DAX wieder auf über 8.000 Punkte klettern konnte. Mehr als eine Verdopplung innerhalb dieser Zeit! Heute liegen wir noch einmal 4.000 Punkte höher und es sind weitere fünf Jahre vergangen. Doch hat sich seitdem viel geändert?

Warnungen von allen Seiten

Es wäre schön, wenn die Schuldenlast abgenommen hätte, wenn Banken sauber wirtschaften müssten und es auch tatsächlich täten. Immerhin: Die Notenbanken hören auf die Märkte zu fluten, schließlich zieht die Inflation langsam aber stetig an. Und das ist allerdings auch das Paradoxe an der ganzen Geschichte.

Die weltweite Verschuldung ist heute deutlich höher als 2008. Gleichzeitig haben die Notenbank schier ohne Ende Geld geschöpft, um die Märkte zu stabilisieren. Während Draghi und die EZB weiterhin auf Niedrigzinsen sitzen, sind die USA bereits dabei die Leitzinsen regelmäßig anzuheben.

Der DAX einmal aus einer ungewöhnlichen PerspektiveDen DAX kann man auch anders sehen, als Sie es eigentlich gewohnt sind. Mit einer durch-aus überraschenden Erkenntnis. › mehr lesen

Dem gegenüber steht der Derivatemarkt, der absolut explodiert ist. Er hat eine Größe von schätzungsweise 900 Billionen US-Dollar. Das entspricht etwa dem 10-fachen der jährlichen Wirtschaftsleistung – der gesamten Welt! Man stelle sich nur einmal vor, hier gerät etwas ins Schwanken.

Nach dem Crash ist vor dem Crash

Eigentlich wird es ja wieder einmal Zeit, oder? Die Kurse laufen fleißig nach oben, obwohl Trump Präsident ist, obwohl nicht alles gut ist, obwohl die Zinsen bereits wieder steigen. Gut, wir in Deutschland haben nicht das Problem mit steigenden Kursen. Dafür sorgt der DAX, der sich seit einiger Zeit von den US-Indizes abgekoppelt hat. Diese steigen, während der DAX auf der Stelle tritt oder fällt.

Wird es wieder Zeit für eine Bereinigung an den Märkten? Viele Experten warnen, dass der nächste Crash den letzten deutlich in den Schatten stellen wird. Wie gut, dass unsere Fallhöhe beim DAX nicht mehr so gigantisch ist. Amazon und Apple können viel tiefer fallen…

Was macht der DAX eigentlich?

Angeschlagen und Spaß dabei. So in etwa könnten wir die Situation erklären. Der DAX läuft seit dem Tief überraschend souverän nach oben. Heute erleben wir eine erneute grüne Tageskerze. Wie die vergangenen Tage genau aussehen, zeigt uns der Tageschart. Riecht es hier nach Bodenbildung?

Solange wir auch im Stundenchart höhere Hochs und höhere Tiefs sehen, ist alles in Butter. Fallen wir jetzt aber noch einmal unter die 12.500 oder sogar unter 12.000 Punkte, könnten schnell wieder 11.950 und sogar 11.860 die nächsten Ziele sein.

Wenn der DAX so weitermacht, wäre hier jetzt die Bodenbildung effektiv abgeschlossen. Doch können wir dieser Situation trauen? Bis nächste Woche vermutlich schon. Nächsten Freitag ist großer Verfallstag. Vermutlich wird es erst danach wieder größere Schwankungen geben.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.