Der Bierabsatz schrumpft weiter

Im vergangenen Jahr haben die Deutschen so wenig Bier wie noch nie seit der Wiedervereinigung getrunken. Und auch die Brausehersteller stehen unter Druck. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Im vergangenen Jahr haben die deutschen Brauer 94 Mio. hl Bier abgesetzt, so wenig wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Allein seit 1997 ist der Absatz um 16% gesunken. Im 1. Quartal hat sich der Abwärtstrend fortgesetzt. Impulse erhofft sich die Branche jetzt von der Fußball-WM. Trotz des sinkenden Konsums wächst die Zahl der Brauereien. Im 1. Quartal waren es zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder mehr als 1.500. Hintergrund ist der Boom der Craft-Brauereien, deren Anteil am gesamten Bierausstoß aber nur knapp 1% beträgt. Das Potenzial ist aber gewaltig, wie ein Blick auf die USA zeigt. Dort kommen die Kleinbrauereien bereits auf einen Marktanteil von mehr als 12%.

Eine Entwicklung, die vor allem Anheuser-Busch InBev zu schaffen macht. Im 1. Quartal gingen in Nordamerika der Umsatz um 1,5% und das operative Ergebnis um 5,3% zurück. Deutlich besser lief es in den Schwellenländern Lateinamerikas und Asiens. Als Sponsor und Inhaber der Exklusivrechte für den Bierverkauf in den Stadien profitierte der Branchenprimus zudem im Juni und Juli während der Fußball-WM.

Brausehersteller stehen unter Druck

Der Marktführer Coca-Cola hat begriffen, dass zu viel Zucker und Kalorien in seinen Produkten schädlich sind und passt die Rezepturen dem Gesundheits- und Fitnesstrend an. Bis 2025 soll der Kaloriengehalt in den Getränken um 20% reduziert werden. Branchenexperten zufolge werde das aber nicht reichen, um den Abwärtstrend zu stoppen.

Ein weiterer Belastungsfaktor sind Steuern auf zuckerhaltige Getränke, wie sie bereits in wichtigen Absatzmärkten wie Großbritannien, Skandinavien, Frankreich, Ungarn und Mexiko erhoben werden. Auch in Deutschland fordern Verbraucherorganisationen wie Foodwatch eine Steuer auf süße Getränke, stoßen bei der Bundesregierung aber noch auf taube Ohren.

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Coca- Cola sollte daher noch stärker auf Produkte mit hohem Wachstumspotenzial wie Energydrinks, Mineralwasser, Fruchtsäfte, Tee und Kaffee setzen. Eine Option wäre die vollständige Übernahme des US-Konzerns Monster Beverage (Börsenwert: rund 31 Mrd. $), an dem Coca-Cola bereits zu 18% beteiligt ist. Weniger stark abhängig von brauner Brause ist PepsiCo. Der Konzern erzielt etwa die Hälfte des Umsatzes und gut 60% des operativen Gewinns mit Snacks. Jetzt will PepsiCo mit Frito-Lay’s auch den attraktiven deutschen Markt erobern, der von Intersnack (Funny-Frisch, Chio) und Lorenz Balsen (Crunchips) dominiert wird.

Frito-Lay’s ist die weltweit beliebteste Kartoffelchips-Marke, nur in Deutschland ist sie noch relativ unbekannt. PepsiCo hat aber gute Chancen, seinen Marktanteil von aktuell 5% zu vergrößern. Denn bei sportlichen Großereignissen wie einer Fußball- WM schnellt der Chips-Konsum traditionell in die Höhe. Mit seiner guten Mischung aus Getränken und Snacks ist PepsiCo aber auch ein attraktives Übernahmeziel. Als potenzielle Interessenten gelten Kraft Heinz und Anheuser-Busch InBev, die ihr Geschäft diversifizieren wollen.

Mein Favorit: Schloss Wachenheim

Betrachtet man die Kursentwicklung der hier besprochenen Konzerne, so haben in den vergangenen 6 Monaten lediglich die Aktien von Diageo, Pernod Ricard und Schloss Wachenheim besser abgeschnitten als der Vergleichsindex. Pernod Ricard hat allerdings bereits ein Bewertungsniveau erreicht, dass das weitere Kurspotenzial begrenzt. Für Coca-Cola, PepsiCo und Anheuser-Busch InBev sprechen zumindest die Dividendenrenditen.

Mein Favorit bleibt Schloss Wachenheim. Neben der Kursentwicklung überzeugen das profitable Wachstum und die niedrige Bewertung. Die Aktie notiert deutlich unter Buchwert.


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.