Der Bierkonsum nimmt weltweit zu, aber nicht in Deutschland

Der weltweite Bierkonsum hat 2013 erstmals die Marke von 2 Mrd hl überschritten und soll in diesem und im nächsten Jahr um jeweils 3% steigen.

In Asien und Afrika rechnen Experten sogar mit jährlichen Wachstumsraten von 5%. Trifft die Prognose ein, hätte Asien 2015 einen Anteil von 38% am weltweiten Bierabsatz. Ganz anders die Situation auf dem westeuropäischen Biermarkt, der bis Ende 2015 stagnieren dürfte. Noch schlechter sieht es in Deutschland aus. Obwohl sich 85% der über 18 Jahre alten Deutschen für eine Beibehaltung des Reinheitsgebots aussprechen, wird immer weniger Bier getrunken.

Seit 1975 ist der Bierkonsum in Deutschland um 29% auf 106,6 Liter pro Kopf gesunken. Es sind in erster Linie jüngere Menschen zwischen 18 und 29 Jahren, die immer weniger Bier trinken. Aber auch im Rentenalter sinkt der Bierkonsum deutlich. Allerdings profitiert davon der Weinhandel.

Mit neuen Sorten wie Biermischgetränken, alkoholfreiem Bier oder Fassbrause versuchen die deutschen Brauer gegenzusteuern. Vergeblich. Der Abwärtstrend ist nicht aufzuhalten. Am internationalen Wachstum nehmen die deutschen Brauer so gut wie gar nicht teil. Zu lange haben sie auf den Bierkonsum im Heimatland gesetzt, der zwischen 1950 und 1975 um 324% auf 151 Liter pro Kopf gestiegen ist. Als die Bierbrauer dann international expandieren wollten, hatten sich die Big Player der Branche wie Heineken, AB InBev und SABMiller bereits etabliert.

Für die Platzhirsche war die Fußball-WM in Brasilien ein wichtiges Ereignis. Wirklich profitiert haben dürfte aber nur AB InBev. Neben sportlichen Großereignissen haben Heineken und Co. die wachstumsstarken Entwicklungs- und Schwellenländer im Auge. Allerdings bergen viele dieser Länder auch Risiken. Vor allem Währungsturbulenzen haben das Wachstum dort zuletzt gebremst. Asien ist aber aufgrund der steigenden Nachfrage nach internationalen Biermarken nach wie vor sehr attraktiv.

Onlinestrategie ist für Hawesko Thema Nummer 1

Hawesko ist Deutschlands größter Weinhändler und verkauft seine Weine bereits seit 1996 über das Internet. Heute ist Hawesko nach eigenen Angaben der weltweit größte Onlineversender. Derzeit werden 44% des Versandhandel-Umsatzes über das Internet erwirtschaftet – Tendenz steigend. Denn Onlineversand ist sehr profitabel. Entsprechend stark ist die Konkurrenz. Immer mehr Start-ups drängen in den Markt.

Doch Hawesko ist gelassen. „Für uns sprechen die langfristig ausgerichtete Geschäftspolitik, logistische Fähigkeiten sowie unsere Erfahrung in der Direktvermarktung von Wein“, so Hawesko-Chef Margaritoff. Dennoch kann sich Hawesko nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Um im Hauptabsatzmarkt Deutschland zu wachsen, muss das Unternehmen sein Geschäft weiter ausbauen. Denn der 7 Mrd € schwere Markt selbst wächst kaum.

So soll die Internet-Plattform tvino.de in erster Linie die jüngere Kundschaft ansprechen. Ein Volltreffer war zudem der Erwerb der Firma Wein & Vinos vor 2 Jahren. Bis zur Übernahme waren die Berliner die Nummer 2 im Onlinevertrieb hinter Hawesko und tragen heute deutlich zum Umsatz- und Gewinnwachstum bei.

Gleichzeitig wird der Einzelhandel ausgebaut. Jährlich werden 4 bis 6 Jaques’ Wein-Depot-Filialen eröffnet. Deren Anzahl soll langfristig von 285 auf 400 erhöht werden. Daneben wird die Auslandsexpansion durch Zukäufe forciert. Profitables Wachstum versprechen Schweden, Österreich und die Schweiz.

Sektkellerei Wachenheim bleibt unser Favorit

Hawesko ist jedoch nicht mehr billig. Deutlich günstiger bewertet bei höherem Umsatz- und Gewinnwachstum sowie steigender Rentabilität ist die Sektkellerei Wachenheim. Die einsetzende Erholung in Osteuropa sollte das Geschäft zusätzlich beflügeln.

1. August 2014

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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