Der Bremsklotz im DAX 30

Auch das ist Chronisten-Pflicht: Meine Prognose vom 20. Januar, der DAX werde Mitte Februar seine historische Rekordmarke einstellen, wurde nicht erfüllt.

Sie erinnern sich gewiss:

Bei meinem Vortrag auf dem Chart-Analysten-Gipfel in Dresden (ich berichtete Ihnen darüber am 23. Januar) hatte ich es für wahrscheinlich gehalten,

„dass der deutsche Leitindex Mitte Februar auf das Niveau seines Allzeithochs bei 12.390 Punkten klettert!“

Rendezvous misslungen

Abgeleitet war meine Prognose aus der Charttechnik des DAX 30:

Schnittpunkte von Trend-Linien – auch ehemaligen – mit anderen Trend-Linien, Widerständen oder Unterstützungen üben stets eine hohe Anziehungskraft auf die Kurse von Aktien oder von Index-Ständen aus.

Für Mitte Februar war daher ein Rendezvous aus der Verlängerung des ehemaligen Aufwärtstrends aus dem Jahr 2011 mit dem Widerstand des DAX-Allzeithochs denkbar.

Doch auch wenn das jetzt noch nicht geklappt hat, so ist der Sprung auf neue Kurshöhen in meinen Augen nur eine Frage der Zeit.

Die DAX-Kompagnons schlagen sich besser

Zumal die Kompagnons des DAX, MDAX und SDAX, schon seit Wochen auf Rekordjagd sind.

Da in den Börsen-Medien zumeist der deutsche Leitindex im Blickpunkt steht, ist dieser Fakt möglicherweise einigen Investoren entgangen.

Dazu habe ich einmal folgende interessante Grafik für Sie arrangiert:

vergleich dax-mdax-sdax_20-02-2017

Vergleich DAX & Co: DAX hinkt den Kollegen deutlich hinterher

Als zeitlichen Ausgangspunkt habe ich den 10. April 2015 gewählt. Das war der Tag, an dem der DAX 30 (und auch die Kollegen) seine bis heute gültige Rekordmarke erreicht hatte.

Die gestrichelte grüne Horizontale macht prima sichtbar, dass die beiden kleineren Kompagnons des DAX bereits seit Dezember ihre alten Bestmarken hinter sich gelassen haben.

Und noch etwas wird deutlich: Der MDAX unternahm bereits im vergangenen August einen (allerdings missglückten) Rekordversuch.

Der SDAX hingegen hat sozusagen „kontinuierlich“ neue Höchstwerte erreicht.

Der Bremsklotz für den DAX 30

Was also hält den DAX davon ab, seinerseits endlich nachzuziehen? Aufschluss gibt eine Auswertung, die ich mit meiner Datenbank für Sie einmal durchgerechnet habe:

Dazu wurden die prozentualen Abstände der Indizes und ihrer jeweiligen Mitglieder von ihren Allzeithochs gemessen, mit durchaus bemerkenswerten Resultaten:

  • Im SDAX notieren 14 von 50 (28%) Index-Mitgliedern in einer Bandbreite von 0% bis -10% unter ihren Rekordmarken. 2 Titel würden zwischen +92% und +96% Kurs-Anstieg benötigen, um ihre ehemaligen Bestmarken zu erreichen. 12 von 50 Aktien (24%) liegen mehr als -50% unter ihren Allzeithochs.
  • Im MDAX errechnet sich ein Anteil an Aktien im Abstands-Bereich von 0% bis zu -10% von 46% (23 von 50). Die größte Differenz zum Allzeithoch hat hier die Salzgitter-Aktie mit -76%. Nur 5 Index-Mitglieder (10%) müssten sich im Kurs mehr als verdoppeln (Abstand zum Allzeithoch größer als -50%), um die Differenz zur Rekordmarke zu kompensieren.
  • Im DAX bewegen sich derzeit 9 von 30 Titeln (30%) in einer Abstands-Spanne von bis zu -10% zu ihren Rekordwerten. 6 von 30 Index-Mitgliedern müssten zwischen +82% und +97% ansteigen, nur um mit ihren historischen Bestmarken gleichzuziehen! Gleich 10 von 30 Aktien (33%) liegen mehr als -50% unter ihren Allzeithochs.

Fazit

Diese Auswertung macht das Dilemma sichtbar, in dem der DAX steckt:

Bremsklotz sind 1/3 der Index-Mitglieder, die sich im Kurs mehr als verdoppeln müssten, um nur wieder die alten Bestmarken zu erreichen.

Zum Vergleich habe ich auch einmal den Dow Jones nach den genannten Kriterien untersucht.

Die Resultate sind ein feiner Beleg dafür, warum die Wall Street seit Anfang November der Konkurrenz regelrecht davon„rennt“:

16 von 30 Index-Mitgliedern (53%!) bewegen sich in einem Abstand von 0% bis -10% zu ihren Allzeithochs.

Die größte Differenz zum Rekordhoch hat Cisco Systems mit -59%. Im Dow Jones gibt es nur 2 (!) Aktien, die mehr als -50% unter ihren historischen Bestmarken notieren.

20. Februar 2017

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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