Der Brexit: Die größte Niederlage der EU

Der Brexit ist beschlossen.

Innerhalb von zwei Jahren soll der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union über die Bühne gehen.

Unrealistischer Brexit-Zeitplan

Wie unrealistisch dieser Zeitplan ist, haben wir Ihnen bereits aufgezeigt.

Denn in diesem terminlichen Rahmen müssten laut einer Analyse des EU-Parlaments 20.833 Regeln bearbeitet werden, die vom Austritt betroffen sind.

Oder anders ausgedrückt: Rund 50 Gesetzestexte pro Tag. Das ist nicht zu schaffen.

Den Briten droht auch die Situation, dass sie trotz Brexit in wichtigen Bereichen weiter unter der Jurisdiktion des Europäischen Gerichtshofes in Luxemburg stehen. Die Brexit-Befürworter hatten einst etwas anderes angekündigt.

Erst ohne die Ketten der europäischen Gerichtsbarkeit ist Großbritannien wirklich frei

Großbritanniens Premierministerin Theresa May sagte völlig zu Recht, dass die Briten die EU nicht wirklich verlassen würden, wenn sie nicht ihre eigenen Gesetze kontrollieren.

Dem kann wohl uneingeschränkt zugestimmt werden und wir möchten in dieser neuen Beitrags-Reihe noch einmal genauer darauf eingehen.

Zunächst jedoch verraten wir Ihnen nachfolgend den Brexit-Fahrplan.

Der Brexit-Fahrplan

Laut Brexit-Fahrplan sollen die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien bis Oktober 2018 beendet sein.

Wie bereits erläutert, halten viele Experten diesen Termin für völlig unrealistisch. Wahrscheinlich wird es deshalb Übergangsfristen von zwei bis fünf Jahren geben.

Gehen Sie jedoch davon aus, dass der ursprüngliche Fahrplan terminlich eingehalten werden kann: Dann müsste – wie es heißt – die qualifizierte Mehrheit der Mitgliedsländer und die einfache Mehrheit des EU-Parlaments bis März 2019 die Vereinbarung ratifizieren.

Offiziell soll dann die Mitgliedschaft Großbritanniens in der Staatengemeinschaft am 29. März 2019 enden. Und das nach 46 Jahren.

Die größte Niederlage der EU

Der Brexit ist ein Beweis für das Scheitern Europas.

Wenn die zweitgrößte Volkswirtschaft geht, ist das mehr als ein klarer Bedeutungsverlust. Denn dies verändert auch die globale Statik.

Damit ist gemeint: Bislang hatte die EU mit Großbritannien die größte Wirtschaftsleistung der Welt. Ohne die Briten rutscht die Union hinter China und den USA auf Platz drei.

Bedenken Sie: Das alle ist ein Schlag ins Gesicht Brüssels. Ja, der ganzen europäischen Idee, die damit grandios gescheitert ist.

Frei und doch gebunden

Die Briten streben ein Freihandelsabkommen mit der EU an, über das ebenfalls verhandelt werden soll.

Vor allem aber ist das Land dann frei von der politischen Bevormundung der engstirnigen EU-Granden und kann sich wieder selbst um alle Belange kümmern. Was für eine Befreiung.

Aber nur in diesem Punkt.

Es wurde bereits angesprochen: Es kann passieren, dass Großbritannien weiterhin unter der Jurisdiktion des Europäischen Gerichtshofes stehen wird. Und ist damit mitnichten ganz frei.

5. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.

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