Der Chinesische Handelsstreit-Konter: Quo vadis Wall Street?

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Eine Reaktion auf die erneute Eskalation im Handelsstreit mit China durch Donald Trump ließ nicht lange auf sich warten. (Foto: rawf8 / shutterstock.com)

US-Präsident Donald Trump hat den Aktienmärkten mit seiner erneuten Eskalation des Handelsstreits mit China im wahrsten Börsen-Wortsinn einen Bärendienst erwiesen:

Seine neu erhobenen Strafzölle in Höhe von 10% auf importierte chinesische Waren und Produkte im Volumen von rund 300 Mrd. USD wurden gestern mit einer kräftigen Abwertung des Yuan gekontert.

Daraufhin ging die Talfahrt nicht nur an der Wall Street weiter. Wir blicken – wie von mir gestern versprochen – auf die Charttechnik der US-Börse. Zudem schauen wir auf die Yuan-Abwertung und die damit verbundenen Konsequenzen.

Was die Yuan-Abwertung bedeutet

Beginnen wir auch gleich mit dem Yuan. Der wertete gegenüber allen Währungen kräftig ab.

Natürlich dementierte die chinesische Zentralbank umgehend eine Beteiligung an diesem Vorgang und schrieb sie den „Marktkräften“ zu. Doch was bedeutet die Abwertung genau?

Wenn eine Währung gegenüber anderen abwertet, dann kann der abwertende Staat seine Waren und Dienstleistungen im Ausland preiswerter anbieten. Umgekehrt verteuert dies den Export für alle anderen.

Und das ist die Krux: Die Yuan-Abwertung schadet eben nicht gezielt nur den USA, sondern allen chinesischen Handelspartnern weltweit.

Wobei das Reich der Mitte kaum eine andere Wahl hatte, um „angemessen“ auf die Trump’sche Eskalation im Handelsstreit zu reagieren: Denn China importiert massiv weniger Waren aus den USA – eine Verhängung von Strafzöllen auf US-Import-Produkte wäre weit weniger effektiv.

Das wirklich Unangenehme an der Yuan-Abwertung

Das wirklich Unangenehme an dieser Yuan-Abwertung zeigt Ihnen die folgende Grafik. Leider steht mir nur das Währungspaar USD / Yuan zur Verfügung: Die Abwertung stellt sich daher im Chart spiegelverkehrt, also als Anstieg dar, weil es die Entwicklung aus Sicht des US-Dollars zeigt.

USD / Yuan: Charttechnik lässt weitere Abwertung des Yuan vermuten

Sie sehen es: Mit dem jüngsten Anstieg des US-Dollars gegenüber der chinesischen Währung wurde erstmals die Marke von 7,00 USD / Yuan überschritten.

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Damit ist nicht nur ein wichtiger Widerstand geknackt: Gleich 3 Aufwärts-Kurslücken in Folge lassen einen weiteren Auftrieb des Währungspaares – also eine fortgesetzte Yuan-Abwertung – erwarten.

S&P 500: Viel charttechnisches Porzellan zerschlagen

Damit kommen wir zur aktuellen Charttechnik der Wall Street. Die folgende Grafik zeigt Ihnen den S&P 500. Zusätzlich habe ich Ihnen den Großinvestoren-Indikator, das On-Balance-Volumen (OBV), eingeblendet.

S&P 500: Am Montag wurde viel charttechnisches Porzellan zerschlagen

Wie Sie im pinkfarbenen Ring sehen, ist gestern im S&P 500 einiges zu Bruch gegangen:

  • Der Aufwärtstrend seit Dezember 2018 wurde – wie zuvor schon beim DAX – nun auch im US-Leitindex nach unten durchbrochen.
  • Der Abwärtsschub zum Wochenauftakt erfolgte unter Ausbildung einer – zumindest kleinen – Abwärts-Kurslücke: Das impliziert weitere Index-Einbußen.
  • Der mittelfristige Trend in Gestalt der 50-Tagelinie wurde ebenfalls nach unten durchschlagen. Nun wird entscheidend sein, ob die 200-Tagelinie, also die langfristige Trendlinie, hält.
  • Unerfreulich ist auch, dass der Aufwärtstrend des OBV verletzt wurde (gelber Kreis). Das signalisiert Ihnen, dass am gestrigen Abschlag die Großinvestoren beteiligt waren.

Fazit

China reagiert auf die Eskalation im Handelsstreit durch Donald Trump mit einer Abwertung der heimischen Währung (auch wenn die chinesische Zentralbank offiziell eine Beteiligung abstreitet). Das ist vergleichbar mit einem Schuss aus der Schrotflinte:

Mit der Verbilligung der heimischen Währung wird nicht gezielt den USA geschadet, sondern allen Handelspartnern Chinas, da sich die Importe aus dem Reich der Mittel verbilligen und die Exporte dorthin verteuern. Damit trübt sich der Konjunkturhimmel natürlich weiter ein.

Besonders fatal ist, dass die Charttechnik des Währungspaares USD / Yuan darauf schließen lässt, dass sich die Abwertung der chinesischen Währung fortsetzen wird.

Im S&P 500 ist mit dem gestrigen Kursrückschlag aus charttechnischer Sicht einiges kaputt gegangen: Die Aufwärtstrends im Index und im Großinvestoren-Indikator wurden verletzt.

Dies kann nur repariert werden, wenn die Wall Street JETZT umgehend eine kräftige Erholung einleitet.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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