Der DAX Kurs-Index zeigt Ihnen: Deutsche Aktien sind günstig bewertet

Der DAX Kurs-Index notiert unter seinem Hoch aus dem Jahr 2000. Von einer Überbewertung deutscher Aktien kann also keine Rede sein. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

In der vergangenen Woche habe ich für Sie die charttechnische Ausgangslage des DAX unter die Lupe genommen. Heute möchte ich für Sie einen Blick auf den DAX Kurs-Index werfen. An diesem will ich Ihnen zeigen, dass Aktien keineswegs – wie manche Anleger meinen – überbewertet sind.

Der DAX ist ein Performance-Index

Zunächst zur Erklärung: Der DAX, den Sie aus den Börsenberichten kennen, ist ein sogenannter Performance-Index. Das bedeutet: Die Dividendenzahlungen der Unternehmen gehen in die Entwicklung mit ein. Dagegen sind die amerikanischen Indizes Dow Jones und S&P 500 Kurs-Indizes. Bei diesen werden Dividendenzahlungen nicht mit eingerechnet.

Als Pendant dazu gibt es auch einen DAX Kurs-Index, der – wie der Dow Jones – die reine Kursentwicklung wiedergibt. Anders als beim bekannten Performance-Index sind die Ausschüttungen hier also nicht berücksichtigt.

Dividenden sind für 58% der gesamten DAX-Gewinne verantwortlich

Interessant wird es nun, wenn man Performance- und Kurs-Index vergleicht. Beide Indizes sind vor über 30 Jahren mit einem Wert von 1.000 Punkten (Index-Basis am 31.12.1986) gestartet. Wie Sie wissen, notiert der DAX Performance-Index derzeit bei rund 11.800 Zählern. Der Kurs-Index hingegen liegt aktuell lediglich bei knapp 5.600 Punkten.

Diese erhebliche Differenz von gut 6.200 Punkten resultiert daraus, dass beim Performance-Index die Ausschüttungen in die Entwicklung mit eingehen, beim Kurs-Index jedoch nicht. Das bedeutet: Die seit 1987 geflossenen Divi­denden sind für rund 58% der gesamten DAX-Gewinne verantwortlich. Daran sehen, welche enorme Bedeutung die Dividendenzahlungen für die langfristig mit Aktien zu erzielenden Erträge haben.

DAX Kurs-Index notiert unter seinem 2000er-Hoch

Auch das ist eine wichtige Erkenntnis, die Sie als Anleger im Hinterkopf haben sollten. Aber darum geht es mir heute gar nicht. Schauen Sie sich einmal die Entwicklung des DAX Kurs-Index seit 1999 an.

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Im Chart sehen Sie, dass der Kurs-Index seit dem Jahr 2000 per Saldo keine Zuwächse verzeichnen konnte. Im Zuge des In­ternet­booms erreichte der Index im April 2000 einen Höchststand bei knapp 6.300 Punkten, der über viele Jahre nicht mehr erreicht wurde. Erst 15 Jahre später wurde das alte Hoch überschritten. Aller­dings nur kurz, es folg­te eine scharfe Kor­rektur.

Im Februar dieses Jahres stieg der Kurs-Index erneut kurzzeitig über das 2000er-Hoch und markierte bei 6.444 Punkten ei­nen neu­en Rekordstand. Wie schon im Jahr 2015 konnte sich der Index aber nicht über seinen alten Höchst­stän­den etablieren. Im Zuge der Marktkorrektur fiel der Kurs-Index dann wieder deutlicher zu­rück und notiert aktuell bei knapp 5.700 Zählern.

Deutsche Aktien haben reichlich Aufwärtspotenzial

Der DAX Kurs-Index notiert aktuell also niedriger als zum Höhepunkt des Inter­net­booms im April 2000. Und dies, obwohl die Unternehmensgewinne in diesem Zeitraum massiv gestiegen sind. Von „zu stark ge­stie­genen Kursen“ oder einer Überbewertung kann also keine Rede sein.

Ganz im Gegenteil: Der Blick auf den Kurs-Index zeigt Ihnen, dass die Aktienkurse noch jede Menge Luft nach oben haben. Auch das bestätigt meine Einschätzung, dass die aktuelle Schwäche für mittel- bis langfristig orientierte Anleger eine gute Einstiegsgelegenheit darstellen dürfte.


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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.