Der DAX mal aus einer ganz anderen Perspektive

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Können wir nach dem DAX-Anstieg der letzten 6 Wochen noch mit einer Jahresend-Rallye rechnen? (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Mark Twain war ein exzellenter Romanautor: Mit seinem humorvoll und zugleich spannenden Buch über die „Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ lieferte er im Jahr 1876 einen zeitlosen Literatur-Klassiker ab.

Nur wenige kennen eine andere Seite von Mark Twain: Seine wunderbaren, von großer Menschenkenntnis geprägten Zitate und Weisheiten. Einige davon beziehen sich auch auf die Finanzwelt:

„Der Bankier ist ein Mensch, der seinen Schirm verleiht, wenn die Sonne scheint, und ihn sofort zurückhaben will, wenn es zu regnen beginnt.“

Mein persönlicher Favorit: „Der Oktober ist einer der besonders gefährlichen Monate, um mit Wertpapieren zu spekulieren. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Februar.“

In diesem Sinne schauen wir heute einmal aus einer ganz ungewohnten Perspektive auf den DAX. Lassen Sie sich überraschen!

August bis Oktober: Schlechte Zeiten für den DAX?

Der Oktober ist den älteren Jahrgängen vor allem wegen des Börsen-Crashs im Jahr 1987 in übler Erinnerung. Darüber hinaus gab es diverse andere Rutschpartien an den Aktienmärkten in diesem Kalendermonat: Zuletzt erst im Vorjahr.

In einem Beitrag vor genau 4 Wochen hatte ich Sie bereits darüber informiert, was die Statistik seit 1959 über das DAX-Verhalten in den Monaten August, September und Oktober aussagt.

Danach ist tatsächlich der September die schlechteste Zeit für DAX-Investoren. Der Oktober landet hingegen auf einem Mittelplatz in der Rangliste der Kalendermonate.

Doch es existiert noch eine andere Sichtweise auf die Kursentwicklung von Märkten: Der sogenannte Saisonal-Chart.

Saison an den Finanzmärkten?

Der Begriff Saison bezeichnet einen sich stetig wiederholenden Zeitabschnitt im Jahr.

Das vielleicht beste Beispiel ist die Landwirtschaft: Pflanzen wachsen hauptsächlich im Frühjahr und im Sommer und ruhen im Herbst und Winter. Der exakte Beginn und das genaue Ende dieser Perioden mögen von Jahr zu Jahr variieren:

So haben wir mal kurze und mal lange Winter oder Sommer. Doch wenn Sie alle Jahre einmal übereinander legen würden, dann schälen sich Kern-Perioden heraus.

Auch in der Finanzwelt finden wir solche Saisonalitäten: Beispiele dafür sind die Quartalsberichte der Unternehmen, die zu Reaktionen seitens der Anleger führen. Oder die vermehrte Ausschüttung von Zinserträgen aus Anleihen zum Jahresbeginn oder zur Jahresmitte, die große Kapitalmengen zur Wiederanlage freisetzen.

Was steckt hinter dem Saisonal-Chart

Mit meiner Chart-Software kann ich sogenannte Saisonal-Charts zu beliebigen Märkten erstellen. Damit lassen sich Kursverläufe mehrerer Jahre zu einem einzigen Chart „verdichten“.

Das ist in etwa so, als könnten Sie sich die Durchschnittstemperatur Ihres Lieblings-Urlaubsortes über die zurückliegenden 5, 10, 20 oder 40 Jahre hinweg in einer einzigen Verlaufskurve über die 12 Kalendermonate anzeigen lassen.

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Wenn Sie wüssten, wann dort – wettertechnisch – die schönste Zeit des Jahres herrscht, könnten Sie Ihre Ferien ganz exakt auf diese Wochen ausrichten. Das gibt Ihnen zwar keine Garantie, aber immerhin eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür, dass Sie einen unvergesslichen Urlaub erleben!

Saisonale Muster auch im DAX

In der nachfolgenden Grafik habe ich die DAX-Entwicklung seit 1977 verdichtet. Schauen wir uns das einmal an:

Saisonal-Chart des DAX: Addierte Entwicklung aus 42 Jahren

Wie ich Ihnen mit den grünen und roten Kreisen einmal kenntlich gemacht habe, besteht beispielsweise eine Neigung im DAX dazu, im April besonders kräftig anzusteigen. Andererseits finden sich von Anfang August bis Anfang oder Mitte Oktober eher deutliche Verluste im deutschen Leitindex.

DAX: Saison und Realität

Soweit so gut. Doch wie hat sich der DAX in den letzten knapp 3 Jahren an dieses saisonale Muster gehalten?

Das zeige ich Ihnen in der nachfolgenden Grafik, in der ich mich einmal auf die saisonale Abwärts-Phase von August bis Oktober fokussiert habe:

DAX: Saison und Realität

Es ist gut zu erkennen, dass sich der DAX lediglich im vergangenen Jahr an dieser Saisonalität orientiert hat. Im Jahr 2017 ging es im September sogar steil nach oben. Und im laufenden Jahr sahen wir das gleiche Muster – allerdings hob der Index diesmal schon Mitte August ab.

Und es gibt noch einen Unterschied: 2017 legte der DAX im Anschluss an die gelb markierte Phase unter Schwankungen noch eine Jahresend-Rallye hin. Im vergangenen Jahr hingegen crashte der deutsche Leitindex weiter bis Weihnachten.

Fazit

Eine befriedigende Antwort auf die Frage, wie es nun in den nächsten Wochen im DAX weitergehen könnte, liefert die heutige Analyse leider nicht.

Schauen wir auf den bisherigen Jahresverlauf, dann würde wohl die 2017er-Variante eher zum letzten Viertel 2019 passen.

Wir schauen daher morgen noch einmal auf den aktuellen DAX-Verlauf. Hier hatte ich ja in der vergangenen Woche davon gesprochen, dass möglicherweise schon bald eine Richtungs-Entscheidung fallen könne.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.