Der DAX treibt es langsam auf die Spitze

Das Gezappel im DAX kann einem schon auf die Nerven gehen, oder? Aber auch das gehört zum Investorenleben nun mal dazu. (Foto: Deutsche Börse AG)

Wie gewonnen, so zerronnen!

Als ich vor knapp 2 Wochen zuletzt den DAX für Sie unter die Charttechnik-Lupe nahm, sah es gar nicht so schlecht aus: Der deutsche Leitindex hatte gerade eine überraschende Rallye von fast 600 Punkten absolviert.

Doch seither herrscht wieder die altgewohnte Tristesse: Von seinem Gewinn hat der DAX inzwischen schon wieder rund 450 Zähler abgegeben.

Es bleibt also bei dem, was ich Ihnen hier in Chartanalyse-Trends nun schon seit 12 Monaten immer wieder darlege: Der DAX liefert kontinuierlich Fehlsignale – dabei werden Bullen und Bären gleichermaßen bedient.

Lassen Sie uns daher schauen, wie sich die charttechnische Konstellation aktuell darstellt. Soviel kann ich schon vorweg verraten: Der DAX treibt es wortwörtlich auf die Spitze.

Warum korrekte Trendlinien so wichtig sind

Beginnen wir mit dem Chart, den ich Ihnen vor 12 Tagen präsentierte:

DAX: Ständige Neujustierungen der Trendlinien erforderlich

Dieser DAX-Chart ist ein Paradebeispiel dafür, warum Sie Trendlinien stets systematisch ziehen sollten. Wie Sie das am besten hinbekommen, hatte ich schon in diversen Beiträgen dargelegt.

Falls Sie diese verpasst haben, hier noch einmal die Kursfassung:

  • Eine Aufwärtstrendlinie ziehen Sie vom tiefsten Tief aus durch das letzte Tief, das dem jüngsten Hoch voran ging.
  • Eine Abwärtstrendlinie ziehen Sie vom höchsten Hoch aus durch das letzte Hoch, das dem jüngsten Tief voran ging.

Die daraus resultierenden Konsequenzen sehen Sie im unteren Chartteil mit dem Momentum. Die gestrichelten Linien im Indikator für Schwung und Dynamik einer Kursbewegung zeigen Ihnen die Ursprungstrends.

Durch das Erreichen neuer Hochs (im Juni) bzw. neuer Tiefs (im Juli und gerade wieder) wurde eine Neujustierung der Trendlinien erforderlich. Wobei es bei der aktuellen Entwicklung eine Einschränkung gibt:

Der Chart zeigt Ihnen den heutigen Kursverlauf am Vormittag. Sollte der DAX im Laufe des Montages wieder deutlich nach oben drehen, dürfte der Indikator KEIN neues Tief markieren – dann bliebe der bisherige Abwärtstrend intakt.

Fallen, immer wieder neue Fallen

Wenn es zu den beschriebenen Neujustierungen von Trendlinien kommt, liegt dem zugleich stets auch ein voraus gegangenes Fehlsignal zugrunde. Nur 2 Beispiele:

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Der DAX selbst generierte eine Bärenfalle, als die Unterstützung bei 12.100 unterschritten wurde, der Index sich aber schon nach wenigen Tagen wieder erholte (roter Kreis).

Umgekehrt entstand eine Bullenfalle, nach der eingangs beschriebenen Kurswende. Ich habe Ihnen das mit dem grünen Kreis markiert.

Es sei auch noch einmal daran erinnert, dass der eingezeichneten Chart-Formation des absteigenden Dreiecks eigentlich eine negative Prognose-Kraft innewohnt.

Überraschung, Überraschung!

Die Betonung liegt indes auf eigentlich. Denn der nun folgende Chart treibt das vom DAX produzierte Kuriositätenkabinett auf die Spitze. Zum besseren Verständnis:

Das On-Balance-Volumen (OBV) dokumentiert Ihnen das Verhalten der Großinvestoren: Das wiederum wird geprägt von den Käufen bzw. Verkäufen dieser maßgeblichen Anlegergruppe in den jeweiligen Märkten.

Das OBV verbindet nun Kursänderungen und Umsätze: Dadurch wird eine grafische Darstellung des Großinvestoren-Verhaltens möglich.

DAX: Großinvestoren spielen überraschenderweise nicht die Verkaufskarte!

Vermutlich sind Sie ebenso überrascht, wie ich es war, als ich diesen Chart gesehen habe: Das OBV markierte gerade erst vor 7 Tagen ein neues Top!

Dadurch wurde auch hier eine Neujustierung der Aufwärtstrendlinie erforderlich. Und somit ist der im November 2016 etablierte Aufwärtstrend wieder intakt.

Fazit

Der DAX erlaubt sich weiterhin, mit uns Anlegern „Katz‘ und Maus“ zu spielen: Die nun schon seit 1 Jahr andauernde Serie von Bullen- und Bärenfallen will schier nicht enden.

Dass der DAX es derzeit auf die Spitze treibt, ist daher doppeldeutig gemeint: Denn er wandert auch in der beschriebenen Chart-Formation des absteigenden Dreiecks immer weiter auf den Schnittpunkt der Dreieckslinien und damit auf eine Entscheidung zu.

Sozusagen das „Sahnehäubchen“ obenauf liefert der Großinvestoren-Indikator: Das On-Balance-Volumen dokumentiert eindeutig, dass das „Big Money“ bis dato NICHT die Verkaufskarte spielt!

Verrückter DAX! Ich kann daher nur mein Fazit vom 10. Juli 2018 wiederholen:

„Lassen Sie den DAX überzeugendere Signale liefern als derzeit, bevor Sie wieder in deutsche Standardaktien investieren!“


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.