Der DAX wackelt

Der DAX ist schwach in die Handelswoche gestartet. Die Lage ist wackelig. Zur Panik besteht für Sie als Anleger jedoch kein Grund. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

In meinem Wochenausblick am Montagmorgen hatte ich Ihnen noch geschrieben, dass der DAX mit einem Anstieg über die charttechnische Hürde bei 13.200 Punkten die Handbremse lösen und sein Allzeithoch bei 13.600 Zählern in Angriff nehmen könnte.

Gerade einmal rund 30 Stunden später hat sich die Ausgangslage merklich eingetrübt. Gegenüber dem Freitagsschluss hat der DAX rund 3% verloren. Der Auslöser für die deutlichen Abschläge war – wieder einmal – US-Präsident Donald Trump.

Trump kündigt weitere Zölle auf chinesische Waren an

Die Handelskonflikte zwischen den USA und dem Rest der Welt schweben bereits seit Längerem wie ein Damoklesschwert über den Aktienmärkten. Auch der Start in diese Handelswoche missglückte. Der DAX rutschte gleich am Montag wieder klar unter die runde 13.000er-Marke. Die US-Börsen verzeichneten dagegen nur leichte Einbußen.

In der Nacht zum Dienstag zogen weitere Gewitterwolken auf. Donald Trump kündigte weitere Zölle auf chinesische Waren im Volumen von 200 Mrd. Dollar an, falls die Regierung in Peking ihre geplanten Vergeltungszölle tatsächlich umsetzen sollten. Anleger befürchten jetzt eine weitere Eskalation der Handelskonflikte.

DAX fällt unter die 200-Tage-Linie

Der DAX startete daraufhin mit einem Abwärtsgap (Kurslücke) in den heutigen Handel. Dabei hat er die 200-Tage-Linie, die er am Montag noch verteidigt hatte, wieder relativ deutlich unterschritten. Dieser Gleitende Durchschnitt, der den langfristigen Trend anzeigt, verläuft aktuell bei 12.776 Punkten.

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Dies ist zweifellos ein negatives Zeichen, jedoch kein Grund zur Panik. In richtungslosen Seitwärtsphasen kommt es immer wieder vor, dass die Durchschnittslinie vorübergehend unterschritten wird. Auch Ende Mai und Anfang Juni fiel der DAX mehrfach unter die 200-Tage-Linie zurück, drehte aber wieder nach oben.

Die Tatsache, dass sich der DAX heute nach dem schwachen Start stabilisieren konnte, ist zumindest ein erster Hinweis darauf, dass dies auch diesmal wieder gelingen kann. Solange sich der Leitindex über dem Zwischentief von Ende Mai (12.548 Punkte) halten kann, bestehen gute Chancen, dass die 200-Tage-Linie bald zurückerobert wird. Erst darunter trübt sich die charttechnische Lage merklich ein.

Mittelfristige Perspektiven bleiben gut

Mein Kollege Maximilian Ritter riet Ihnen in der gestrigen Ausgabe, die Emotionen aus dem Handel herauszuhalten und die Börse aus der „Ballon-Perspektive“ zu betrachten. Das kann ich nur unterschreiben. Angst ist auch – und gerade – an der Börse ein schlechter Ratgeber. Deshalb ist es wichtig, die Lage möglichst objektiv zu beurteilen.

Die Perspektiven sind keineswegs schlecht. Auf Basis der aktuellen Gewinnschätzungen für 2019 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im DAX nur bei 11,4 und damit klar unter dem historischen Durchschnitt von rund 14. Hier ist unter fundamentalen Gesichtspunkten reichlich Luft für höhere Kurse. Selbst dann, wenn die sich ausweitenden Handelskonflikte leichte Bremsspuren bei den Unternehmensgewinnen hinterlassen sollten.

Einen objektiven Blick auf die aktuelle Marktlage ermöglicht mir mein Handelssystem. Dieses signalisiert derzeit für den deutschen Markt eine Investitionsquote von 60%. Eine ordentliche Portion Liquidität kann in der derzeitigen Situation nicht schaden. Gleichzeitig sollten Sie „Gewehr bei Fuß“ stehen, um sich bietende Kaufgelegenheiten bei starken Trend-Werten beherzt zum Einstieg zu nutzen.


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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.