Der DAX wird immer amerikanischer

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Währen der DAX immer amerikanischer wird, verlieren ETFs an Bedeutung. Was die jüngste Auswertung des DIRK noch ans Licht bringt (Foto: Deutsche Börse AG)

Die deutschen DAX-Werte sind immer häufiger in den Händen US-amerikanischer und britischer Investoren. Nach einer Analyse, die am vergangenen Freitag vom Deutsche Investor Relations Verbands (DIRK) und dem Marktforschungsinstitut IHS Markit veröffentlicht wurde, werden derzeit 61,8% des Grundkapitals des Deutschen Aktienindizes von angelsächsischen Investoren gehalten, 1,6 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr zuvor.

Aktiv gemangte Fonds gewinnen an Bedeutung

Auslöser für die stärkere Bedeutung nordamerikanischer Investoren waren insbesondere aktive Investmentfonds, Fonds also, die durch eine geschickte Vermögensanlage und Einzeltitelauswahl die gängigen Indizes hinter sich lassen wollen. Gerade in einer Zeit, in der die passive, also index-abbildende Vermögensanlage über ETFs (Exchange Traded Fonds, auf Deutsch börsengehandelte Fonds) an Bedeutung zuzulegen scheint, kann dies als höchst ermutigendes Zeichen gedeutet werden. Das sich, das zeigen die jüngsten Umfragen, sogar zu einem Trend entwickeln könnte.

Denn insbesondere die Anbieter synthetischer ETFs, die einen Index nicht durch den Kauf von Aktien abbilden, sondern durch Swap-Geschäfte, haben im vergangenen Jahr an Bedeutung eingebüßt. Leidtragende waren vor allem Spezialanbieter wie Assenagon, Comstage und Lyxor.

BlackRock nach wie vor ganz oben

Betrachtet man die Liste der bedeutendsten Einzelinvestoren an der Deutschland-AG, so wird diese mit großem Abstand von BlackRock angeführt, der 9,4% der DAX-Werte besitzt. An den Plätzen folgen Vanguard, der Erfinder der passiven Kapitalanlage, mit 4,8% und Norges Bank, der norwegische Staatsfonds, mit 3,9%. Unter den Top 10 der größten Kapitalanleger im DAX finden sich ferner Deutsche Bank, Amundi, State Street, Harris, UBS, Deka und die Allianz.

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Aber auch die privaten Haushalte haben sich im vergangenen Jahr von der positiven Börsenstimmung anstecken lassen. Derzeit befinden sich 17,1% der DAX-Aktien in der Hand von Privatinvestoren. Ausschlaggebend für diesen Trend dürften vor allem das gute Kapitalmarktumfeld, die niedrigen Anleihezinsen und die im Vergleich dazu ansehnlichen Dividendenrenditen gewesen sein.

ESG wird wichtiger

Ebenfalls an Bedeutung haben Kriterien gewonnen, die nicht auf traditionellen finanziellen Kennzahlen wie Umsatz oder Ertragslage basieren. Unangefochten an der Spitze stehen dabei die sogenannten ESG͟-Kriterien. ESG steht für Environmental, Social, Governance. Darunter werden sämtliche Kriterien verstanden, die den Umweltschutz und den effizienten Umgang mit Energie und Rohstoffen, soziale Gesichtspunkte wie Arbeitnehmerrechte, Arbeitsplatzsicherheit oder Gewerkschaftsfreiheit und eine ethisch einwandfreie Unternehmensführung etwa unter den Aspekten der Korruption, Vorstandsvergütung oder dem Umgang mit Whistle Blowern umfassen.

In der Rangliste der ESG-Sensitivitäten haben die 100 größten institutionellen Investoren angegeben, dass für mehr als 75% der verwalteten Gelder die Einhaltung von ESG-Kriterien eine hohe bzw. mittelhohe Wichtigkeit aufweisen. Insbesondere sind ESG-affine Investoren aktiver in ihrem Engagement mit Emittenten, haben explizite Richtlinien in Bezug auf die Abstimmung auf den Hauptversammlungen auf und geben an, ESG-nachzügelnde Emittenten aus ihren Portfolios zu verbannen.

Wenn daraus, wie beschrieben, ein Trend wird, sollten Anleger diese Entwicklung in ihrer Depotzusammenstellung berücksichtigen.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.