Der deutsche Traum vom Eigenheim…

Erfahren Sie hier in diesem Beitrag, warum nur wenige Deutsche sich tatsächlich den Traum vom Eigenheim erfüllen können und warum Konsumschilden oft die Baufinanzierung verhindern. (Foto: karamysh / Shutterstock.com)

…und warum ihn sich nur etwa 45% erfüllen!

in der vergangenen Woche habe ich prophezeit, dass die Sondierungsgespräche der Union und SPD im Ergebnis keine Entlastung bei der Grunderwerbsteuer festlegen werden. Und ich habe leider Recht behalten.

Zur Beförderung des Wohneigentums sollte nämlich die Eigentumsbildung insbesondere von Familien unterstützt werden. Konkrete Vorschläge, z.B., den Ländern gesetzlich zu ermöglichen, Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer einzuräumen, sind aus der finalen Fassung der Sondierungsergebnisse wieder gestrichen worden!

Das gleiche Schicksal ereilte das Baukindergeld, auch wieder gestrichen.

Sehr schade! Damit ist wieder mal klar, dass es kein echtes Interesse daran gibt, die Wohneigentumsquote in Deutschland zu erhöhen, obwohl bekanntlich Deutschland europaweit auf dem vorletzten Platz beim Pro-Kopf-Vermögen steht. Und dies ist wesentlich auf die vergleichsweise geringe Eigentumsquote zurückzuführen.

Um aber wenigstens den Wohnungsneubau nicht weiter unnötig zu verteuern, will man laut Sondierung zunächst die Enev 2016 nicht weiter verschärfen.

Wie das allerdings mit der EU-Energieeffizienzrichtlinie vereinbar ist, bleibt abzuwarten.

Am Ende wird auch dort vermutlich alles beim alten bleiben.

Doch noch mal zurück zur Eigentumsquote in Deutschland.

In der Tat ist die massiv gestiegene Grunderwerbsteuer eine große Hürde, denn die Kosten müssen in der Regel angespart werden, da sie meist nicht von der Bank mitfinanziert wird.

Und das sind schnell mal 20.000 Euro oder mehr, je nach Kaufpreis und Bundesland! Dazu kommen oft Makler und Notar, so dass sich die Summe auf 40.000 Euro verdoppelt.

Allerdings will ich den schwarzen Peter nicht nur dem Fiskus zuschieben. Interessant ist dazu eine aktuelle Schulden-Studie!

So stellt die Schulden-Studie fest:

„Nach eigener Einschätzung würden die Deutschen am ehesten für den Kauf von Wohneigentum Schulden machen (82 Prozent). Erst auf Platz drei folgt der Kauf eines Autos oder Motorrads mit 56 Prozent. In Wirklichkeit haben jedoch 60 Prozent der Deutschen, aktuell oder in der Vergangenheit Schulden für ein Auto oder Motorrad abgezahlt – für Immobilien dagegen nur etwa jeder Zweite (45 Prozent).“

Quelle:

https://www.eos-solutions.com/de/medien/studien/eos-schulden-studie-2017/?ls=1

Also mehr als 80% würden sich Wohneigentum kaufen wollen, aber nur 45% haben es tatsächlich, hingegen haben mehr als 60% Schulden für ein Auto u.ä., also sogenannte Konsumschulden.

Aus meiner früheren Erfahrung als Banker kann ich folgendes feststellen:

Konsumschulden verhindern nicht selten die Kreditvergabe für Wohneigentum!

Warum?

Weil die Kapitaldienstrechnung einer Bank ganz anders aussieht, als der geneigte Bankkunde es annimmt. Und daher können bestehende Kredite die Vergabe einer Baufinanzierung blockieren.

UND: Ratenzahlungen verhindern meist das monatliche Ansparen von notwendigem Eigenkapital, weil „nichts mehr übrig bleibt“ zum sparen.

Mein Rat:

Gehen Sie mit Konsumschulden vorsichtig um.  Auch wenn die Verlockungen groß sind. Prüfen Sie genau, ob es wirklich nötig ist, Konsumschulden zu machen.

Denn es bleibt bei dem Grundsatz:

Investieren Sie, aber investieren Sie klug.

Am Ende geht es nicht darum, alles richtig zu machen, es reicht schon, das meiste richtig zu machen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sell. Über den Autor

Andreas Sell ist heute als Investor, Geschäftsführer verschiedener Grundstücksgesellschaften, Beiratsmitglied einer Münchener Fondsgesellschaft und Autor tätig.