Der deutschen Wirtschaft droht die Überhitzung

Wer hätte das noch vor wenigen Jahren gedacht: Die deutsche Wirtschaft wächst fast so stark wie nach dem 2. Weltkrieg!

Es gibt die Industrie 4.0 – also jetzt auch das Wirtschaftswunder 2.0?

Gemessen am BIP-Zuwachs wird 2017 vermutlich bei einem Plus von 1,7% stehen, für 2018 werden sogar 2% vorhergesagt.

Diese Zahlen um den Anstieg des Bruttoinlandsproduktes stammen vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Abwärts-Risiken durch Wirtschafts-Boom

„Ja, klar!“, werden Sie sagen. „Kaum gibt es einmal gute Nachrichten, schon wird ein Pessimist auf den Plan gerufen, der alles wieder schlechtredet…“

Das ist leider der Haken am aktuellen Wachstumsschub, den Deutschland erlebt: Er grenzt an ungesund, weil er ein bisschen zu viel des Guten ist.

Auch hier macht die Dosis das Gift; zu viel Wachstum kann wie ein Boomerang zurückkommen und die Wirtschaft jagen.

Unter dem Stichwort „Hochkonjunktur“ mehren sich die Anzeichen der Gefahren. Denn Deutschland platzt an vielen Orten bereits aus den Nähten.

Das hat nicht mit den mangelnden Wohnungen zu tun, sondern bezieht sich alleine auf die Produktion.

So hat etwa der Automatisierungs-Riese Festo aktuell bei vielen Teilen bis zu 5 Wochen Lieferzeit. Normalerweise hat der Kunde seine Bestellung innerhalb von 2 – 3 Wochen.

Vorteil für Festo:

Viele andere Unternehmen kommen gar nicht mehr hinterher, so dass die Kunden sich bereits über 5 Wochen Lieferzeit freuen, wenn die passenden Geräte erst nach 10 Wochen eintreffen.

Aber auch Festo hat mit seinen Zulieferern zu kämpfen. Diese lassen ihre Betriebe bereits komplett durchlaufen, also 3 Schichten zu 8 Std./Tag, und schaffen es trotzdem nicht den Bedarf zu decken.

Die Konzerne stehen deshalb vor einer schwierigen Aufgabe:

Expandieren sie und hoffen, die Nachfrage hält an – oder akzeptieren sie die langen Wartezeiten, gehen aber nicht das Risiko ein, dass der Konsum plötzlich wieder einbricht?

Aktuell stehen alle Zeichen auf Vollgas und viele Betriebe nutzen die Gunst der Stunde, um zusätzliche Produktionsstätten zu bauen oder bestehende zu erweitern.

Optionen-Handel während der Hochkonjunktur

Die Wirtschaft boomt – die DAX-Aktien auch.

Selbst wenn wir aktuell einen Rücksetzer erlebt haben und die 13.000 Punkte im DAX erst einmal wieder außer Reichweite sind:

Auf 12-Monats-Sicht hat der deutsche Leitindex 3.500 Punkte zugelegt!

Und scheinbar sind daran nicht nur der Niedrigzins und die EZB schuld – wobei: Ganz so elegant sollten wir die Zentralbank nicht ihren Kopf aus der Schlinge ziehen lassen!

Schließlich sind die Niedrigzinsen auch für große Investitionen verantwortlich. Wer kaum Zinsen zahlt, kann mehr kaufen und höhere Risiken eingehen.

Das sehen wir auch im Wohnungsmarkt: Dort sind die hohen Preise auch nur möglich, weil die Käufer wenig Zinsen zahlen müssen.

Lassen Sie den Leitzins einmal fiktiv um 3% ansteigen! Dann werden auch die Kaufpreise wieder in die Knie gehen, weil kaum einer solche Projekte noch finanzieren kann.

EZB und Leitzins stets im Auge behalten

Deshalb: Behalten Sie die EZB und den Leitzins im Auge! Sobald hier wieder an einer Schraube gedreht wird, verändert sich das gesamte Marktumfeld.

Doch bis dahin können Sie die Zukunft entspannt abwarten.

Selbst wenn es einen Umbruch geben sollte, haben Sie als Optionen-Halter immer noch ein leichteres Spiel als Aktienbesitzer oder gar Händler mit Knockout-Zertifikaten.


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11. Juli 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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