Durch Beteiligungskapital Geld in das Unternehmen bekommen

Haben Sie die Eigenkapitalquote Ihres Unternehmens immer im Blick? Wenn diese Quote nur bei 10 bis 15% liegt, sollten bei Ihnen alle Alarmglocken läuten. Dann nämlich haben Sie heute wohl kaum noch die Chance, einen neuen Kredit zu bekommen. Investitionen und Wachstum werden fast unmöglich.

Aber wie die Eigenkapitalquote kurzfristig erhöhen? Beteiligungen sind der schnellste Weg, um mehr Kapital in Ihr Unternehmen zu bekommen. Die Antworten auf die drei wichtigsten Fragen hier im Schnellüberblick.

„Wann sollte ich mich um Beteiligungskapital kümmern?“

Der beste Zeitpunkt, um Beteiligungskapital ins Unternehmen zu holen, ist immer dann, wenn Sie eine Investition planen. Wenn Sie eine Investition planen und sie über ein Bankdarlehen finanzieren wollen, dann senken Sie die Eigenkapitalquote weiter und verschlechtern Ihre Chance auf spätere Kredite.

Sie engen Ihren unternehmerischen Spielraum für die Zukunft ein. Finanzieren Sie Ihr Vorhaben jedoch über eine Beteiligung, dann steigern Sie Ihre Eigenkapitalquote, Ihre Ratingeinstufung verbessert sich, Sie bekommen in Zukunft leichter Bankkredite.

Sie haben keine Chance auf Beteiligungskapital, wenn Sie Geld zur Sanierung brauchen.

„Wer kann sich beteiligen?“

Wenn Sie einen Beteiligungsgeber suchen, schauen Sie sich zunächst in Ihrem privaten und geschäftlichen Umfeld um. Als Kapitalgeber kommen Ihre vorhandenen Gesellschafter, mögliche neue Gesellschafter, andere Unternehmen, aber auch Ihre Mitarbeiter und Familienmitglieder in Frage.

Werden Sie in diesem Umfeld nicht fündig, kommen private oder öffentliche Beteiligungsgesellschaften in Frage. Kontakte kann Ihnen Ihre Hausbank vermitteln. Oder Sie wenden sich direkt an die für Ihr Bundesland zuständige Gesellschaft.

„Welche Unterlagen brauche ich?“

Egal, ob Sie Kapital auf eigene Faust von einem neuen Gesellschafter suchen oder mit einer öffentlichen Beteiligungsgesellschaft verhandeln wollen:

Stellen Sie für die geplante Investition eine Rentabilitätsberechnung und einen Finanzplan für die nächsten drei Jahre zusammen, aus denen hervorgeht, dass sich die Investition für Ihr Unternehmen rechnet.

Geringes Eigenkapital – ein Kreditablehnungsgrund

Eine zu geringe Eigenkapitalquote ist mittlerweile in Deutschland der Kreditablehnungsgrund Nummer 1. Dies geht aus einer Studie hervor, die jedes Jahr von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der künftigen „Mittelstandsbank“, in Zusammenarbeit mit 16 Wirtschaftsverbänden auf Grund einer Befragung von über 5.000 Unternehmen erstellt wird.

Ein Drittel aller Unternehmen hat derzeit Probleme, überhaupt Kredite zu bekommen. Jeder fünfte Investitionskreditantrag wird abgelehnt.

Vor diesem Hintergrund ist die Suche nach „frischem“ Eigenkapital für viele Unternehmen zu einer zentralen Aufgabe geworden. Die Betriebe kennen die damit verbundenen Schwierigkeiten und wissen, dass dieses Thema nicht auf die lange Bank geschoben werden darf.

„Viele Unternehmen haben erkannt, dass ihre Eigenkapitalausstattung zukünftig nicht mehr ausreicht; mehr als die Hälfte strebt eine Erhöhung der Eigenkapitalquote an. Als Mittel dazu steht an vorderster Stelle die stärkere Einbehaltung von Gewinnen; nicht wenige Unternehmen wollen auch Beteiligungskapital aufnehmen“, so eine der zentralen Aussagen der Studie zum Themenkomplex „Eigenkapital“.

In der Tat sind die Eigenkapitalquoten deutscher Unternehmen relativ niedrig – insbesondere im internationalen Vergleich. Da liegt Deutschland am Ende der Skala.

Angesichts dieser Werte ist es wenig hilfreich, die deutsche Situation zu beklagen und auf bessere steuerliche/staatliche Hilfen zu hoffen. Es gilt vielmehr, jetzt alle Möglichkeiten zu nutzen, die mittelständischen Unternehmen zur Verbesserung der Situation zur Verfügung stehen.

Doch betrachten wir zunächst einmal die Eigenkapitalsituation deutscher Unternehmen im Detail, wie sie jährlich von der Deutschen Bundesbank anhand einer Vielzahl von Bilanzanalysen dargestellt wird.

Diese Zahlen belegen, dass insbesondere Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die die Mehrzahl mittelständischer Unternehmen darstellen, über eine sehr schlechte Eigenkapitalausstattung verfügen.

Im Branchenvergleich schneidet der Einzelhandel besonders schlecht ab.

Die Haltung des Mittelstands

Nach wie vor verbindet die meisten Mittelständler eine herzliche Abneigung gegen die Aufnahme von Eigenkapital.

Für den Mittelstand bedeutet Beteiligungskapital gedanklich nicht nur die Verbreiterung der Kapitalbasis, sondern die Aufnahme von „fremdem“ Eigenkapital, das zudem auch noch teurer ist als „reines“ Fremdkapital in Form von Bankdarlehen.

Also bleibt man bei der Darlehensaufnahme, dann hat man auch gleich den richtigen Begriff für die Finanzierung gewählt und gaukelt sich nicht vor, man hätte „Eigenkapital“, das in Wahrheit von einem Mittelständler als Fremdkapital angesehen wird.

Viele Mittelständler übersehen dabei, dass es für einen Fremdkapitalgeber – also die Bank – keinen Unterschied macht, wer das Eigenkapital zur Verfügung gestellt hat. Dem Fremdkapitalgeber kommt es darauf an, dass eine entsprechende Menge von haftendem Kapital vorhanden ist, was ihn wiederum veranlasst, weiteres Fremdkapital zur Verfügung zu stellen.

Weshalb Eigenkapital eine zentrale Rolle spielt

Basel II schreibt den Banken verbindlich vor, dass sie sich im Rahmen der Einschätzung des „finanziellen Risikos“ ein Bild davon zu machen haben, wie es um die „finanzielle Flexibilität in Abhängigkeit vom Zugang zu Fremd- und Eigenkapitalmärkten (steht), um zusätzliche Mittel erlangen zu können“.

Dass Banken besonderen Wert auf eine angemessene Eigenkapitalquote legen, hängt damit zusammen, dass Eigenkapital eine Voraushaftungsfunktion wahrnimmt und deshalb eventuelle Verluste abfedern kann.

Ist nur ein geringes oder kein Eigenkapital vorhanden, können Verluste zwangsläufig vom Kreditnehmer nicht mit eigenem Geld abgefangen werden, sondern treffen unter Umständen in vollem Umfang den Fremdkapitalgeber. Dies war zwar schon immer so, tritt jedoch durch die Basel-II-Vorschriften stärker in den Vordergrund.

Vor dem Hintergrund der Basel-II-Vorschriften ist es deshalb für jedes kreditsuchende Unternehmen wichtig, der Eigenkapitalquote die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen. Es sind deshalb Anstrengungen zu deren Stärkung zu unternehmen, da ansonsten mit der Verweigerung von Krediten beim Bankensektor zu rechnen ist.

Da es in vielen Fällen nur durch die Aufnahme von „fremdem“ Eigenkapital kurzfristig möglich ist, die Situation zu verbessern, beschreiben wir in diesem Beitrag die Arten und Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung, um einen von mehreren Wegen zur Verbesserung der Eigenkapitalquote aufzuzeigen.

Was Sie konkret mit einer Beteiligungsfinanzierung erreichen können

Wenn Sie Ihr Eigenkapital durch eine Beteiligungsfinanzierung aufbessern, gewinnt Ihr Unternehmen wieder einen größeren Finanzierungsspielraum und verbessert gleichzeitig seine Bonitätseinstufung, das heißt seine Ratingnote, und erhält sich dadurch seine „Kreditwürdigkeit“.

Mit einer Beteiligungsfinanzierung werden Sie unabhängiger von Ihren Banken, da Sie weniger Bankkredite benötigen. Gleichzeitig optimieren Sie parallel dazu die Finanzstruktur Ihres Unternehmens.

Die typische und die atypische stille Gesellschaft

Meist erfolgen Beteiligungen durch die Bildung einer stillen Gesellschaft. Dabei handelt es sich stets um eine Innengesellschaft, die für Außenstehende nicht erkennbar ist.

  • offenen Beteiligung und einer

  • stillen Beteiligung.

  • private Kapitalbeteiligung und eine

  • öffentliche Kapitalbeteiligung

Ein stiller Gesellschafter kann sich praktisch an Unternehmen aller Rechtsformen beteiligen.

Sie sollten 2 Arten von stillen Gesellschaften unterscheiden:

Wie sich die typische und die atypische stille Gesellschaft unterscheiden

Die Hauptmerkmale einer typischen stillen Gesellschaft:

Die Hauptmerkmale einer atypischen stillen Gesellschaft:

Es sind auch Mischformen möglich.

Bevor Sie sich für eine bestimmte Art der Beteiligungsfinanzierung entscheiden, sollten Sie den Rat Ihres Wirtschaftsprüfers/Steuerberaters einholen, der Ihre Steuersituation genau kennt und Sie deshalb optimal beraten kann.

  • die typische stille Gesellschaft und

  • die atypische stille Gesellschaft.

  • Der stille Gesellschafter hat kein Recht zur Geschäftsführung.

  • Er erwirbt keinen Anspruch an den stillen Reserven des Unternehmens.

  • Er hat lediglich Anspruch auf Rückzahlung der nominellen Einlage.

  • Er kann einen Anspruch auf einen angemessenen Gewinnanteil haben, mindestens aber auf eine gewinnabhängige Verzinsung.

  • Auch hier hat der „Stille“ kein Recht zur Geschäftsführung.

  • Aber er erwirbt einen Anspruch an den stillen Reserven des Unternehmens.

  • Er ist am Gewinn und Verlust beteiligt.

  • Er kann bestimmte unternehmerische Funktionen ausüben.

Öffentliche Beteiligungsgesellschaften, die einen Förderauftrag erfüllen, übernehmen meist

  • typische stille Beteiligungen.

Dies bedeutet, dass sie keinen Einfluss auf Ihre laufende Geschäftsführung nehmen wollen und auch nicht an den stillen Reserven partizipieren möchten.

Eine andere Interessenlage können Sie bei der Inanspruchnahme einer privaten Beteiligungsfinanzierung antreffen. Private Kapitalgeber verfolgen Renditeinteressen und wollen deshalb häufig auch mitentscheiden.

Innerhalb dieses Beitrags werden wir uns auf die Möglichkeiten der öffentlich geförderten Beteiligungsfinanzierung beschränken.

Wofür Sie eine Beteiligungsfinanzierung einsetzen können

Eine Beteiligungsfinanzierung bietet sich schwerpunktmäßig bei folgenden Maßnahmen an:

Optimieren Sie die Passivseite Ihrer Bilanz

Auf der Passivseite Ihrer Bilanz weisen Sie 2 Hauptpositionen aus:

  • Durchführung größerer Investitionen

  • Finanzierung der Unternehmensnachfolge

  • Abfindung ausscheidender Gesellschafter

  • Verbesserung der Eigenkapitalausstattung

  • Finanzierung einer Betriebserweiterung

  • Finanzierung von Forschung und Entwicklung.

  • Eigenkapital und

  • Fremdkapital.

Die meisten Unternehmer sind besonders um eine Optimierung der Aktivseite ihrer Bilanz bemüht. Moderne und leistungsfähige Produktionsanlagen, funktionale Betriebseinrichtungen/Geschäftsausstattungen und ein attraktiver Fuhrpark repräsentieren das Unternehmen nach außen.

Das Hauptaugenmerk zur Optimierung der Passivseite liegt im Regelfall auf der Aufnahme besonders zinsgünstiger Kredite.

Widmen Sie Ihre Aufmerksamkeit auf der Passivseite Ihrer Bilanz dem Verhältnis zwischen Eigenkapital und Fremdkapital. Je günstiger Sie dieses Verhältnis gestalten, umso besser ist dies für Ihr Unternehmen.

Wenn Sie die Verbesserung Ihrer Eigenkapitalquote einzig durch nicht entnommene Gewinne erreichen wollen, ist dies ein langwieriges Unterfangen.

Mittelständischen Unternehmen ist im Regelfall der Weg zur Börse nicht möglich, und private Geldgeber stehen auch nicht Schlange, um Ihnen Eigenkapital zur Verfügung zu stellen.

Beteiligungsfinanzierung: ein Ausweg?

Viele mittelständische Unternehmer stehen einer Beteiligungsfinanzierung skeptisch gegenüber. Man will sich nicht „reinreden“ oder gar einen „Fremden“ im Unternehmen mitbestimmen lassen.

Da jedoch in vielen Fällen die notwendige Eigenkapitalbasis fehlt, um neue Vorhaben und eine mögliche Expansion zu finanzieren, befinden sie sich oftmals in einem Dilemma.

Hinzu kommt die bereits geschilderte Verweigerungshaltung der Banken beim Kreditgeschäft. In diesem Fall kann eine Beteiligungsfinanzierung zum guten Ausweg werden.

Die Kosten der Beteiligungsfinanzierung

Je nachdem, aus welchem Beteiligungsprogramm oder von welcher Beteiligungsgesellschaft Sie Ihre Mittel erhalten, sind die Konditionen unterschiedlich. In vielen Fällen heißt es in den Programmrichtlinien: „… erfolgsabhängig; werden im Einzelfall festgelegt.“

Im Regelfall entstehen Ihnen für eine Beteiligungsfinanzierung höhere Aufwendungen als für eine Kreditfinanzierung.

Die Konditionen bei einer öffentlichen Förderung der Beteiligungsfinanzierung durch die KfW

Beachten Sie, dass es sich dabei um die Konditionen zur Refinanzierung von Beteiligungskapital handelt. Das heißt, eine Kapitalbeteiligungsgesellschaft, die sich an Ihrem Unternehmen beteiligen möchte, kann diese Beteiligung über ein Darlehen bei der KfW refinanzieren.

Die Konditionen für Sie werden vom jeweiligen Beteiligungskapitalgeber festgelegt und liegen im Regelfall höher.

Öffentliche Kapitalbeteiligungsgesellschaften gibt es in jedem Bundesland

Als Beispiel für die Richtlinien öffentlicher Beteiligungsgesellschaften finden Sie nachstehend diejenigen der Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft Baden- Württemberg:


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24. April 2003

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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