Der Druck auf die Commerzbank steigt

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Der Druck auf die Commerzbank steigt. Der Hedgefonds Cerberus, mit 5% an der Bank beteiligt, fordert nun zwei Aufsichtsräte. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Vier Wochen nach der letzten ordentlichen Hauptversammlung und zwei Wochen vor einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung zur künftigen Strategie gerät das Vorstandsgremium der Commerzbank unter immer stärkerem Druck. In einem an den Aufsichtsrat adressierten fünfseitigen Schreiben, aus dem die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters Ende letzter Woche zitierten, beklagt der mit mehr als 5 % an der Commerzbank beteiligte Finanzinvestor Cerberus, dass nach wie vor keine überzeugende Strategie erkennbar und die Profitabilität im Vergleich zu vergleichbaren Banken dramatisch unterdurchschnittlich sei.

Fehlende Strategie

Wörtlich schreibt der Finanzinvestor, dass die aktuelle Strategie auf der „fundamental fehlerhaften Annahme“ beruht, dass die Gesellschaft „in ihre aufgeblähte Kostenbasis hineinwachsen könne“. Frei nach dem Motto: Wenn nur die Umsätze gesteigert werden könne, werde schon alles gut werden. Dabei hat die Bank, so Cerberus, ihre Kosten gar nicht konsequent analysiert.

Dementsprechend sind die Verantwortlichen des Hedgefonds, die ja ihrerseits ihren Kapitalgebern rechenschaftspflichtig sind, alarmiert über die Weigerung des CoBa-Managements – und auch der Aufsichtsräte –, den Ernst der Lage anzuerkennen. Weil keine wesentlichen operativen, technologischen oder Managementinitiativen umgesetzt worden seien, würde nach Ansicht von Cerberus ein Großteil der Geschäftsbereiche nicht einmal ihre Kapitalkosten erwirtschaften.

Typische Vorgehensweise

Nun ist man die Vorgehensweise, den Vorstand durch gezielt gesetzte Spitzen in der Öffentlichkeit unter Druck zu setzen, von aktivistischen Investoren gewohnt. Neu ist, dass sich Cerberus in diese Kategorie bislang nicht einreihen wollte. Stattdessen betrachtete sich Cerberus stets als langfristigen strategischen Investor. Nun scheint man jedoch mit der Geduld am Ende zu sein, zu schwach war die Kursentwicklung nicht erst seit dem Einstieg von Cerberus.

Ein Blick auf den Langfristchart offenbart das ganze Debakel: Stolze 370 Euro war die Commerzbank einst wert, im Mai 2007. Heute dümpelt die Aktie bei etwas mehr als 4 Euro. An der südwärts gerichteten Kursentwicklung hat sich auch nach dem Einstieg von Cerberus vor genau drei Jahren wenig geändert. Angesichts von Kursverlusten in Höhe von mehr als 60% dürfte der US-Hedgefonds seit seinem Einstieg bei dem deutschen Geldhaus mehr als 400 Millionen Euro verspielt haben.

Forderung nach zwei Aufsichtsräten

Nun fordert Cerberus, dass zwei eigene Kandidaten in den Aufsichtsrat aufgenommen werden. Warum diese Forderung nicht bereits auf der letzten Hauptversammlung gestellt wurde, ließ der Hedgefonds offen. Ob damit die uninspirierte Unternehmensstrategie auf Vordermann gebracht werden kann, bleibt abzuwarten. Vermutlich lassen sich für einen Aktionär nur durch eine Fusion mit der Deutschen Bank oder einem ausländischen Institut wirkliche Werte schaffen. Wer sich jedoch auf dieses Engagement einlassen will, bleibt offen.

Von staatlicher Seite jedenfalls braucht der Vorstand keine Unterstützung zu erwarten. Schließlich ist der Bund, der sich gerade bei Lufthansa in das nächste Beteiligungsabenteuer gestürzt hat, ebenfalls mit mehr als 15% an der Commerzbank beteiligt. Auch der Staat dürfte angesichts immenser Buchverluste nicht gerade amüsiert sein von seiner Engagement. Nein, fürs erste ist die Commerzbank keine Aktie für einen langfristig ausgerichteten Anleger.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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