Der Euro wird politisch um jeden Preis gerettet

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Euro- und EU-Kritik wird vor allem hierzulande mit allen Mitteln bekämpft. Hier erfahren Sie, wie das vor sich geht. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Jeden Tag gibt es neue Hiobsbotschaften über Europa. Die Asylkrise spaltet die Union immer mehr. Ebenso die verfehlte EU- und Euro-Politik.

Wir haben Ihnen aufgezeigt, wie die Lage um den Euro verharmlost wird. Obwohl er wirtschaftlich sinnlos wird, ist er politisch gewollt. So einfach ist das.

Ex- Bundespräsident Joachim Gauck verlangte sogar eine gewisse Risikobereitschaft auch im monetären Bereich, die mit zu einer guten Politik gehöre. Vor allem dürfe man in der Euro-Krise nicht die Geduld verlieren, nicht durchdrehen und nicht hysterisch werden.

Eurokritiker werden mundtot gemacht

Wehe denen, die Merkels Euro-Politik kritisieren: Sofort wird ihnen ein Schreckgespenst aus fragwürdigen Argumenten und nationaler Nostalgie entgegengehalten.

Mit dem Vorwurf, nichts als Furcht bei den Bürgern zu schüren und deren Sorgen unbegründet zu dramatisieren.

So sagte Altbundeskanzler Helmut Schmidt, dass ein Teil der öffentlichen Meinung hierzulande leider Gottes von nationalegoistischer Sichtweise geprägt sei.

„Es wird Deutschland auf Dauer nicht gut gehen, wenn es Europa auf Dauer schlecht geht. Renationalisierung und Fundamentalisierung sind gefährliche Reaktionen auf unsere Welt im Wandel“, unterstützte ihn dabei der verstorbene Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

Menschen glauben der Politik immer weniger

Sie sehen an diesen Beispielen: Kritik an der Währungsunion, die zu einer wahrhaftigen politischen Schicksalsgemeinschaft zusammengeschweißt wurde, scheint unerwünscht, politisch nicht korrekt. Und das, obwohl alle Zeichen auf Sturm stehen.

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Doch die Menschen glauben diesen Worten immer weniger. Verschiedene Umfragen sprechen dahingehend eine immer deutlichere Sprache.

Euro- und EU-skeptische Parteien sind auf dem Vormarsch, wie zuletzt in Italien. Dort stellen eine solche jetzt sogar die Regierung.

Seehofer wusste schon vor Jahren Bescheid

Der wegen seiner Rebellion gegen Angela Merkel in der Asylkrise in Kritik geratene Bundesinnenminister Horst Seehofer wusste schon vor Jahren von der zunehmenden Euro-Skepsis der Bevölkerung.

Damals räumte er ein, dass die Deutschen keinen europäischen Superstaat wollen, genauso wenig, wie sie früher die D-Mark nicht opfern wollten. „Wenn Sie die Deutschen hätten abstimmen lassen, dann hätte die Mehrheit der Bürger für die Beibehaltung der Mark gestimmt“, bekannte er folgerichtig.

So wird man zum Europagegner gemacht

Der ehemalige bayrische Ministerpräsident und CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber gab in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel zu: „Deshalb gab es in der Politik eine Tendenz, dass jeder, der Einwände erhob, als Europagegner galt.“

Sprich: Jeder, der Einwände hatte, die starke D-Mark für den schwachen (aus deutscher Sicht) Euro einzuführen, wurde gleich gebrandmarkt. Ein System, das heute noch funktioniert.

Nur dass der Denunzierungsbegriff „Europagegner“ nun mit „Nationalist“ ausgetauscht wird. Und zwar in der Politik und in den Mainstreammedien.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.