Der Fall Wirecard zeigt Ihnen wie gefährlich bestimmte Aktien sind

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Wirecard stieg 2018 in die erste deutsche Börsenliga auf. Seit einigen Wochen sorgen extreme Kursturbulenzen für Aufsehen. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Schon im vergangenen Jahr sorgte die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard mit Sitz in Aschheim bei München für Furore. Bei dem Papier ging es ja schon seit Jahren steil nach oben. An dieser „reinrassigen Wachstumsstory“ kamen auch die Verantwortlichen der Deutschen Börse nicht vorbei; letztendlich stieg die Aktie in den deutschen Leitindex DAX auf.

Fakt war ja, dass die Marktkapitalisierung von Wirecard in der Spitze höher lag als bei der Aktie des größten Bankhauses der Republik, der Deutschen Bank. Noch im September 2018 notierte das Papier bei fast 200 Euro. Damals herrschte pure Euphorie. Aus dem Umfeld des Unternehmens war von anhaltend starkem Wachstum die Rede. Der Vorstandschef, Herr Braun, sprach davon, den Börsenwert von Wirecard auf sage und schreibe 100 Milliarden Euro in den kommenden Jahren zu steigern. Das wäre dann – angenommen die Zahl der Aktien bleibt unverändert – ein Kurs von um die 810 Euro.

Kurssturz sorgt für Aufsehen

Wenige Monate später, im Februar 2019, sieht die Welt gänzlich anders aus. Beinahe täglich sorgt die Aktie für Negativ-Schlagzeilen. Einige Artikel der Financial Times über einen angeblichen Bilanzskandal der Tochter in Singapur reichten aus, um den Höhenflug der Aktie jäh zu beenden. Ende Januar stand der Kurs der Wirecard-Aktie noch bei gut 170 Euro in der Spitze. So rasant und fulminant wie der vorherige Höhenflug des Papiers, so dramatisch auch der Absturz. Binnen weniger Handelstage halbierte sich die Aktie fast.

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Wohl gemerkt, es handelt sich nicht um einen kleinen Nebenwert, sondern um eine Aktie, die im deutschen Leitindex enthalten ist. In der Spitze gingen mehr als 14 Milliarden Euro an Börsenwert verloren. Besonders extrem waren die Tagesschwankungen; binnen weniger Minuten schwankte die Aktie mitunter prozentual zweistellig. In der Spitze ging es innerhalb eines Handelstages bisweilen fast 30 Prozent nach unten, ohne dass es eine Gewinnwarnung des Unternehmens gab. Die negative Berichterstattung der Financial Times reichte insofern aus. Weiter fiel auf, dass der Börsenbetreiber trotz dieser Kapriolen die Aktie nicht vom Handel aussetzte, um die „Gemüter“ zumindest etwas abzukühlen.

Auch DAX-Werte nicht vor Absturz sicher

Ja, liebe Leser, selbst angeblich reinrassige Wachstumswerte der ersten deutschen Börsenliga sind vor Turbulenzen nicht gefeit. Angesichts solcher Kursextreme ist es verständlich, dass seriöse Investoren dem Markt, der eher einem unregulierten Casino gleicht, fernbleiben. Leider ist die Wirecard-Aktie selbst nach dem jähen Ende des Höhenflugs bewertungstechnisch immer noch kein Super-Schnäppchen. Ein 2019er-Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24 ist nicht wirklich extrem günstig.

Sollte am Ende an den Vorwürfen der Financial Times doch „etwas dran“ sein, wäre es sehr unwahrscheinlich, dass der Markt der Aktie weiter eine derart hohe Bewertung zugesteht. Wie auch immer, seriöse Investoren schauen dem wilden Treiben ohnehin nur von der Seitenlinie aus zu.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.